Streuobst in Hausen

Damit sich ein Apfel Streuobst nennen darf, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Er muss zum Beispiel von einem Baum stammen, der verstreut mit anderen auf einer Wiese steht und dessen Stamm mindestens 1, 80 m misst. Außerdem darf er zu keiner Zeit künstlich gespritzt oder der Boden mit Mineraldünger versetzt werden. Auf Streuobstwiesen wachsen Äpfel, Birnen, Walnüsse, Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen, Kirschen und Quitten. Heute gilt Streuobst als qualitativhochwertig – das war nicht immer so.

In den 1970er Jahren hatte Streuobst fast keinen Wert. Die Rodung von Streuobstbäumen wurde sogar durch Prämien gefördert, weil diese in Konkurrenz zur Plantagenwirtschaft standen. In den Neunzigern erkannte man die Bedeutung von Streuobstwiesen wieder. Zu dieser Zeit gab es staatliche Förderungen und man stellte Setzlinge kostenlos zur Verfügung.

In und um Hausen (Rhön) trug Adam Zehntgraf maßgeblich zu Renaissance von Streuobst bei. Adam Zehntgraf ist ein engagierter Bürger aus Hausen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Gesellschaft den Wert von Streuobst wieder näher zu bringen.

Heute ist das Streuobst in Hausen wieder hoch im Kurs. Die letzte Zählung der Streuobstbäume liegt schon über 50 Jahre zurück. Früher wie heute beläuft sich die Zahl auf etwa 5000 Bäume in Hausen. Die Bäume verteilen sich auf ein Gebiet von rund 65 Hektar.

Anlässlich der Dorferneuerung wurden um die Jahrtausendwende eintausend neue Bäume gepflanzt, um gefällte und alte Bäume zu ersetzten. Etwa die Hälfte der Streuobstbäume pflanzte man zur Anlegung eines Obstsortenerhaltungsgartens.

Zur Verbreitung der alten Sorten werden Edelreiser geschnitten und im Frühjahr auf der Edelreiser-Börse verkauft, sie können auch bestellt und versendet werden. Außerdem findet jeden 3. Sonntag im Oktober der Apfelmarkt statt, auf dem die unterschiedlichen Apfelsorten erhältlich sind. Wer den Obstsortenerhaltungsgarten unterstützten möchte, kann eine Baum-Patenschaft übernehmen. Sie kostet einmalig 50 € und man wird bei jeder Ernte mit 10 kg des Ertrages beteiligt.
Unterstützung  kommt außerdem von Landwirten, die die Wiese mähen. Für das Schneiden der Bäume ist die Gemeinde verantwortlich.

In Hausen gab es schon zuvor Initiativen für Streuobst. 1996 wurde Hausen Modellgemeinde  des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Im Rahmen dessen baute die Gemeinde ein Lehrpfad zum Thema Streuobst auf. Hierfür lud man drei Pomologen (Apfel-Experten) ein. Sie konnten über 400 Apfel- und Birnensorten in der Rhön nachweisen. Die Fertigstellung und Eröffnung des individuell auf Hausen bezogenen Lehrpfades erfolgte 1999. Die gesammelte Information des Pfades findet man auch in der zugehörigen Broschüre, sie ist bei der Gemeinde Hausen oder bei Herrn Zehntgraf erhältlich.

 

 

Zurück zur Übersicht

Bild: Julia Rösch, Bayerische Verwaltungsstelle

Bild: Julia Rösch, Bayerische Verwaltungsstelle

Unsere Sponsoren

Weitere Sponsoren