29.03.2019Biosphärenreservat Rhön

Vortrag von Dr. Sibylle Schroer - Künstliches Licht beeinträchtigt Lebensraum Wasser

Zu einem Fachvortrag, der die Auswirkungen von künstlicher Beleuchtung auf das Ökosystem Wasser zeigte, hatte die Hess. Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön und der Verein „Scalare“ Fulda in den Tümpelgarten eingeladen. Die Referentin Dr. Sibylle Schroer vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie (Arbeitsgruppe Lichtverschmutzung und Ökophysiologie) in Berlin, begeisterte mit ihren Ausführungen im voll besetzten Vereinsheim im Tümpelgarten und gratulierte der Stadt Fulda zur Anerkennung als europaweit erste Sternenstadt.

In ihrem Vortrag machte sie sofort deutlich, warum die Reduzierung von künstlichem nächtlichen Licht wichtig ist. Satellitenaufnahmen belegen, dass die Nächte auf der Erde immer heller werden. Insbesondere lassen sich die Metropolregionen dieser Erde als hell erleuchtete Lichtflecken aus dem All gut ausmachen. Dabei hat gerade durch die LED-Beleuchtung die nächtliche Ausleuchtung nochmals dramatisch zugenommen. Dr. Schroer macht deutlich, dass wir hier als Menschen ein Experiment fahren, dessen Ausgang völlig ungewiss ist. Sämtliches Leben auf der Erde hat sich seit Jahrmillionen an den Wechsel von Tag und Nacht angepasst. Dieser Wechsel beeinflusst, stimuliert und bestimmt das Leben in all seine Facetten, egal ob es sich um Mikroorganismen, Pflanzen oder Tiere handelt. Heute geht man davon aus, dass 63,8 % der Säugetiere nachtaktiv sind. Bei den Fischen sind es 14,1 %, bei den Vögeln immerhin 19,6 %. Fledermäuse sind zu 100 % nachtaktiv. Bei den Amphibien werden 93,3 % als nachtaktiv eingestuft. Ähnlich sieht es bei den Insekten (49,4 %), den Schmetterlingen (77,8%) und bei den Käfern (60 %) aus. Auch bei den Krebstieren wie unseren heimischen Edelkrebsen liegt der Anteil der nachtaktiven Arten bei 50 %. Aber auch die tagaktiven Tiere und Pflanzen werden negativ beeinflusst.

Aktuelle Forschungen im Wendland belegen, dass auch für das Leben im Gewässer die Auswirkungen dramatisch sind. Insbesondere Kleinfische sind nachtaktiv, da sie dann weniger den großen Räubern ausgesetzt sind. Wenn nun z. B. Uferpromenaden beleuchtet werden, schwindet gerade für diese Arten dieser wichtige, oft flache Uferbereich als Lebensraum. Begünstigt werden dagegen die großen, meist tagaktiven Raubfische. Veränderungen machen sich aber auch im Kleinen bemerkbar. Im Schein der Lampen vermehrt sich das Plankton stärker und lockt damit auch stärker das Zooplankton an die Gewässeroberfläche. Licht verschiebt die Lebensräume, wenige profitieren, viele leiden.
Die Untersuchungen zeigen, dass sich künstliches Licht auch auf das Paarungsverhalten und die Vermehrung auswirkt. Die Referentin erläutert, dass das Leibnitz-Institut im Wendland aktuell Basisforschung in Bezug auf die Auswirkungen von Licht auf den Lebensraum Wasser leistet und die Wissenschaft hier noch vielfach Neuland beschreitet. Auch für Fulda ist ein entsprechendes Forschungsprojekt geplant. Anträge sind beim Bund gestellt und das Leibnitz-Institut hofft auf eine baldige Bewilligung.

Sven Haustein vom Aquarien und Terrarienverein Scalare und Torsten Raab von der Hess. Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön dankten der Referentin für den engagierten Vortrag und die anschließende Diskussion. Raab betonte, dass die Forschungsergebnisse wichtige Informationen und Handlungsanregungen für die Arbeit im Sternenpark Rhön liefern.

 

29.03.2019

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Foto: Archiv BRR

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