15.11.2019Biosphärenreservat Rhön

Umwelt-Staatssekretär fordert: Gesamtes Grünes Band soll Nationales Naturmonument werden

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth hat anlässlich der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls dazu aufgerufen, das gesamte Grüne Band, den ehemaligen "Todesstreifen" zwischen Ost und West, zum Nationalen Naturmonument zu erklären.


Das berichtet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in einer Pressemitteilung

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth: "30 Jahre nach dem Mauerfall hat sich der ehemalige Mauerstreifen zu einer einzigartigen Erfolgsgeschichte für den Naturschutz entwickelt. Wo einst Stacheldraht und Grenzkontrollen das Land teilten, zieht sich heute mit dem Grünen Band eine wertvolle Lebenslinie durch die Landschaft. Dieser historisch und ökologisch so besondere Streifen Erde verdient es, auf seiner ganzen Länge zum Nationalen Naturmonument erklärt zu werden. Damit wird dort nicht nur ein einmaliger Biotopverbund, sondern auch das kulturelle Erbe, die Erinnerung an den ehemaligen Todesstreifen, unter Schutz gestellt."

Eine Unterschutzstellung als Nationales Naturmonument ermöglicht, die Großschutzgebiete nach einem einheitlichen Konzept zu erhalten, weiterzuentwickeln und strengen Schutz zu gewährleisten. Im Gegensatz zu Naturschutzgebieten spielt bei Flächen des Nationalen Naturmonuments auch der Kulturwert eine wichtige Rolle. Das Grüne Band ist mit einer Länge von fast 1.400 Kilometern der längste Verbund von Lebensräumen der Natur in Deutschland. Hier konnte sich die Natur über Jahrzehnte hinweg beinahe ungestört entwickeln, sodass ein einmaliger Rückzugsort für mehr als 1.200 bedrohte Tier- und Pflanzenarten entstanden ist.

Thüringen ist vorangegangen

Thüringen ist vergangenen Herbst mit der Ausweisung des Nationalen Naturmonuments "Grünes Band Thüringen" mit einer Länge von rund 763 Kilometern vorangegangen. Andere sind gefolgt: So wie Sachsen-Anhalt, das kürzlich beschlossen hat, seinen 343 Kilometer langen Anteil am Grünen Band zum Nationalen Naturmonument zu erklären. In Brandenburg ist die Ausweisung des dortigen Abschnitts, rund 30 Kilometer, Gegenstand des neuen Koalitionsvertrags.

Mit einer Länge von 763 Kilometern hat Thüringen den mit Abstand größten Anteil am Grünen Band Deutschlands (1393 km). Rund 115 Kilometer sind Bestandteil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön.

Über Jahrzehnte war die Fläche zwischen dem ehemaligen Kolonnenweg und den alten Bundesländern, ein zwischen 50 bis 200 Meter breiter Gürtel, weitestgehend extensiv landwirtschaftlich bzw. forstlich genutzt. Daher stellt das Grüne Band, das verschiedene Biotoptypen miteinander vernetzt, naturschutzfachlich eine wahre Schatzkammer der Artenvielfalt dar. Zahlreiche, in ihrem Bestand stark bedrohte oder seltene Tierarten wie der Schwarzstorch und das Braunkehlchen haben im Schatten des Kalten Krieges ein bedeutendes Rückzugsgebiet gefunden. Seltene Pflanzen, die in anderen Teilen Deutschlands kaum noch vorkommen, wie einige Orchideenarten, sind hier zu Hause.

Förderung durch das BMU

Als Nationales Naturmonument können die verschiedenen Schutzziele des Grünen Bandes - länderübergreifender Biotopverbund, Erinnerungslandschaft und Landschaftserleben - miteinander in Einklang gebracht und ein durchgängiger strenger Schutz gewährleistet werden. Die Auszeichnung als Nationales Naturmonument stellt auch die bundesweite Bedeutung dieser Landschaften deutlich heraus.

Das Bundesumweltministerium begleitet und unterstützt den Ausweisungsprozess zum Nationalen Naturmonument seit 2015. Insgesamt hat das Bundesumweltministerium das Grüne Band mit rund 19 Millionen Euro aus unterschiedlichen Förderinstrumenten unterstützt. Im Rahmen des Bundesprogramms "Biologische Vielfalt" wird derzeit beispielsweise das Projekt "Lückenschluss Grünes Band" gefördert, welches Flächenbesitzer innerhalb des Bandes, wie etwa Naturschutzstiftungen der Länder, Kommunen und Privatpersonen, dabei unterstützt, zerstörte Lebensräume wiederherzustellen.

Die Bundesregierung hat zudem die Bundesflächen im Grünen Band von der Privatisierung ausgenommen und sie den Bundesländern beziehungsweise Naturschutzstiftungen als "Nationales Naturerbe" übertragen. In der Vergangenheit waren dies insgesamt rund 6.800 Hektar. In dieser Legislaturperiode sollen weitere Flächen hinzukommen.

15.11.2019

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Das "Grüne Band Thüringen" - hier eine Aufnahme bei Andenhausen - ist in 2018 als Nationales Naturmonument ausgewiesen worden. (Foto: Ulrike Schade)

Ruhe und Abgeschiedenheit - das bedeutete der ehemalige "Todesstreifen" für die Natur. (Foto: Ulrike Schade)

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