Gersfeld - 21.12.2012Biosphärenreservat Rhön

Bergbauernprogramm inakzeptabel gekürzt

WASSERKUPPE. In der letzten Sitzung des Fachforums Naturschutz und Kulturlandschaft des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön wurden die aktuellen Auszahlungen der Ausgleichszulage(AGZ) bzw. des so genannten Bergbauernprogramms massiv kritisiert. Aufgrund drastischer Kürzungen in den vergangenen beiden Jahren sehen sich insbesondere die extensiv wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betriebe in den Hochlagen der Rhön, die sich in den vergangenen Jahren auf Mutterkuhhaltung und extensive Grünlandbewirtschaftung spezialisiert haben, in ihrer Existenz bedroht. Damit werden auch die Zielsetzungen des Biosphärenreservats massiv in Frage gestellt.

Seit vielen Jahrzehnten gibt es das so genannte Bergbauernprogramm, welches eine Erschwerniszulage für landwirtschaftliche Betriebe in den Hochlagen der Mittelgebirge darstellt. Das Programm soll Benachteiligungen, die den Landwirten in den Ungunstlagen mit schwierigen klimatischen Bedingungen und geringer Bodenqualität entstehen, ausgleichen. Es soll gewährleisten, dass auch in Zukunft eine bäuerlich geprägte Kulturlandschaft erhalten bleibt.

Bereits von 2010 auf 2011 wurde die AGZ um 50 % gekürzt. Mit der jetzigen Auszahlung unmittelbar vor Weihnachten mussten die Landwirte erleben, dass es erneut zu einer Kürzung um rund 30 % gekommen ist. Dies bedeutet für einen Landwirt der rund 70 ha im Bereich Hilders bewirtschaftet, dass die Zulage von ca.10.000 € im Jahr 2010 auf ca. 3.000 € in 2012 zusammengeschmolzen ist. Der Verein Natur- und Lebensraum Rhön sieht damit viele sowieso vom Strukturwandel bedrohte Betriebe akut in ihrer Existenz gefährdet. Seit Jahren setzt sich das Biosphärenreservat für Mutterkuhhaltung und extensive Grünlandbewirtschaftung ein, um neben der Alternativen Intensivierung mit Maisanbau und Güllewirtschaft auf der einen Seite und der Brache bzw. der Aufforstung andererseits einen dritten Weg zu ermöglichen, um das „Land der offenen Fernen“ in seiner außergewöhnlichen Qualität zu erhalten.

Dies sieht man nun im Verein Natur- und Lebensraum Rhön konterkariert. Thomas Schreiner, stellvertretener Forensprecher und Bürgermeister von Ehrenberg, bringt seine Enttäuschung auf den Punkt: „Es gab einmal Minister und Staatssekretäre, die versprachen der Rhön, die Landwirte auch dann noch zu unterstützen, wenn es ansonsten keine staatlichen Förderungen mehr gäbe – aber das ist offenbar leider schon lange in Wiesbaden vergessen!“

Im Verein Natur- und Lebensraum Rhön erinnert man auch an die Verpflichtung, die das Land Hessen mit dem Rahmenkonzept Biosphärenreservat Rhön eingegangen ist, nämlich eine bäuerlich geprägte Kulturlandschaft zu erhalten, zu fördern und weiter zu entwickeln.

Daher appellieren Dr. Hubert Beier, Vorsitzender des Vereins und die Mitglieder des Fachforums Naturschutz und Kulturlandschaft an die Landesregierung, die Auszahlung des diesjährigen AGZ zu korrigieren und dem Biosphärenreservat angemessene Instrumente für die Erhaltung der auch naturschutzfachlich wertvollen Grünlandstandorte an die Hand zu geben. In diesem Zusammenhang kündigt Dr. Hubert Beier an, dass im Verein intensiv an einem Grünlandpositionspapier sowie an einem Grünlandkonzept gearbeitet werde, um im Interesse des Biosphärenreservats und der hier lebenden und wirtschaftenden Menschen die Grünlandbereiche zu erhalten.

21.12.2012

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