Gersfeld - 12.12.2011Biosphärenreservat Rhön

Wird Stadtwald Gersfeld Kernzone?

GERSFELD.Um das Kernzonendefizit in der hessischen Rhön zu reduzieren, hat das Land Hessen von der Stadt Gersfeld rund 140 ha Stadtwald angepachtet, welcher als Naturschutzgebiet und Kernzone dauerhaft ausgewiesen werden soll. Vertreter des Umweltministeriums, des Regierungspräsidiums, Hessen-Forst und des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön haben die Flächen nun im Rahmen einer Begehung in Augenschein genommen. Die Flächen bestehen überwiegend aus 50- bis 100jähringen Fichtenbeständen sowie kleineren Laubwaldanteilen im Bereich des Moorwasser.

Eingestreut sind allerdings auch Privatwald-Areale und private Wiesenflächen. Intensiv diskutierten Behörden, Forst und Naturschutzvertreter die fachliche Eignung des Stadtwaldes als Kernzone. Dabei gingen die Auffassungen weit auseinander. Seitens des Ministeriums sieht man die Chance, mit dieser Maßnahme das Naturschutzgebiet Rotes Moor zu arrondieren und zu einem der größten Schutzgebiete Hessens zu entwickeln. Auch wird die Option gesehen, durch einen langfristigen Waldumbau ein naturschutzfachlich wertvoller Hochlagenbergwald zu entwickeln. Ähnlich sieht es Detlef Stüß von der Betriebsleitung Hessen-Forst. In der Umwandlung des standortfremden Fichtenwaldes in einen artenreichen Bergmischwald mit hohen Karpatenbirken-Waldanteilen sieht er eine große Chance und Modellhaftigkeit.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Die Forstexperten sind sich sicher, dass sich die Fichte, obwohl keine heimische Art, auch in der Kernzone natürlich vermehren wird und dominierend bleibt. Die Fichtenbestände des Stadtwaldes gelten überwiegend als hochproduktiv und wirtschaftlich.

Kritik gibt es auch aus Sicht des Bodenbrüterschutzes. Hier wünschen sich zahlreiche Vertreter des Naturschutzes zwar eine Beseitigung der Fichtenbestände, allerdings mit dem Ziel, künftig Offenland zu entwickeln, so dass das Umfeld des Roten Moores auch dauerhaft für Bodenbrüter wie Birkhuhn, Bekassine und Wachtel attraktiv bleibt.

Die von der UNESCO geforderten Kernzonen sollen sich zur Wildnis entwickeln, so die weltweite Zielsetzung. Kernzonen sollen naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume sein, in denen menschliche Nutzungen und Beeinträchtigungen möglichst ausgeschlossen werden. Mit Blick auf die im Gebiet verlaufende Bundesstraße, Loipen- und Wanderwege sowie Radwege lässt sich aus Sicht der ehrenamtlichen Naturschützer das Ziel der Ungestörtheit nicht verwirklichen.

Seitens der Forenmitglieder wurde angeregt, die Möglichkeit des Tausches der Flächen zu prüfen. So könnte es eine Option sein, dass ein Teil der Stadtwaldflächen künftig von Hessen-Forst im Rahmen der regulären Forstwirtschaft genutzt wird und statt dessen jetzige laubwaldbetonte Hessen-Forst-Flächen zu Kernzonen ausgewiesen werden.

Landesforst-Chef Michael Gerst hat unterdessen dem Vorstand des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft signalisiert, welches vom Vorstand erfreut zur Kenntnis genommen wurde. Nun soll im Rahmen eines Dialogprozesses ein Kompromiss gefunden werden. Letztlich liegt die Entscheidung beim Hessischen Umweltministerium.

 

12.12.2011

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