Oberthulba - 18.06.2015Biosphärenreservat Rhön

Gemeindeportrait Markt Oberthulba im Erweiterungsgebiet des Biosphärenreservats Rhön

Im Juni 2014 traf der Internationale Koordinierungsrat der UNESCO eine weitreichende Entscheidung: Er genehmigte die Erweiterung des seit 1991 bestehenden UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Im bayerischen Teil gehören jetzt weitere 22 Kommunen dazu. Das sind 58.113 Hektar Erweiterungsfläche. Die Initiative zu diesem „Beitritt" ging wesentlich von den Kommunen selbst aus. Sie versprechen sich davon positive Entwicklungsimpulse. Denn in Biosphärenreservaten geht es um die Natur UND den Menschen. Ein harmonisches Miteinander stärkt das Ganze.

Wir möchten an dieser Stelle Oberthulba vorstellen:

Drei Fragen an Gotthard Schlereth, Bürgermeister seit Dezember 2000

Seit dem Sommer 2014 gehört Ihre Kommune zum UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Vorausgegangen ist ein komplexer Abstimmungs- und Entscheidungsprozess auf mehreren Ebenen. Gehörten Sie dabei zu den „Treibern" oder musste man Sie (und Ihre Gremien) erst überzeugen?

Schlereth: Der Markt Oberthulba hat eigene Waldflächen von 1.600 ha, sodass uns dieses Thema schon länger beschäftigt. Im Zuge der Erstellung einer neuen Forsteinrichtung hatten wir bereits Flächen ins Auge gefasst, die als wertvolle Biotopräume eingestuft wurden und somit für die Kernzonenflächen wie geschaffen waren. In Oberthulba ist auch der Sitz der Forstbetriebsgemeinschaft Rhön-Saale mit zehn Mitgliedskommunen.

Nachdem der Freistaat seine Flächenzusage gegeben hatte, haben wir die Erweiterung motiviert vertreten und versucht, den Entscheidungsprozess positiv zu begleiten. Der Marktgemeinderat hat die ausgesuchten Flächen in einer ausführlichen Exkursion in Augenschein genommen und dann auch einen einstimmigen Beschluss für das Biosphärenreservat gefasst.

Schlereth: Bei allen Kontroversen, die naturgemäß in solchen Situationen auftreten, haben die Argumente pro Erweiterung deutlich überwogen.

Was verspricht sich Ihre Kommune vom Biosphärenreservat? Was haben Sie für Erwartungen an die Zukunft?

Schlereth: Den heutigen Zustand unserer Kulturlandschaft verdanken wir der harten Arbeit unserer Vorfahren. Die Landwirtschaft hat sich mittlerweile gravierend verändert. Kleinbäuerliche Betriebe sind praktisch nicht mehr vorhanden. Der Bezug der Bevölkerung zu diesem Themenkomplex ist ebenfalls im Umbruch. Viele Kenntnisse aus der Vergangenheit gehen leider verloren gehen. Das frühere Fach Heimatkunde gibt es in dieser Form leider nicht mehr in den Schulen. Auch unsere nachhaltige Forstwirtschaft wird in der Gesellschaft teilweise kritisch hinterfragt.

Es ist daher wichtig, diese Bereiche unter den neuen Gegebenheiten näher zu betrachten und Wissen zu vermitteln, das den Anforderungen der Zeit gerecht wird. Die Einteilung in Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen wird diesem neuen Anforderungsprofil ganz gut gerecht und kann mit dem richtigen Ansatz zur Sensibilisierung für unsere Umwelt mit ihrer komplexen Vernetzung der Ökosysteme beitragen.

Wissen ist die beste Voraussetzung für die Akzeptanz.

Worin besteht die „Mitgift" Ihrer Kommune? Was bringen Sie ein? Warum ist es für das Biosphärenreservat ein Gewinn, dass nun auch Ihre Stadt/Gemeinde dabei ist?

Schlereth: Im Markt Oberthulba gibt es 59 ha Kernzonenfläche, von denen der Freistaat Bayern 15 ha in der Abrundung beigesteuert hat. Eine Besonderheit ist dabei auch die Wasserfläche der Thulba im „Ziel". Dieser Bereich wird von der Bevölkerung seit jeher als attraktives Naturreservat betrachtet und hat demnach bereits einen hohen Stellenwert im Naturschutz. Gleiches gilt für den Büchelberg in Hetzlos, der mit seiner markanten bewaldeten Kuppe nahtlos in den offenen Pflegebereich ausläuft.

Wenn diese besonderen Schönheiten unserer Gemeinde auch von den Fachverbänden und Behörden als solche erkannt werden, dann entspricht das durchaus dem Empfinden unserer Bürgerinnen und Bürger, die das größtenteils ja schon immer so gesehen haben.

Die mit der Zertifizierung einhergehende nationale und auch internationale Beachtung kommt unserer Region insgesamt zugute und wird bei konsequenter Arbeit nicht ohne positive Auswirkungen für die beteiligten Kommunen bleiben, die mit diesem Thema einen weiteren wichtigen Baustein in der interkommunalen Zusammenarbeit gemeinsam geschaffen haben. Das verbindet.

 

Weitere Gemeinde- und Stadtportraits:

Bad Kissingen, Bad Neustadt a. d. Saale, Bastheim, Mellrichstadt

 

18.06.2015

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