Grünes Band Thüringen - 27.05.2019Biosphärenreservat Rhön

BUND-Pressereise: Grenzüberschreitende Naturschutz-Aktivitäten in der Rhön

Eine dreitägige Jubiläumsbereisung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) hat Pressevertretern das Thema "30 Jahre Öffnung Eiserner Vorhang - 30 Jahre Grünes Band" nähergebracht. Am dritten Tag führte die Reise ins UNESCO-Biosphärenreservat Rhön: Karl-Friedrich Abe, Leiter der Thür. Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön,informierte bei einer gemeinsamen Eselwanderung über grenzübergreifende Naturschutz-Aktivitäten in der Rhön vor und unmittelbar nach der Grenzöffnung 1989. 

Weil in der außergewöhnlichen Mittelgebirgslandschaft der Rhön - seit 1991 UNESCO-Biosphärenreservat - 113 Kilometer des neuen Nationalen Naturmonuments Grünes Band Thüringen hautnah zu erleben sind, trafen sich an diesem Mittwochvormittag, 22. Mai 2019, die Pressereisegruppe und regionale Vertreter*innen des behördlichen und verbandlichen Naturschutzes sowie der Point Alpha Stiftung zu einer gemeinsamen Wanderung entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

 

Würdigung BUND-Aktivitäten am Grünen Band 

Neben Vertretern des BUND / BN - Fachgruppe Grünes Band aus Berlin und Nürnberg waren regionale Akteure mit dabei: Karin Kowol (BUND-Referentin für das Grüne Band Thüringen) sowie die Kreisverbandsmitglieder Thomas Wey (Schmalkalden-Meiningen) und Matthias Kirsten (Wartburgkreis). Sie hatten in den vergangenen Jahren auf den naturschutzfachlichen Wert des größten Biotopverbundes Deutschlands aufmerksam gemacht und für dessen Schutz gearbeitet, unter anderem die Ausweisung des Grenzwanderweges in der Wartburgregion initiiert und somit Grenzgeschichte erlebbar gemacht.

Auf einer Eselwanderung vom Denkstein zur Deutschen Einheit im Taftgrund bis zum Alten Bahnhof Wenigentaft erläuterte zudem Dr. Liana Geidezis, Leiterin BUND Fachbereich Grünes Band, dass der Lückenschluss im Grünen Band eine große Aufgabe sei, die durch kleinräumige Besitzverhältnisse, Nutzungsdruck von benachbarten Flächen und den derzeitigen Flächenhunger erschwert werde.

So seien 170 Kilometer des insgesamt 1.400 Kilometer langen deutschen Grünen Bandes nicht mehr insbesondere wegen intensiver landwirtschaftlicher Nutzung erkennbar. Somit sei die Ausweisung des Nationalen Naturmonuments Grünes Band Thüringen Ende 2018 ein Meilenstein im Schutz der Natur und der Erinnerungskultur gewesen.

 

Erstes Ost-Westdeutsches Naturschutztreffen "Grünes Band" im Dezember 1989

Karl-Friedrich Abe (Leiter der Thür. Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön) berichtete den Journalist*innen vom ersten Treffen zum Grünen Band im Dezember 1989.

Mit einem Wartburg machten er und Walter Uloth aus der Rhön sich auf Einladung bei Glätte auf nach Hof. Vor Ort seien sie überwältigt gewesen, mit 300 weiteren Naturschutzinteressierten aus Ost und West über die Zukunft des Grünen Bandes zu sprechen und eine Resolution zu verabschieden. Die handschriftlichen Aufzeichnungen sind ein bemerkenswertes Zeitzeugnis der damaligen Zusammenkunft, die auch die ersten Schritte zur Ausweisung des späteren UNESCO-Biosphärenreservats Rhön bedeutete - zunächst in der Thüringischen Rhön, dann länderübergreifend in Hessen und Bayern. Das Grüne Band ist ein wichtiger Teil des UNESCO-Biosphärenreservats - als Schutzgebietsachse für seltene Tiere und Pflanzen aber auch als Zeitzeugnis.

Schon vor dem Mauerfall, erklärte Karl-Friedrich Abe, wurden im Grenzgebiet der Rhön Birkhühner in Ost und West gezählt und weitere Vögel beobachtet - das Fundament für eine gemeinsame naturschutzfachliche Strategie. Er sei dankbar, diese bewegende Zeit miterlebt zu haben, sagte Abe: zu sehen, dass Naturschützer in Ost und West gleichermaßen interessiert waren, das Grüne Band zu bewahren und die Chance zu nutzen, wertvolle Lebensräume für die zukünftigen Generationen mit ihrer Artenvielfalt aber auch Geschichte zu schützen beziehungsweise zu entwickeln - im Dreiländereck der Rhön eine besondere Aufgabe und Chance.

 

Erinnerungskultur an Point Alpha

Die ganze Region lag zu Zeiten des Kalten Krieges im sogenannten "Fulda Gap", in dem die US-Amerikaner den Erstschlag von Truppen des Warschauer Paktes befürchteten und die Gegend daher besonders beobachteten - prominentes Beispiel: Point Alpha.

Berthold Jost, Mitglied des Vorstandes der Point Alpha Stiftung, berichtete über die Gedenkstätte als Lern- und Gedenkort zur jüngeren deutsch-deutschen sowie europäischen Geschichte - inklusive einer umfassenden (Sonder-)ausstellung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön und Grünes Band.

27.05.2019

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Eselwanderung auf dem Kolonnenweg nach Wenigentaft - BUND- und Pressevertreter zu Gast im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. (Foto: Ulrike Schade, Thür. Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön)

Essensrelikte der DDR-Grenztruppen und weitere (naturschutzfachliche) Geschichten aus der Vor- und Nachwendezeit in der Rhön - von Karl-Friedrich Abe (Leiter der Thür. Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön). (Foto: Ulrike Schade, Thür. Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön)

Unterwegs auf dem Grenzwanderweg Wartburgregion - initiiert durch den BUND-Kreisverband Wartburgkreis. (Foto: Ulrike Schade, Thür. Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön)

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