Thangelstedt - 29.05.2019Biosphärenreservat Rhön

Thüringer Auszeichnung "Natura 2000-Landwirt 2019" geht in die Rhön

Die Pflege-Agrar-Genossenschaft e. G. Bettenhausen hat die Auszeichnung "Natura 2000-Landwirt 2019" erhalten.  Sichtbar erfreut nahm Vorstandsvorsitzender Martin Berk den Preis stellvertretend für die Genossenschaft am 22. Mai im thüringischen Thangelstedt entgegen. Mit der Auszeichnung wird das besondere Engagement zum Schutz von Natura 2000-Arten und Lebensraumtypen in Thüringen geehrt. 

Zu solch besonderem Engagement gehört unter anderem die extensive Grünlandbewirtschaftung mit Rindern, Schafen und Ziegen, um die Flächen vor Verbuschung zu bewahren und Lebensräume seltener Pflanzen- und Tierarten wie der Berghexe und des Schwarzen Apollos  zu schützen.

Im Unternehmensverbund der Pflege-Agrar-Genossenschaft e. G. Bettenhausen werden  1.305 ha landwirtschaftliche Fläche über den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen hinaus bewirtschaftet. Davon sind fast 1.000 ha naturschutzfachlich wertvolle Dauergrünlandstandorte, die durch Rinder und Schafe im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön gepflegt werden. Das Grünland wird zu 94 Prozent über freiwillige Agrarumweltmaßnahmen gefördert, da nur so eine wirtschaftliche Mutterkuh- und Schafhaltung im benachteiligten Gebiet möglich ist.

Natura 2000-Station Rhön ist starker Partner des Preisträgers

Durch die fachkundige Unterstützung und Beratung der Natura 2000-Station „Rhön“ sind die zahlreichen Biotope in FFH-Gebieten als natürliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen bekannt. Dadurch werden Arten wie Rotmilan, Thymian-Ameisenbläuling, Heidelerche und Berghexe gefördert. Mit den Landwirten werden Managementpläne auf ihren zu bewirtschaftenden Flächen besprochen und gemeinsam geplant – im Falle der Pflege-Agrar-Genossenschaft e. G. Bettenhausen sind dies:

  • Extensive Bewirtschaftung mit Merino-Schafen und Offenhaltung der Landschaft erfolgt im FFH-Gebiet 95 „Geba-Triften – Diesburg“ auf Halbtrockenrasen und Wacholderheiden nach Vorgaben durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Schmalkalden-Meiningen mit 500 Merinolangwollschafen, unterstützt durch Ziegen. Auf dem artenreichem Grünland werden 180 Herdbuchmutterkühe der Rasse Fleckvieh/Simmental gehalten.
  • Extensive Beweidung mit Rindern findet im FFH-Gebiet 97 „Hohe Rhön“ im Landkreis Schmalkalden-Meiningen statt.
  • Das Tochterunternehmen Landschaftspflege-Agrarhof Frankenheim GmbH pflegt zudem mit 355 Mutterkühen knapp 600 ha Dauergrünland.

Die FFH-Lebensraumtypen artenreiche Borstgrasrasen, magere Flachland-Mähwiesen, Berg-Mähwiesen profitieren hiervon. Ebenso wie die Tagfalterart Schwarzer Apollo.

Auch für die Rhönquellschnecke setzt sich das Unternehmen ein: Die kleine Schnecke ist endemisch – sie kommt nur in der Rhön und am Vogelsberg vor –, weshalb eine besondere Verantwortung besteht. Die Agrargenossenschaft grenzte im Rahmen des ENL-Artenschutzprojektes des Landschaftspflegeverbandes „Rhön“ mehrere Quellbereiche aus und nahm diese aus der Nutzung.

Abgerundet wird das Engagement der AG durch die Mitarbeit im Naturschutzbeirat des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, sowie in der Interessengemeinschaft der Betriebe im benachteiligten Gebiet des Thüringer Bauernverband e. V. und der Übernahme der Patenschaft für die Kindertagesstätte "Bettenhäuser Rhönzwerge" für die Vorschulkinder. Die Kinder sollen Landwirtschaft auf spielerische Weise entdecken und verstehen. 

Wir sagen herzlichen Glückwunsch und weiter so!

 

Förderer und Wegbegleiter

Die Veranstaltung wurde vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert, die Auszeichnung vom Kompetenzzentrum Natura 2000-Stationen übergeben. Letzteres wird vom BUND Thüringen e. V., dem Deutschen Verband für Landschaftspflege e. V. (DVL) und dem NABU Thüringen e. V. getragen. Ebenso ist der Thüringer Bauernverband integriert.

29.05.2019

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Der seltene Tagfalter Berghexe (Chazara briseis) profitiert von der extensiven Bewirtschaftung. (Foto: J. Holzhausen, Thür. Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön)

Vertreter des TMUEN und des TMIL übergaben den Preis gemeinsam mit dem Kompetenzentrum Natura 2000 an die beiden als Natura 2000-LANDWIRT ausgezeichneten Personen Sandra Lippert (Landschaftspfleger mit Biss, Thangelstedt) und Martin Berk (Pflege-Agrar-Genossenschaft e. G. Bettenhausen, 3. v. r.). (Foto: Julia Gombert, Natura 2000-Station Rhön)

Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön hält für den Rotmilan (Milvus milvus) viele geschützte und extensiv gepflegte Lebensräume vor - was zu einer hohen Bestandsdichte führt. (Foto: J. Holzhausen, Thür. Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön)

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