23.01.2019Biosphärenreservat Rhön

Naturschutz und Erinnerungskultur verbunden im Nationalen Naturmonument „Grünes Band Thüringen"

113 km im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön seit dem 19. Dezember 2018 durch das Thüringer Grüne-Band-Gesetz geschützt

Große Teile des bekanntesten „Grünstreifens“ Deutschlands – das Grüne Band – sind als Nationales Naturmonument (NNM) seit dem 19. Dezember 2018 durch das Thüringer Grüne-Band-Gesetz (ThürGBG) geschützt. Dieser längste Biotopverbund und gleichzeitig einzigartiges Denkmal der deutschen Teilung und Wiedervereinigung soll als Mahnmal und als Lebensraum zahlreich bedrohter und seltener Tier- und Pflanzenarten erhalten bleiben. 113 Kilometer des Nationalen Naturmonuments mit seinen vielfältigen Lebensräumen und historischen Grenzbefestigungsanlagen wie z. B. am Point Alpha zu sehen, liegen im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön (anteilig Landkreise Wartburgkreis und Schmalkalden-Meiningen). Ferner ist 2019 das offizielle Themenjahr des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz „grenzen los natur verbunden – 30 Jahre Grünes Band“.

Politischer Meilenstein im Naturschutz des Landes Thüringen

In seiner 132. Sitzung hat der Thüringer Landtag am 9. November 2018 das Thüringer Gesetz über das Nationale Naturmonument „Grünes Band“ Thüringen (Thüringer-Grünes-Band-Gesetz – ThürGBG) beschlossen. Mit der Verkündigung im Gesetz- und Verordnungsblatt für den Freistaat Thüringen (Nr. 12/2018) trat das neue ThürGBG am 19. Dezember 2018 in Kraft. Damit ging ein mehrjähriger politischer Prozess zur Ausweisung von national bedeutsamen Schutzgebieten erfolgreich zu Ende, der im Koalitionsvertrag der Landesregierung 2014 begann. Zuvor wurden lediglich einzelne Abschnitte des Grünen Bandes als Naturschutzgebiete gesichert oder boten einen vergleichbaren Schutz, etwa durch Natura 2000-Gebiete. Nun ist eine einheitliche Schutzstrategie des gesamten Grünen Bandes Thüringen möglich, welches durch eine abgestimmte Entwicklung in der Region sichergestellt werden soll. Mit einer Länge von 763 Kilometern und Fläche von ca. 6.500 Hektar hat das Grüne Band in Thüringen den größten Anteil am Grünen Band Deutschlands (1.400 km Länge).

Nationales Naturmonument und seine Ziele

Das Nationale Naturmonument wurde im Jahr 2009 als neue Schutzgebietskategorie in das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) aufgenommen. Danach sind NNMs nach §24, Absatz 4 „rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, die

  1. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und
  2. wegen ihrer Seltenheit, Eigenart und Schönheit
    von herausragender Bedeutung sind. Nationale Naturmonumente sind wie Naturschutzgebiete zu schützen.“

Die Besonderheit liegt daher in der untrennbaren Verbindung des Naturschutzes mit dem Erhalt einer Landschaft oder Region aus kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen. Nationale Naturmonumente unterscheiden sich somit inhaltlich deutlich von den sonstigen Schutzgebietsinstrumenten des Naturschutzrechts.

Die Anerkennung als Nationales Naturmonument Grünes Band Thüringen sichert die wertvolle Natur mit seiner geschichtlichen Vergangenheit und seiner nationalen sowie europäischen Bedeutung. Das Nationale Naturmonument fördert die Entwicklung einer umweltschonenden, naturnahen Erholung und des Tourismus in der Region. Das Alleinstellungsmerkmal des Natur- und Geschichtstourismus ist zudem ein großer Vorteil für künftige überregionale Vermarktungsstrategien. Neben Umweltbildungsangeboten sind auch Monitoring- und Forschungsvorhaben geplant.

Flächen und Nutzung im Grünen Band Thüringen

Im Nationalen Naturmonument Grünes Band Thüringen mit seinen rund 6.500 Hektar gibt es knapp 13.000 Flurstücke mit einer Vielzahl von Eigentümergemeinschaften. Rund 44 Prozent der Flächen des Nationalen Naturmonuments gehören der Stiftung Naturschutz Thüringen, die sich zum Erhalt und zur Entwicklung der ihr vom Freistaat im Jahr 2009 übertragenen Flächen verpflichtet hat. Weiterhin ist die Stiftung Naturschutz Thüringen Träger des Nationalen Naturmonuments und zuständig für die Erstellung des Pflege-, Entwicklungs- und Informationsplans bis Ende 2023. Auch die Koordinierung der Gebietsbetreuung obliegt ihr (ThürGBG, §5, Absatz 1).

Die Flächen des Nationalen Naturmonuments sind laut ThürGBG §2, Absatz 2 „… auf der einen Seite durch die Landesgrenze und auf der anderen Seite durch den Verlauf des Kolonnenwegs begrenzt. In den Abschnitten, in denen der Kolonnenweg nicht vorhanden ist, wird die Grenze … durch dessen ehemaligen Trassenverlauf oder eine sonstige ehemalige Grenzschutzvorrichtung definiert. In den Abschnitten, in denen größere Flächen zwischen Kolonnenweg und Landesgrenze liegen, werden Teilflächen ausgegrenzt. Der Kolonnenweg ist Teil des Nationalen Naturmonuments…“

Eine Übersicht, welche Flurstücke im UNESCO-Biosphärenreservat als Nationales Naturmonument „Grünes Band Thüringen“ ausgewiesen wurden, finden Sie in folgenden Karten-PDFs zum Download:

Die land- und forstwirtschaftliche und die fischereiliche Nutzung nach guter fachlicher Praxis bleibt weiter zulässig. Gleiches gilt für die ordnungsgemäße Jagdausübung und Gewässerunterhaltung. Beschränkungen wird es für bestimmte Änderungen der Bewirtschaftung geben, so kann beispielsweise Dauergrünland nicht umgebrochen oder aufgeforstet sowie Nutzung intensiviert werden (ThürGBG, §6, Absatz 7).

Ausführliche Hintergrundinformationen finden Sie auch auf den Internetseiten des Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz sowie im Gesetz- und Verordnungsblatt für den Freistaat Thüringen Nr. 12/2018 (ThürGBG).

Autorin: Dipl.-Geoökol. Ulrike Schade
Referentin Grünes Band Thüringen im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön

23.01.2019

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Grünes Band bei Unterweid (Foto: Karl-Friedrich Abe, Thür. Verwaltungsstelle UNESCO-Biosphärenreservat Rhön)

Kolonnenweg am Grabenberg in Richtung Birxgraben (Foto: Karl-Friedrich Abe, Thür. Verwaltungsstelle UNESCO-Biosphärenreservat Rhön)

Flächeneigentumsverhältnisse im Nationalen Naturmonument "Grünes Band Thüringen"

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