23.01.2019Biosphärenreservat Rhön

Thüringer Preisverleihung „Naturschutz braucht Artenkenner“

Die Stiftung Naturschutz Thüringen verlieh am 18. September 2018 zum 6. Mal den Thüringer Naturschutzpreis. Ein Anerkennungspreis „Vermittlung von Artenkenntnis“ geht an Bernd Baumann in die Thüringer Rhön.

Die Stiftung Naturschutz Thüringen verleiht seit 2008 in zweijährigem Abstand den Thüringer Naturschutzpreis. 2012 war der Landschaftspflegeverband BR Thüringer Rhön u. a. für das Naturschutzgroßprojekt Thüringer Rhönhutungen mit einem Hauptpreis ausgezeichnet worden. Für 2018 stand der Preis unter dem Thema „Naturschutz braucht Artenkenner“. Einen Anerkennungspreis in der Kategorie „Vermittlung von Artenkenntnis“ erhielt bei der öffentlichen Verleihung am 18. September 2018 in Erfurt der Rhöner Bernd Baumann, ehemaliger Biologie- und Chemielehrer des Rhöngymnasiums in Kaltensundheim.

Vermittlung von Artenkenntnissen als Basis für den Naturschutz und eine nachhaltige Entwicklung

Staatssekretär Olaf Möller (TMUEN) und Festredner Dr. Kai Frobel (Bayerischer Bund für Naturschutz e. V.) betonten in ihrem Grußwort und ihrer Festrede den Rückgang der floristischen und faunistischen Artenkenntnisse in der Bevölkerung und die Wichtigkeit, Kinder und Jugendliche wieder für die Natur zu interessieren. Dass Kinder sich nur noch einen Bruchteil ihrer Zeit im Freien aufhielten, sei kein Phänomen der letzten Jahre – seit Jahrzehnten reduziere sich der tägliche Aufenthalt von Jugendlichen unter freiem Himmel drastisch und unaufhörlich, so Möller und Dr. Frobel.

Dr. Frobel bezog sich auf seinen vor vier Jahren erschienen Bericht „Erosion der Artenkenner“ und wies fundiert auf den rasanten Rückgang von Artenkenntnisse und dessen Konsequenzen hin. Er hob hervor, dass häufig familiäre Aktivitäten (Artenkenntnisse der Eltern) und Nähe zum Naturraum einen starken Einfluss auf die Naturverbundenheit der Kinder haben. Er appellierte, dass die Lehrformen und -inhalte an den allgemeinbildenden Schulen modifiziert und der Anteil der praktischen Forschungen an den Universitäten wieder deutlich nach oben korrigiert werden müssten.

Derzeit sind die meisten Artenkenner in den Altersgruppen jenseits der 40 und eher im männlichen Segment zu finden. Zwar vollziehe sich eine spannende Änderung – immer mehr Frauen in der Lebensmitte wenden sich dem Informationsgewinn in Sachen Artenkenntnis zu, doch ist der Rückgang statistisch bestätigt.

Denn nur was wir kennen, können wir schützen und auch dessen eventuelle Bedrängnis erkennen.

Für den Thüringer Naturschutzpreis 2018 suchte eine fünfköpfige Jury, die vom Stiftungsrat Naturschutz Thüringen berufen wurde, nach Kindern, Jugendlichen, Männern und Frauen, die sich heute mit Artenkenntnis auskennen. Woher haben sie ihre Kenntnisse erhalten? Wer hat sie inspiriert? Wer hat sie eingeführt in die Faszination Natur und wie? In der Kategorie „Vermittlung von Artenkenntnissen“ waren diejenigen gesucht, die ihre Weisheiten nicht für sich behalten, sondern weitergeben an die nachkommenden Generationen, so wie der Rhöner Bernd Baumann. Alle Empfänger einer Anerkennung erhielten eine Urkunde, einen Blumenstrauß sowie einen Gutschein für ein Jahresabonnement der Zeitschrift „Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen“.

In der zweiten Kategorie des Preises die „Umsetzung spezieller Natur- oder Artenschutzprojekte durch Jugendliche, für die gute Artenkenntnisse die Voraussetzung sind“ wurde die Wirkung des Wissenstransfers in die Praxis gewürdigt. Die Hauptpreise des 6. Thüringer Naturschutzpreises gingen an Ronald Bellstedt für die Vermittlung von Artenkenntnissen an junge Menschen sowie an die Heinz Sielmanns Natur-Ranger Jena für die Umsetzung von Projekten auf Basis guter Artenkenntnisse durch junge Menschen.

