Gersfeld - 07.01.2014Biosphärenreservat Rhön

Wo der Wald vermessen wird

Kernzonenforschung am „Kesselrain“ und „Steinkopf“

WÜSTENSACHSEN. Die 1998 begonnene waldkundliche Erforschung und Erstaufnahme der Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön geht in die zweite Runde. Seit Mitte Oktober 2013 arbeiten drei Aufnahmeteams mit je zwei Forstwissenschaftlern in den Kernzonen am „Kesselrain“ und „Steinkopf“ bei Wüstensachsen und messen in den insgesamt 473 Dauerbeobachtungsflächen mit je 0,1 ha Größe jeden Strauch und Baum.

Ewald Sauer von der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön (Bild 2.v.l.), zuständig für den Bereich Forschung, überzeugte sich jetzt vom Fortgang der Forschungsarbeiten. Neben den allgemeinen Bestandsdaten wie Hangneigung und Exposition würden die Baumart und das Alter erfasst. Mit einem elektrischen Höhenmesser ermittle man die Baumlängen und mit der Klappe den Durchmesser. Gutachterlich würden die soziologische Stellung und die Qualität jeden Baumes angesprochen. Liegendes oder stehendes Totholz und die Stubben würden ebenfalls aufgenommen und vermessen.

„In manchen Probekreisen müssen wir bis zu 300 Objekte erfassen“, betont Sauer. Abschließend werde noch die Naturverjüngung und deren Verbiss eingeschätzt. Alle ermittelten Daten würden direkt im Wald in einen Aufnahmecomputer eingegeben und auf Plausibilität überprüft. Die gewonnenen neuen Daten könnten so sofort mit den Erstaufnahmedaten verglichen werden. „Wir können so Veränderungen feststellen und quantifizieren. So ist es uns möglich, natürliche Walddynamik zu studieren und diese Erkenntnisse bei der Behandlung der Wirtschaftswälder einfließen lassen“, stellt Sauer fest. Spannend werde auch die Frage sein, ob sich die Klimaveränderung in der Walddynamik feststellen lasse, denn Pflanzen seien die besten Indikatoren.

Die Aufnahmearbeiten würden unter großen zeitlichem Druck laufen, denn die Baumhöhen könnten exakt nur nach dem Laubfall gemessen werden, und der sei in diesem Jahr erst Mitte Oktober gewesen, so Sauer. Bei höherem Schnee seien das liegende Holz und die Naturverjüngung nicht mehr aufzunehmen. Dann würden die Aufnahmearbeiten in den Hochlagen wie am Steinkopf und Kesselrain unterbrochen und in tiefere Lagen verlagert.

Dieses Kernzonenmonitoring werde nach dem langfristigen Forschungsplan des Biosphärenreservats alle zehn bis 20 Jahre wiederholt und durch zoologische Forschung ergänzt. Die in den letzten beiden Jahren neu ausgewiesenen Kernzonen würden im nächsten Jahr bearbeitet, stellte Ewald Sauer abschließend fest.

07.01.2014

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