Gersfeld - 16.02.2012Biosphärenreservat Rhön

Rhönwinter: Zeit für Naturbeobachtungen

Nachdem der Oktober und November 2011 mit wochenlangem Inversionswetter sehr mild und trocken war, kam im ebenfalls relativ milden Dezember viel Niederschlag - sogar mehr als das langjährige Mittel - in Form von Regen nieder.

Aufgrund der stellenweise vorhandenen Mast bei der Rotbuche in unseren Breiten kamen mit dem Wintereinbruch im Norden und Osten Europas zahlreiche Finkenvögel, insbesondere Bergfinken, aber auch Ringeltauben in unsere Region, die damit als Überwinterungsgebiet für nordeuropäische Vogelarten eine wichtige Rolle spielt. Unregelmäßige Wintergäste bei uns sind Vögel der offenen Tundragebiete wie Schneeammern oder Rauhfußbussarde, die ihrem Lebensraum entsprechende, gehölzarme Offenlandschaften bei uns aufsuchen. Nur in besonders strengen skandinavischen Wintern verlassen Tannenhäher oder Seidenschwänze ihre nordische Heimat in größeren Scharen, die bei uns die Siedlungsnähe und den Menschen nicht scheuen.Kurz vor der immer noch andauernden Frostperiode verließen Tausende Kraniche ihre nordostdeutschen und polnischen Brutgebiete, in denen sie bislang noch ausgeharrt hatten. In milden Wintern erhöht sich die Neigung der Vögel, sich nicht auf den langen und gefahrvollen Weg nach Afrika zu begeben. Erst mit dem strengen Frost und dem Zufrieren der Quellbereiche verschwanden jetzt auch die überwinternden Waldschnepfen in Richtung Südwesten.
Von denen unter einigen Apfelbäumen noch liegenden Früchten des guten Apfeljahres 2011 ernähren sich Amseln und Wacholderdrosseln, die teilweise wenig menschenscheu sind und dadurch ihre nordische Herkunft verraten.

Im Februar ist in den Hochlagen noch Paarungszeit beim Fuchs, den man vor allem an sonnigen Tagen gelegentlich sogar tagsüber beobachten kann. Die im Januar geborenen Frischlinge der gut gemästet in den Winter gegangenen Wildschweine werden in dieser Kälteperiode wohl überwiegend zugrunde gehen, was zu einer Nachrausche und einem zweiten Frischen im April/Mai führen dürfte. Rehe und Hirsche haben zurzeit ihren Stoffwechsel auf Sparflamme geschaltet. Sie versuchen, durch wenig Bewegung, Energie zu sparen. Sie schonen damit ihre Vorräte an Winterspeck, der sie ernährt und gegen die Kälte isoliert. Sie müssen auf diese Reserven auch noch im März und April vor der eigentlichen Vegetationsperiode zurückgreifen, bis es wieder ein gehaltvolleres Nahrungsangebot gibt.
Bei den trächtigen Rehen und Hirschkühen entwickelt sich bereits deutlich der Embryo im Mutterleib, was ebenfalls Energie kostet.
Und schon mit den ersten wärmeren Tagen im März kehren die Rotmilane und Feldlerchen aus ihren mediterranen Winterquartieren wieder in ihre Brutgebiete in der Rhön zurück, was durch warme Südwestwinde begünstigt wird. Einzelne Rotmilane sind vor der Frostperiode noch im Rhöngebiet gesichtet worden.
Im Februar/März werden in den tieferen Lagen bereits die ersten Jungdachse im geschützten Erdbau das Licht der Welt erblicken. Tannenhäher und Fichtenkreuzschnabel schreiten zeitig im Jahr zur Brut, wofür sie gut isolierte, kunstvolle Nester bauen.
„Je tiefer der Winter, desto näher das Frühjahr\" heißt ein alter Spruch. Die schon wieder deutlich länger andauernde Tageshelligkeit ist neben der Temperatur ein Auslöser für bestimmte Phasen jährlich wiederkehrender, biologischer Zyklen.
Genießen Sie die Frostperiode mit ihren bizarren Eisgebilden, stillen Naturerlebnissen und knirschendem Schnee unter den Schuhen, denn schon in wenigen Wochen ist die Regentschaft des Winters wieder vorbei.
Damit die Wildtiere auch die für sie lebensbedrohliche Notzeit gut überstehen, bittet die Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön darum, die Einstände und Rückzugsbereiche der Tiere zu respektieren und durch Fütterung vor allem die Not der Vögel zu lindern.

 

16.02.2012

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