08.07.2019Biosphärenreservat Rhön

Der Klimawandel in der Rhön und wie wir ihm begegnen können - Vortrag und Diskussion

Nicht nur global, sondern auch in der Rhön hat der Klimawandel bereits heute messbare Konsequenzen. Insbesondere Land-, Forst- und Wasserwirtschaft stehen vor der Herausforderung, sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen. In einem gut besuchten Vortrag der Reihe „In der Rhön, für die Rhön“ hat Alana Steinbauer, Projektmanagerin für den Bereich Klimawandel an der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, dargestellt, mit welchen Auswirkungen in der Rhön aktuell und zukünftig zu rechnen ist und was unternommen werden kann, um sich nachhaltig an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

 

Trotz Außentemperaturen von mehr als 30 Grad waren zahlreiche Interessierte ins Haus der Schwarzen Berge nach Oberbach gekommen. „Obwohl sich unser Klima messbar verändert hat, gibt es auch heute noch Skeptiker, die den menschengemachten Klimawandel abstreiten“, sagte Alana Steinbauer zu Beginn. „97 Prozent der Experten jedoch sind sich einig: Es gibt den Klimawandel, und wir sind dafür verantwortlich.“ Dass dieser rasant voranschreite, machte die Referentin an einem simplen Beispiel deutlich: „Wer heute 30 Jahre alt ist, hat bereits neun der zehn wärmsten Jahre in Bayern seit Beginn der Wetteraufzeichnung erlebt.“

Trockenere Sommer, feuchtere Winter

Die Folgen des Klimawandels – Temperaturanstieg, mehr Hitze- und deutlich weniger Frosttage, längere Trocken- und längere Vegetationsperioden, Extremereignisse wie Starkregen und Dürre sowie schwindende Lebensräume für Tiere und Pflanzen, die in der Folge nördlicher und höher wandern müssen – seien bereits heute in der Rhön und der Region bemerkbar. In Unterfranken sei die Durchschnittstemperatur seit 1931 um 1,2 Grad angestiegen, erklärte Steinbauer. „Bis zum Jahr 2050 werden es – wenn wir weitermachen wie bisher – im Mittel 2 Grad, im Jahr 2100 schon 3,5 Grad sein.“ Zudem zeichne sich ab, dass die Sommer in der Rhön trockener, die Winter feuchter werden. Die Aussagen beruhen auf Untersuchungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) und der Kooperation KLIWA (Klimaveränderung und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft).

Um auf diese Veränderungen reagieren zu können, gelte es, für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft umfassende Anpassungsstrategien zu entwickeln. In der Landwirtschaft sei ein Hauptproblem die Erosion durch Starkregen. Seit den 60er- und 70er-Jahren sei die Regenerosivität stark gestiegen, wie Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zeigen, „die Bodenabträge sind also deutlich höher“, so Steinbauer. Möglichkeiten der Anpassung seien eine angepasste Bodenbearbeitung, zum Beispiel eine quer zum Hang verlaufende Bewirtschaftung, Erosionsschutzstreifen, Schutzhecken, Humusaufbau und die Verkürzung von Hanglängen durch die Zerteilung von großen in kleinere Flächen. Eine Konsequenz aus steigenden Temperaturen und lange anhaltenden Trocken- und Hitzephasen, die die Vermehrung von Schädlingen und die Verlängerung der Vegetationsperiode zur Folge haben, sei der Einsatz angepasster Feldfrüchte. „Damit Landwirte umstellen können, muss hierfür aber auch der Markt vorhanden sein“, betonte Steinbauer.

"Nutzungskonflikte vorprogrammiert"

Nicht nur die Luft-, auch die Wassertemperatur sei angestiegen, die Gewässer in der Rhön seien wärmer geworden – seit 1950 etwa ein halbes Grad alle zehn Jahre. „Zudem werden für die nahe Zukunft, also etwa 2021 bis 2050, bis zu 30 Prozent weniger Quellschüttung in der Langen Rhön erwartet “, erklärte Steinbauer. „Schon einzelne Trockenjahre können ausreichen, erhebliche Defizite zu verursachen. Ein Nassjahr reicht in der Regel nicht aus, um die Auswirkungen aus einem vorangegangen Trockenjahr auszugleichen.“ Die Ergebnisse stammen aus Fallstudien der Kooperation KLIWA. In einem „guten Zustand“ gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sei in der Rhön mit der Schondra derzeit nur ein einziges Gewässer. Klimaanpassung im Bereich Wasserwirtschaft bedeute neben der konsequenten Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie die Renaturierung der Gewässer, ein natürlicher Wasserrückhalt in der Fläche und die Reduktion der Stoffeinträge. „Hier sind Nutzungskonflikte vorprogrammiert“, prognostizierte Steinbauer. „Mensch, Forst, Landwirtschaft – alle brauchen Wasser.“

