Gersfeld - 06.02.2013Biosphärenreservat Rhön

Ablehnung der B87n als Chance für ein neues Verkehrskonzept Rhön

Die Hessische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön hat die Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen. „Wir begrüßen die Tatsache, dass endlich von offizieller Seite eine Entscheidung gefallen ist, mit der wir aus Sicht des Biosphärenreservates und nachvollziehbaren Gründen des Natur- und Artenschutzes gut leben können“, sagt der Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle Torsten Raab.

Der Schutz von Natur und Landschaft in sensiblen Bereichen der Rhön sei aufgrund der bestehenden Schutzgebiete generell eine hohe Hürde für den Bau einer neuen Bundesstraße – dies sei jedoch von Anfang an bekannt gewesen. Die so entstandenen „grundsätzlichen erheblichen Bedenken“ des Bundesverkehrsministeriums konnten im Falle der B87n von den Fachplanern auch nicht ausgeräumt werden.

Es wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die Ausweisung als UNESCO-Biosphärenreservat alleine kein Argument für die Ablehnung einer solchen Straße sei, sondern stattdessen sowohl der Naturschutz als auch der zu erwartende Lkw-Verkehr und die wohl unvermeidbaren Kostenerhöhungen zu dieser Entscheidung beigetragen haben. Aktuell stehen auch andere Verkehrsprojekte in Deutschland auf dem Prüfstand, die ebenfalls unter Kosten-Nutzen-Aspekten abgewogen werden, wobei auch hier der planerische Aufwand, die Realisierbarkeit und die zu erwartende Eingriffe mit einbezogen werden.

 Der UNESCO-Titel des Biosphärenreservats ist darüber hinaus eine Verpflichtung und ein besonderer Auftrag, die bestehenden Schutzgebiete, die vorhanden schützenswerten Arten und die einzigartige Landschaft im Einklang mit dem menschlichen Tun zu erhalten und zu entwickeln. Dieses Miteinander von Mensch und Natur ist in Abstimmung mit der Bevölkerung vor Ort zu erzielen, in dem man gemeinsam nach Lösungen sucht. Für den Fall der B87n konnte man in den letzten Jahren jedoch den Eindruck gewinnen, dass viele Menschen der Region sich zwar für einzelne Umgehungsstraßen aber auch klar gegen diese Bundesstraße ausgesprochen haben. Auf die zu erwartenden negativen Folgen durch den geplanten Bau und Betrieb der Straße wurde von mehreren Seiten offen und frühzeitig hingewiesen.

 Nachdem eine Mediation vom Hessischen Wirtschaftsministerium in 2011 abgelehnt wurde, um gemeinsam mit den Bürgern der Rhön nach einer Lösung zu suchen, besteht nun die Hoffnung, an dem von Herrn Michael Brand Md vorgeschlagenen Runden Tisch eine Lösung zu finden bzw. eine Entscheidung herbeizuführen, die von allen mitgetragen wird.

 Dabei sollte es aus Sicht der Hessischen Verwaltungsstelle beim Runden Tisch nicht darum gehen, kurzfristig einfach nur eine Alternativroute für die B87n zu suchen. Die natürlichen Gegebenheiten der Rhön bleiben dieselben und eine Suche nach Trassenvarianten hat bereits schon stattgefunden (mit dem Ergebnis der nun abgelehnten Trasse). Es geht vielmehr darum, die aktuelle Verkehrssituation in der Rhön neu zu prüfen, Bedarf und Angebot genau zu untersuchen, um dann ein alternatives Verkehrskonzept für die Rhön zu entwickeln, mit dem auch neue regionalplanerische Impulse gesetzt werden und gleichzeitig das Biosphärenreservat weiter zusammenwächst.

