Marktgemeinde Wildflecken

Die Gemeinde Wildflecken, deren Siedlungsgeschichte bis in das 15./16. Jahrhundert reicht, ist heute vor allem durch seine militärische Geschichte in der Rhön und darüber hinaus bekannt. Die Gemeinde wird im Norden/Nordwesten von dem Dammersfeldgebiet begrenzt, welches vor dem Bau des Truppenübungsplatzes beweidet wurde.

Mitte der 1930er Jahren wurde der Bau eines Truppenübungsplatzes für die Ausbildung von Soldaten für die Wehrmacht auf dem Gebiet des Dammersfeld in der Rhön geplant. Die Ausbreitung des dafür angedachten Gebietes reicht von Bad Brückenau im Süden, Wildflecken im Osten, Gersfeld im Norden und die Gemeinde Motten im Westen. Der Bau des Lagers verlief rasch. Es brauchte nur zwei Jahre, um das Lager zu errichten und es im Jahr 1938 zu eröffnen. In Folge des Baus mussten 11 Siedlungen wie Dalherda, Altglashütten und Werberg beispielsweise abgesiedelt werden. Neben dem Truppenübungsplatz wurde zudem die Heeresmunitionsanstalt im Gebiet des heutigen Oberwildfleckens zur Lagerung von Munition am Fuße des Kreuzberges errichtet. Die Verpflegung und Ausstattung mit Kleidung wurde durch die Etablierung eines Versorgungsdepots westlich des Arnsberg gewährleistet. Für Bau und Instandhaltung wurden Gefangenenlager gebaut, deren Insassen die Einrichtungen unterhalten sollten.

Amerikanische Soldaten überflogen während des zweiten Weltkriegs den Truppenübungsplatz des Öfteren, bombardierten diesen aber nicht. Man vermutet, dass die Übernahme des Platzes sowie die Nutzung durch die Armee der Amerikaner nach dem Krieg geplant wurden. So wurde der Platz im April 1945 von amerikanischen Soldaten unter kurzem Gefecht eingenommen.

Auch nach dem zweiten Weltkrieg wurden viele ehemalige Gefangenen in ihre Heimat zurück geschickt, dennoch verblieben unter verheerenden Umständen weiterhin Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Verschleppte. Darunter waren vor allem Menschen polnischer Herkunft, die in den Lagern verblieben. Die bis zu 20.000 Polen, die auch als „Displaced Persons“ bezeichnet wurden sind, konnten in ihre polnische Heimat auf Grund der sowjetischen Besetzung nicht zurückkehren. Die UN-Organisation United Nations Relief Rehabiliation Administration (kurz: UNRRA) war ab Oktober 1945 für das Lager verantwortlich, wurde der Situation, die von Krankheiten, schlechter Hygiene, Hungersnöten und Kälte im Winter geprägt war, nicht Heer. Der Polenfriedhof am Rande des Truppenlagers dient heute als Gedenkstätte an diese Zeiten. Erst mit der Übernahme des Lagers durch die UN-Organisation International Refugee Organization (kurz: IRO) beruhigte sich die Situation und die Displaced Persons wurden in eine neue Heimat gebracht.

Der Truppenübungsplatz wird bis heute militärisch genutzt. Von 1951-1994 waren bis zu 6000 amerikanische Soldaten stationiert. 1994 übernahm die Bundeswehr den Truppenübungsplatz, der nicht begehbar ist. An der Stelle der Heeresmunitionsanstalt entwickeltet sich der Ortsteil Oberwildflecken. Auf dem Dammersfeld liegen heute Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön.

Kellergewölbe des ehemaligen Gemeinschaftslagers nach der Sprengung bei Wildflecken (Foto: T. Büttner, aus Band 3 der Projektreihe)

Ehemaliges Getreidesilo der Wehrmacht am Arnsberg (Foto: T. Büttner, aus Band 3 der Projektreihe)

Blick auf Dammersfeldkuppe (Foto: J. Jenrich, aus Band 3 der Projektreihe)

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