Anerkennungspreis „Vermittlung von Artenkenntnissen“ an Bernd Baumann in der Thüringer Rhön

Herzlichen Glückwunsch an den Preisträger Bernd Baumann. Er war von 1976 bis 2018 Biologie- und Chemielehrer in der POS Kaltensundheim, später im Rhöngymasium in Kaltensundheim (Umweltschule und Thüringer Nachhaltigkeitsschule). Von Beginn an war es ihm ein Anliegen, seine Begeisterung für die heimische Natur an junge Menschen weiterzugeben – auch weit über das normale Schulpensum hinaus. Dabei legte er immer Wert darauf, dass die Schülerinnen und Schüler etwas aus Naturschutzsicht Sinnvolles für die Rhöner Arten und Lebensräume erreichen und ihren Artenkenntnisstand verbessern. Er begleitete die Schüler und Schülerinnen häufig auch an Abenden, Wochenenden und in den Ferien bei ihren Feldforschungen. So motivierte Bernd Baumann sie zusätzlich und konnte zugleich viel von seinen Artenkenntnissen weitergeben. Auch stellte er die Kontakte zu Artkennern, Fachbehörden wie die Verwaltungsstellen des UNESCO-Biosphärenreservats und Praktikern her. Die Erfahrungen, die die Schüler und Schülerinnen so sammelten, spiegeln sich in der Qualität vieler Arbeiten wieder. Die Themenbreite der Projekte belegt auch das breitgefächerte Wissen von Bernd Baumann über die Rhöner Artenvielfalt.

In seiner aktiven Lehrerzeit leitete er die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz und übernahm die Funktion eines Projektleiters für folgende Umweltprojekte. Die Kombination aus seinem engen Bezug zu jungen Menschen, seiner Begeisterungsfähigkeit, der Nähe zu methodischen, faunistischen Erfassungen sowie der Einbindung in regionale Gremien und Verbände führt(e) zu vielen erfolgreichen, sehr ziel- und praxisorientierten Projekten mit Kindern und Jugendlichen in der Thüringer Rhön (Auswahl):

  • Projekt „Amphibien und Amphibienschutz“ (seit 1984)
  • Projekt „Schulbiotope“ (seit 1995)
  • Projekt „Tiere auf Wohnungssuche“ (seit 1999)
  • Projekt „Mauersegler“ (2015)
  • Projekt „Gebirgsbachvögel Rhön (2002-2004)
  • Projekt „Schwalben“ (2014/15)
  • Projekt „Fledermäuse in der Rhön“ (seit 2014)
  • Projekt „Reptilien in der Rhön“ (2016/17)
  • Projekt „Auf der Suche nach der Haselmaus im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön (2009-2017)
  • Projekt „Die Wildkatze in der Rhön“ (seit 2010)


Der Erfolg seiner Arbeit spiegelt sich nicht nur in etwa 30 Auszeichnungen wieder. Er war auch bei der Erstellung des neuen Rahmenkonzeptes UNESCO-Biosphärenreservat als Akteur im Bildungsbereich beteiligt. Dabei ging es ihm vor allem um den Transfer der bisher durch die Verwaltungsstellen des UNESCO-Biosphärenreservates und des Landschaftspflegeverbandes umgesetzten Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Unterricht der Rhöner Schulen.

Autoren: Karin Jäger (Stiftung Naturschutz Thüringen) und Ulrike Schade (UNESCO-Biosphärenreservat Rhön/Verwaltung Thüringen) in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband BR Thür. Rhön.

 

23.01.2019

Zurück zur News-Übersicht

Die Wildkatze (Felis silvestris silvestris) in der Rhön, , (Foto: Karl-Friedrich Abe, Thür. Verwaltungsstelle UNESCO-Biosphärenreservat Rhön)

Anerkennung in der Kategorie „Vermittlung von Artenkenntnissen“ erhält Bernd Baumann, Thür. Rhön (2. v.l.), weitere Personen auf dem Bild: v.l.n.r. Dr. Dieter Franz (Mitglied der Jury), Malte Jänicke, Jonas Fischer und Daniel Heinrich vom Jugendwaldheim Gera-Ernsee, Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller (Foto: Karin Jäger, Stiftung Naturschutz Thüringen)

Die selten vorkommende Haselmaus in der Rhön (Muscardinus avellanarius), (Foto: Karl-Friedrich Abe, Thür. Verwaltungsstelle UNESCO-Biosphärenreservat Rhön)

Unsere Sponsoren

Weitere Sponsoren