Gersfeld - 06.05.2009Biosphärenreservat Rhön

Neue Perspektiven für die Landwirtschaft

 

Der Verein Natur- und Lebensraum Rhön e.V. veranstaltete in Zusammenarbeit mit den Kreisbauernverbänden von Fulda und Bad Neustadt eine landwirtschaftliche Exkursion durch die Fränkische Rhön. Diese fand am 27.04.09 unter reger Beteiligung hessischer Landwirte statt.

Das erste Ziel war das Holunder- und Bioputenprojekt von Martin Ritter in Ostheim. Seit einigen Jahren baut Ritter exklusiv für Bionade Schwarzen Holunder an. Dank der guten Nachfrage und der vertrauensvollen Zusammenarbeit hat Ritter den Anbau sukzessive ausgeweitet und auch in 2008 ein neues Feld angelegt. Ein weiteres wichtiges Standbein des Biobetriebs ist die Putenzucht. Jährlich vermarktet der Betrieb etwa 3000 Puten, u. a. über den eigenen Hofladen und die hofeigenen Jausenstation. In den Genuss der wohlschmeckenden Putenspezialität kam auch die Exkursionsgruppe.

Ferner erhielten die Teilnehmer Einblick in das Geschäftsmodell der IBC Solar. Dies ist ein Projekt des Bürgersolarkraftwerks der Rhön-Grabfeld GmbH & Co. KG, hervorgegangen aus einer Initiative des Neustädter Bauernverbands. Die IBC Solar hat bei Hollstadt eine 4,7 ha große Fotovoltaikanlage im Außenbereich auf Grünland realisiert. Das notwendige Kapital wurde überwiegend durch Bürgerbeteiligung aufgebracht, wo es sich laut Michael Diestel, Geschäftsführer des Bauernverbandes Rhön-Grabfeld, um eine lohnende Investition mit hoher Rendite handelt. Auch der Bürgermeister Josef Demar von Großbardorf betonte die Vorbildlichkeit des Projektes, da durch den regionalen Ansatz die Erträge in der Region bleiben. 

Nächstes Etappenziel war die Herrenmühle von Hollstadt. Arno Ress betreibt hier ein vielschichtiges Unternehmen mit Wasserkraft, Ackerbau, Sägewerk und Ferienwohnungen. Er vermittelte Einsicht in den Anbau der traditionsreichen Hollstädter Speisekartoffeln, deren Lagerung und Vertrieb. Die Bedeutung der Wasserkraft vermittelte Ress an der eigenen Anlage, welche mit zwei Francis-Turbinen ausgestattet ist und Strom für Sägewerk, Wohnhaus und Ferienwohnungen sowie für das öffentliche Netz liefert.

Schweinezucht und Schweinemast standen ebenfalls auf dem Besichtigungsprogramm. Auf dem Hof von Eberhard Räder, Landwirt in Bastheim, konnten sich die Teilnehmer über das XXL-Schweine-Programm von „tegut...gute Lebensmittel" informieren. Exklusiv für tegut erzeugt der Biolandwirt Schweine, die bis zu 180 kg schwer und mindestens ein Jahr alt werden. Die gewonnene Fleisch- und Speckqualität ist unverzichtbar für die hochwertige tegut-Eigenmarke „Rhöngut". Großes Interesse fand auch die hofeigene Biogasanlage, die ausschließlich mit Schweinmist und Kleegras betrieben wird. Mais wird nicht eingesetzt. Zwei weitere Biobetriebe liefern ebenfalls noch Kleegras zu. Die Anlage hat die beachtliche Leistung von 1500 kWh.

Hubert Heger, Leiter der Exkursion, machte am Ende der Tagesfahrt nochmals Ziel und Zweck der Exkursion deutlich. "Wir möchten unsere heimischen Landwirte auf neue Entwicklungen, Alternativen und Nischenprodukte aufmerksam machen und diskutieren, ob diese Lösungsansätze auch für die Hessische Rhön nutzbar sind. Es geht darum, den Blick über den Tellerrand zu öffnen und von den vielfältigen Projekten der fränkischen Kollegen zu lernen." Die Entwicklungen zeigen, dass sowohl traditionelle Produkte wie das XXL-Schwein wie auch neue Erwerbszweige wie der Holunderanbau viel versprechende Optionen für eine bäuerliche Landwirtschaft sein können, die ihre Eigenständigkeit wahrt und Zukunft mitgestaltet.

06.05.2009

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