Gersfeld - 07.01.2014Biosphärenreservat Rhön

Gute Gründe für den Schutz der Wildkatze in der Rhön

Michael Geier, Leiter bayer.Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Ulrike Schade, Verein RhönNatur e.V. und Geoökologe Michael Brombacher,
Zoologischen Gesellschaft Frankfurt

Aktionsplan für bessere Lebensgrundlagen des Raubtiers erarbeitet OBERELSBACH.

Die Rückkehr der Raubtiere wird immer wieder aus Regionen gemeldet, in denen sie längst ausgestorben – meist ausgerottet – waren. Auch die Rhön lässt seit geraumer Zeit damit aufhorchen, dass sich die Wildkatze hier wieder ausbreitet. Das Biosphärenreservat will in den kommenden Jahren versuchen, die Lebensbedingungen zu verbessern und hat aus diesem Grund einen Aktionsplan entwickelt, der jetzt vorgestellt wurde.

Wie viele Tiere derzeit tatsächlich in der Rhön leben, kann Michael Geier,
Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, gar nicht genau sagen. 42 Exemplare seien nachgewiesen, es könnten aber weit mehr sein. Auch lässt sich nur schwer auseinanderhalten, wie viele von den gezählten Vierbeinern nur „auf der Durchreise“ waren, denn die Tiere hätten einen enormen Aktionsradius.

Genauere Daten lieferten aber die Ergebnisse des Projekts „Die Wildkatze in der Rhön“ der Allianz Umweltstiftung und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Mit Hilfe von Lockstöcken konnten drei Korridore ausgemacht werden, auf denen sich die Tiere bewegen. Die drei Korridore vereinigen sich im Raum Bad Brückenau. Spannend ist jetzt die Frage, ob die in der Rhön identifizierten Katzen „Reisende“ sind oder eine ansässige Population darstellen. Mit Hilfe von DNA-Tests ließen sich Indizien dafür finden, dass wohl „Rhöner“ Wildkatzen darunter sind. Ein Beweis stehe aber noch aus, dass es Wildkatzen in der Rhön schon immer gegeben hat, bemerkt Geier.

In den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte es Meldungen gegeben, wonach die letzte Wildkatze der Rhön bei Hausen geschossen worden sei. 1969 soll es bei Hilders wieder eine Sichtung gegeben haben, in den 90er-Jahren dann im Neuwirtshauser Forst. Aufschluss darüber, ob die Wildkatze tatsächlich schon einmal ausgerottet war, erhofft sich Geier durch einen DNA-Test an zwei ausgestopften Exemplaren, die aus den 60er-Jahren stammen sollen. Sollten Übereinstimmungen mit aktuellem Genmaterial festgestellt werden, wäre der Nachweis erbracht, dass die Rhöner Wildkatze trotz intensiver Bejagung nie ausgerottet worden ist.

Damit gäbe es ein Argument mehr, die Wildkatze in der Rhön stärker zu schützen. Es wären ohnehin keine großen Eingriffe in die Natur vorzunehmen, sagt Diplom-Ökologin Ulrike Schade vom Verein RhönNatur e.V. Mit relativ einfachen Mitteln könnte der Lebensraum optimaler gestaltet werden, etwa dadurch, dass Restholz im Wald zurückbleibt. Durch die Eingriffe werde zudem auch kein Konfliktpotenzial aufgebaut, etwa mit dem Birkwild, das mehr die freie Fläche bevorzugt, während die Wildkatze geschlossene Räume liebe.

Vor allem wird ein störungsfreier Lebensraum für die Wildkatze benötigt,
womit sich die Kernzonen des Biosphärenreservats anbieten. Dort sollen
Vorranggebiete eingerichtet werden, die besonders auf die Wildkatze
abgestellt sind und beispielsweise über ein Feuchtbiotop verfügen, felsige
Abhänge, Hecken und Waldränder. Schwieriger wird es mit den künstlichen Barrieren in den Korridoren. Eine der beliebtesten Wanderrouten quert beispielsweise die Verbindungsstraße zwischen Ostheim und Nordheim. Ein weiteres Hindernis ist die B  279
zwischen Bad Neustadt und Schönau. Eine Grünbrücke oder Untertunnelung wären viel zu aufwändig, räumt Geier ein. Es könne höchstens appelliert werden, bei Straßenbaumaßnahmen das Wanderverhalten der Tiere in die Planungen einzubeziehen.

Wichtig sei aber auch, weitere Erkenntnisse über die Wildkatze zu erhalten. Daher wird der Aktionsplan auch weiter wissenschaftlich begleitet. Darüber hinaus sollen Beobachtungen der Verwaltungsstelle mitgeteilt werden, ebenso wären Protokolle von Unfällen oder Todfunden, die im Internet unter www.rhoennatur.de als Formulare verfügbar sind, für weitere Erkenntnisse hilfreich. Auf dieser Internetseite sind der gesamte Aktionsplan sowie eine umfassende Darstellung der Wildkatze und ihrer Verbreitung in der Rhön einsehbar.

07.01.2014

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