Wald und Forstwirtschaft beschäftige die Frage, welche Baumarten geeignet sind, um klimatolerante zukunftsfähige Waldbestände zu entwickeln. „Zum Beispiel ist das Anbaurisiko für die Fichte im Jahr 2100 sehr hoch “, sagte Alana Steinbauer. „Die Buche kann die veränderten klimatischen Bedingungen besser wegstecken, die Eiche kommt mit Wärme und Trockenheit gut zurecht.“ Steinbauer berief sich hierbei auf die Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF). Die Abteilung Boden und Klima hat Anbaurisikokarten erarbeitet, die das standörtliche Anbaurisiko für 21 Baumarten für die Gegenwart und Zukunft darstellen. „Insgesamt ist das Ziel klimatolerante Mischwälder zu entwickeln, hier ist vor allem Vielfalt gefragt, den einen Wunderbaum, der alles aushält, gibt es nicht“, bilanzierte Steinbauer.

Im Anschluss an ihren Vortrag kam die Referentin mit den Gästen ins Gespräch. Unter anderem kam die Frage auf, ob Klimaschutz nicht wichtiger sei als Klimaanpassung. „Beides ist extrem wichtig und sollte daher parallel laufen“, antwortete Steinbauer, „gerade im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung. Jahre wie 2018 zeigen uns immer mehr den konkreten Handlungsbedarf.“ Nach einer angeregten Diskussion kamen die Besucher zu dem Schluss, dass jeder Einzelne im Alltag schon mit kleinen Entscheidungen zum Klimaschutz beitragen könne – sei es mit dem Verzicht auf Flugreisen, einem reduzierten Fleischkonsum oder einem bewussteren Konsumverhalten generell.

Entwicklung regionaler Strategien

Aufgabe von Alana Steinbauer, seit Februar 2019 als Projektmanagerin für Klimaanpassung in der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön in Oberelsbach zuständig, ist es, regionale Strategien zur Begegnung des Klimawandels für das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön zu entwickeln. In einem Biosphärenreservat geht es um nachhaltige Entwicklung des Menschen und der Natur, hier darf das Thema Klimawandel nicht fehlen. Als Modellregion sollen in der Rhön Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt und umgesetzt werden. „Das Biosphärenreservat Rhön soll fit für den Klimawandel gemacht werden.“

 

Stichwort Wetter und Klima

„Wetter kann man fühlen – Klima ist Statistik“, fasste Alana Steinbauer zusammen.  „Was man sieht, wenn man aus dem Fenster oder aufs Thermometer schaut, ist Wetter.“ Während Wetter aktuell messbare, „fühlbare“ Parameter beschreibt, betrachtet Klima viel längere Zeiträume. Klima untersucht die Veränderungen von Parametern wie der Temperatur, Niederschlagsmenge, Luftfeuchtigkeit oder Windstärke, ermittelt über mindestens 30 Jahre. Erst dann werden Aussagen möglich, ob es wärmer oder kälter wird.
Ausführliche Informationen zu Wetter und Klima in der Rhön gibt es hier.

Stichwort Klimaanpassung und Klimaschutz

Die Aufgabe desKlimaschutzes ist die Verringerung der Treibhausgasemissionen – zum Beispiel durch den Einsatz erneuerbarer Energien. Klimaanpassung hingegen bedeutet die Entwicklung von Strategien und Maßnahmen, die zu einer Reduzierung der Empfindlichkeit natürlicher und menschlicher Systeme gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels führen. „Klimaanpassungsmaßnahmen müssen mit Klimaschutz vereinbar sein“, betonte Steinbauer.

08.07.2019

Zurück zur News-Übersicht

Alana Steinbauer ist Projektmanagerin für den Bereich Klimawandel. (Fotos: Anna-Lena Bieneck, Tobias Gerlach)

Unsere Sponsoren

Weitere Sponsoren