Gersfeld - 07.02.2012Biosphärenreservat Rhön

VDN-Positionspapier "Energiewende im Einklang mit Natur und Landschaft"

Torsten Raab, Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats und Geschäftsführer des Naturparks Hessische Rhön weist auf die besondere Bedeutung der Rhön als einzigartigen und sensiblen Natur- und Landschaftsraum hin. Das Positionspapier der Dachorganisation der Naturparke ist ein sinnvoller Beitrag in der Debatte rund um erneuerbare Energien.

Der Verband Deutscher Naturparke (VDN) unterstützt die in Deutschland
beschlossene „Energiewende".
Erneuerbare Energien bilden zusammen mit dem
sparsamen und effizienten Umgang mit Energie die Grundlagen einer nachhaltigen und am
Klimaschutz orientierten Energiewirtschaft.
Der für die Energiewende erforderliche Ausbau der Infrastruktur wie der Bau von
Leitungstrassen, Wasserkraftanlagen, Kavernenspeichern, Windenergieanlagen und
Freiflächenphotovoltaikanlagen bringt in erheblichem Umfang Eingriffe in Natur und
Landschaft mit sich und kann zu Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes führen.
Der großflächige Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung in Monokulturen wie Mais
führt zudem zum Verlust von Artenvielfalt, zur Grundwasserverunreinigung und zur
Bodenerosion.
Für die Ausgestaltung der Energiewende ist daher dringend erforderlich:

1. Die Energiewende muss im Einklang mit den Zielen „Schutz von Natur und
Landschaft", „Erhalt der biologischen Vielfalt" sowie „naturnahe Erholung und
nachhaltiger Tourismus" erfolgen. Dies gilt insbesondere in Bezug auf Naturparke.
Denn sie verfolgen diese Ziele entsprechend der Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes und der Landesnaturschutzgesetze. Der aufgrund der kurzfristig beschlossenen Energiewende entstandene zeitliche Druck darf nicht dazu führen, dass diese wichtigen Schutzgüter und die gesetzlich und gesellschaftlich anerkannten Ziele der Naturparke in Deutschland vernachlässigt werden.

2. Alle Potentiale für Energieeinsparung, Energieeffizienz und für eine dezentrale
Energieversorgung müssen ausgeschöpft werden.

3. In Naturparken muss der Beitrag zu einer Versorgung mit regional bedeutsamen erneuerbaren Energieträgern in vorbildlicher und mit den Naturparkzielen abgestimmter Weise gestärkt werden. Die Wertschöpfung muss in hohem Maße der Region zur Stärkung des ländlichen Raumes zugutekommen.

4. Naturparke sind unverwechselbare Landschaften, die sich aufgrund ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft besonders für die Erholung eignen. Daher ist in Naturparken in besonderem Maße darauf zu achten, dass das charakteristische Landschaftsbild, die Erholungseignung der Landschaft und die Arten- und Biotopvielfalt nicht durch die Errichtung von Windenergieanlagen beeinträchtigt werden. Windenergieanlagen sind daher in einem planerischen Prozess unter sorgfältiger Abwägung der oben genannten Belange zu steuern und in „Windparken" zu konzentrieren. Eine flächenhafte Streuung von Einzelanlagen ist zu verhindern.

5. Der Anbau von Energiepflanzen als großflächige Monokulturen muss auf ein
regional vertretbares Maß begrenzt und mit den Erfordernissen von Natur-, Wasser und Bodenschutz abgestimmt werden. Die Förderanreize für einen großflächigen Anbau von Energiepflanzen müssen reduziert und mehr als bisher an naturschutzfachliche Vorgaben gekoppelt werden.

6. Die Träger der Naturparke müssen frühzeitig in die Planung von
Infrastrukturmaßnahmen für erneuerbare Energien einbezogen werden.

Die 104 Naturparke in Deutschland sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und den Landesnaturschutzgesetzen Großschutzgebiete auf insgesamt ca. 27% der Bundesfläche. Sie bestehen überwiegend aus Landschafts- und Naturschutzgebieten. Sie verfolgen die Ziele:
1. Erholungsvorsorge und nachhaltiger Tourismus;
2. Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Kulturlandschaft mit ihrer Arten- und Biotopvielfalt;
3. nachhaltige Regionalentwicklung.

 

07.02.2012

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