Zauneidechsen – Wärmeliebhaber der Strukturlandschaft

Die kräftigen Zauneidechsen bewohnen besonnte Heckensäume und Magerwiesen. Nach ausgiebigem Sonnenbad machen sie sich auf die Jagd nach Insekten und Spinnentieren. In den Weinbergen des Biosphärenreservats sind die bedrohten Reptilien noch am häufigsten zu finden.


Zauneidechsen (Lacerta agilis) haben durch ihre gedrungene Gestalt und den verhältnismäßig kurzen, aber sehr kräftigen Kopf ein fast urzeitliches Aussehen. Mit über 20 cm Länge sind die Tiere auch aufgrund ihrer Größe leicht von der weitaus häufigeren Waldeidechse (Zootoca vivipara) zu unterscheiden. Vor allem männliche Zauneidechsen sind im Sommer durch ihre markante hellgrüne Färbung unverkennbar.
Die wärmeliebenden Zauneidechsen bewohnen reich strukturierte, meist trockene Lebensräume: am Vormittag sonnen sich die wechselwarmen Reptilien auf Steinen, Totholz oder offenen Erdstellen unmittelbar unter Hecken oder an Waldrändern. Die Nähe zu schützendem Unterholz ist dabei wichtig, um bei Gefahr einem Raubtier, wie z.B. einem anfliegenden Greifvogel entkommen zu können. Haben die Zauneidechsen dann durch ausreichendes Sonnenbaden ihre zur Jagd benötigte Körpertemperatur erreicht, machen sie sich auf die Suche nach Nahrung: Heuschrecken, Käfer und Spinnen werden dabei bevorzugt gefressen. Für die Nahrungssuche sind Zauneidechsen daher auf offene, insektenreiche Magerrasen und Brachflächen angewiesen.

 

Vom sonnengewärmten Ei zum selbstständigen Jungtier

Weibliche Zauneidechsen sind im Gegensatz zu den hellgrünen Männchen unscheinbar braun gefärbt. Sie legen im Frühsommer nach der Verpaarung mehrere Eier in sandigen, lockeren Boden ab. Die Eier werden nicht weiter von den Elterntieren versorgt, allein die Sonnenstrahlung sorgt für die zur Entwicklung nötige Wärme. Im Spätsommer schlüpfen die nur knapp 5-6 cm großen Jungtiere, die kurz darauf bereits selbstständig auf die Nahrungssuche gehen und kleinen Insekten nachstellen. Wenn im Herbst die Temperaturen fallen und die Insekten weniger werden, beginnt für Zauneidechsen die Überwinterung – die Reptilien verstecken sich einzeln in alten Mäuseröhren und unter Steinen, um auf den nächsten Frühling zu warten.

 

Zauneidechsen in der Rhön

Zauneidechsen sind ursprünglich Bewohner strukturreicher Landschaften und insektenreicher Magerrasen. Durch Intensivierung der Landschaftsnutzung werden bundesweit Brachflächen, Trockenrasen und Heideflächen immer seltener. Naturnahe, „wilde“ Gärten können Zauneidechsen zwar einen Ersatzlebensraum bieten, täuschen aber zum Teil über den flächendeckenden Lebensraumverlust im Offenland hinweg. Daher stehen Zauneidechsen bundes- wie auch europaweit unter Schutz. Im Biosphärenreservat Rhön können Zauneidechsen noch auf extensiv genutzten MagerwiesenHeckensäumen und Waldrändern gefunden werden. Vor allem in den nachhaltig genutzten Weinbergen des Biosphärenreservates stehen die Chancen gut, die urzeitlichen Reptilien zu beobachten.

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