Schnaps aus alten Sorten

In Neuwirtshaus befinden sich die Brennerei und der Naturlandhof von Familie Bold. Sie bewirtschaften ihre 12 ha nach Bio-Richtlinien und begannen 2004 sich hauptsächlich auf die Schnapsbrennerei zu konzentrieren.

Sie verarbeiten ein breites Sortiment an Kulturpflanzen, darunter finden sich alte Apfel- und Birnensorten, Kartoffeln und Urgetreide.

Roggen ist, laut Frau Bold, das traditionelle Getreide der Rhön. Man baute ihn vorwiegend wegen der kargen Böden an, auf denen Weizen nur schlecht gedieh. Kunstdünger stand den Bauern noch nicht zur Verfügung, deshalb blieb ihnen nichts anderes übrig, als den anspruchslosen Roggen anzubauen. Roggen ist kräftig im Geschmack und gibt dem hier gebräuchlichen Sauerteig seinen besonderen Geschmack. Die Bolds produzieren daraus Roggenbrand und Whisky.

Des Weiteren bauen sie Dinkel und Schwarzemmer an. Diese nutzen sie ebenso zur Schnapsbrennerei. Der Rest wird über Naturland oder im eigenen Hofladen verkauft.  Die Getreidesorten wachsen auch auf kargen Böden und sind sehr resistent gegen Krankheiten, weil die Körner von einer Spelze umhüllt sind. Dinkel und Emmer gehören zu den ältesten Getreidesorten. Sie vertragen eher kühlere Temperaturen und sind recht trockenresistent, sie wachsen bei Trockenheit nur nicht so dicht. Die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen macht sie zu guten Kandidaten für die Zukunft der Landwirtschaft.

Dinkel hat im Gegensatz zum Emmer sehr gute Backeigenschaften. Der Emmer eignet sich besser zur Herstellung von Nudelteig, außerdem ist der Emmer-Whisky besonders angenehm mild im Geschmack.

Eine ganz besondere Kartoffelsorte sind Bamberger Hörnchen. Sie sind länglich und oft in einander verwunden, geschmacklich sind sie die beste Wahl für Kartoffelsalat und Bratkartoffeln. Abgesehen von Bamberger Hörnchen bauen die Bolds die Sorte Linda, der Allrounder unter den Kartoffeln und Sapromira an. Sapromira stammt aus Ungarn und ist resistent gegen Krautfäule, das verschafft der Pflanze einen großen Vorteil. Sie kann im Herbst länger wachsen und deshalb größere Kartoffeln produzieren.

Aus den Kartoffeln produziert die Familie Bold ihren Schnaps „Tolle Knolle“. Kartoffelschnaps ist sehr außergewöhnlich und nur selten erhältlich. Sie liefern ihn an Lokale aus der Region.

Priorität setzt Familie Bold auf alte Streuobstsorten. Sie eignen sich besonders gut für die Schnapsbrennerei, da die alten Sorten sehr aromatisch und intensiv im Geschmack sind. Außerdem bieten sie eine große Vielfalt und sind resistenter gegen Krankheiten. Von den alten Sorten werden Edelreiser geschnitten und auf den eigenen Obstbäumen vermehrt.

Die Bolds konnten in den letzten Jahren beobachten, dass die Vegetationsphase der Obstbäume früher im Jahr beginnt. Besonders Apfelbäume sehen sie als bedroht durch den Klimawandel, da diese nur flache Wurzeln ausbilden und deshalb schneller unter Trockenheit und Hitze leiden. Alte Apfelsorten, die sich auf ihrem Hof befinden sind: Jakob-Fischer, Roter Boskoop, Winter-Glockenapfel, Gewürzluiken und der Prinzenapfel. Darüber hinaus verarbeiten sie Wildäpfel zu Schnaps. Die Rarität ist eine ursprüngliche Sorte des Apfels und findet sich in der Nähe von Neuwirtshaus.

Die Sußbirne ist die fränkische „Nationalfrucht“. Sie ist sehr klein, süß im Geschmack und wurde deshalb traditionell zur Herstellung von Trockenbirnen genutzt. Des Weiteren verarbeitet die Familie Bold unter anderem Mollebuschbirnen, eine sehr alte Sorte, die Doppelte Philippsbirne und Schweizer Wasserbirnen.

Das Ziel von Familie Bold ist die Bewahrung der alten Sorten, einerseits aus eigenem Interesse zur Schnapsbrennerei, andererseits zur Bewahrung der Kultur. Einige Sorten, wie der Jakob-Fischer sind in der Arche des Geschmacks“ von Slow Food aufgeführt, weil sie vom Aussterben bedroht sind. Die Initiative Slow Food Deutschland e. V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kultur des Essens und Trinkens zu erhalten.

 

 

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Bild: Hofladen der Familie Bold, Lina Ried

Bild: Wildäpfel, Lina Ried

Bild: Schwarzemmer, Lina Ried

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