 Dieses alternative Verkehrskonzept Rhön schließt neben dem moderaten Ausbau einzelner Straßenabschnitte und dem Bau von notwendigen Umgehungsstraßen für einen dezentralen Individualverkehr auch die Weiterentwicklung und Vernetzung mit anderen Verkehrsträgern (ÖPNV, Bus, Bahn, Mitfahrzentrale) ein, um ein ganzheitliches Verkehrskonzept für die Rhön und nicht für einen Transitverkehr durch die Rhön zu entwickeln. Die Aspekte „Schutz des Menschen“ und „Schutz der Natur“ müssen dabei gleichberechtigt nebeneinander stehen und dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung der Region gerecht werden.

 Die Rhön liegt zentral im Herzen von Deutschland. Die verkehrsgünstige Lage und Anbindung der Rhön über die Autobahnen (A4/A7) sowie über die ICE-Bahnhöfe Fulda und Eisenach, den IC-Bahnhof Bad Hersfeld und die Rhönbahn Fulda-Gersfeld ist aus Sicht der Hessischen Verwaltungsstelle schon heute sehr gut. In wenigen Stunden kann man das Biosphärenreservat von allen großen Städten der Bundesrepublik aus erreichen. Dennoch kennen viele Deutsche die Rhön leider nur vom „Vorbeifahren“. Diesen Standortvorteil könnte man unabhängig von einer Bundesstraße B87n noch besser nutzen und die gute Erreichbarkeit entsprechend herausstellen.

 Der Vorschlag, die frei gewordenen Mittel nun in den Ausbau der Verbindung Fulda-Frankfurt zu investieren, wird daher von der Hessischen Verwaltungsstelle begrüßt. Diese wichtige Achse verkürzt die Anbindung an die sich weiter entwickelnde Metropolregion Rhein-Main und stärkt die Rhön und das Biosphärenreservat als Wohn- und Wirtschaftsstandort bzw. auch als Naherholungs- und Urlaubsdestination.

 Grundsätzlich sieht Raab das Biosphärenreservat auf einem guten Weg, sollte es gelingen, die jahrelangen Konflikt-Themen „Bundesstraße B87n“, „Kernzonen“ und „Windkraft“ in diesem Jahr zu einem guten Ende zu bringen. „Es wäre zu begrüßen, wenn wir in Zukunft wieder verstärkt mit positiven Meldungen und neuen Ideen wahrgenommen werden“, so Raab. Die sehr intensiven Diskussionen um die genannten Themen haben in den vergangenen Jahren sehr viel Zeit und Kraft gekostet, ohne dass die Rhön bisher positiv davon profitiert habe.

 Der geplante Verzicht auf die Bundesstraße B87n, die Freihaltung der Rhön von Windkraftanlagen und die Schaffung der notwendigen 3% Kernzonen könnten als wichtige Entscheidungen dazu beitragen, dass das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön als einzigartige, unzerschnittene und offene Mittelgebirgslandschaft im Herzen von Deutschland noch mehr an Bedeutung gewinnt.

Wichtige Projekte wie „Regionale Produkte der Dachmarke Rhön“, „Nachhaltiger Tourismus“, „Rotmilanschutzkonzept“ und ein „Grünlandkonzept Rhön“ sollen mit dazu beitragen, die Zukunftsthemen Demographischer Wandel, Naturverträgliche Landwirtschaft, Erhalt der Biodiversität und Regionale Wertschöpfung positiv zu beeinflussen, damit das UNESCO-Biosphärenreservat als Modellregion seinen internationalen Ansprüchen gerecht werden kann und die Menschen in der Rhön eine echte Zukunftsperspektive haben.

Der Blick sollte nun nach vorne gehen und eine fast 20-jährige Planungsphase endgültig abgeschlossen werden. Eine langwierige Debatte um Geld und Naturschutz erscheint wenig sinnvoll. Die Rhöner im Biosphärenreservat sollten nicht noch einmal 20 Jahre auf eine Lösung warten müssen. Gefragt ist jetzt ein neues tragfähiges und umsetzbares Verkehrskonzept Rhön.

06.02.2013

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