Oberelsbach - 20.05.2015Biosphärenreservat Rhön

Stadtportrait Mellrichstadt im Erweiterungsgebiet des Biosphärenreservats

Im Juni 2014 traf der Internationale Koordinierungsrat der UNESCO eine weitreichende Entscheidung: Er genehmigte die Erweiterung des seit 1991 bestehenden UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Im bayerischen Teil gehören jetzt weitere 22 Kommunen dazu. Das sind 58.113 Hektar Erweiterungsfläche. Die Initiative zu diesem „Beitritt" ging wesentlich von den Kommunen selbst aus. Sie versprechen sich davon positive Entwicklungsimpulse. Denn in Biosphärenreservaten geht es um die Natur UND den Menschen. Ein harmonisches Miteinander stärkt das Ganze.

Wir möchten an dieser Stelle Mellrichstadt vorstellen:

Drei Fragen an Eberhard Streit, Bürgermeister seit September 2006

Seit dem Sommer 2014 gehört Ihre Kommune zum UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Vorausgegangen ist ein komplexer Abstimmungs- und Entscheidungsprozess auf mehreren Ebenen. Gehörten Sie dabei zu den „Treibern" oder musste man Sie (und Ihre Gremien) erst überzeugen?

Als die Frage der Zugehörigkeit an uns herangetragen wurde, sind wir im Stadtrat natürlich erst einmal ergebnisoffen in die Diskussion eingestiegen. Wir waren uns aber schnell bewusst, dass das Biosphärenreservat eine Chance für die Region bedeutet. Folgerichtig kamen wir dann auch recht schnell zu dem Ergebnis, dass wir nicht nur am Rand stehen wollen. Wir wollten dazugehören und deshalb hat sich der Stadtrat recht schnell mit großer Mehrheit und in aller Konsequenz für den Beitritt entschieden. Ich denke mit unserer frühen Entscheidung haben wir ein wichtiges Signal in der Region gesetzt, und waren somit eher Treiber, aber niemals Getriebene.

Was verspricht sich Ihre Kommune vom Biosphärenreservat? Was haben Sie für Erwartungen an die Zukunft?

Ein Biosphärenreservat ist eine von der UNESCO initiierte Modellregion, in der nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht exemplarisch verwirklicht werden soll. Die Weiterentwicklung dieser Regionen wird ständig überwacht und evaluiert. Die Biosphärenreservate sind weltweit vernetzt und dort erforscht man im globalen Maßstab die wichtigsten Ökosysteme. Es geht dabei um biologische Vielfalt und Ökosystemfunktionen, die Bewirtschaftung und Entwicklung von Kulturlandschaften, um Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel.

Bei all diesen Fragen steht der Mensch selbst als Bestandteil der Biosphäre im Vordergrund. Aus wissenschaftlicher Sicht sind das also wichtige und spannende Fragen, auf die man in einem Biosphärenreservat nach Antworten sucht.

Ein Teil unserer Motivation, dabei sein zu wollen, leitet sich sicher auch aus der Verantwortung ab, die eine Kommune alleine schon deshalb hat, weil sie dazu einen Beitrag leisten kann.

Aber natürlich sehen wir vor allem auch die Chance, die sich für unsere Region und für unsere Stadt aus dieser Zugehörigkeit ergibt. Wir gehen davon aus, dass die Tatsache, dass man Teil eines Biosphärenreservates ist, sowohl die gesamte Region als auch die Stadt Mellrichstadt heraushebt und dass man diesen Status durchaus auch touristisch vermarkten kann.

Wenn man sich vor Augen hält, dass es im Juni 2014 weltweit lediglich 631 Biosphärenreservate in 119 Ländern gab, lässt sich unschwer erkennen, dass das Prädikat „UNESCO-Biosphärenreservat" eine Region und eine Kommune in einem gewissen Sinne „adelt", zumal man sich dieses Prädikat nirgends erwerben kann.

Es ist also ein Privileg dazuzugehören. „Mittendrin statt nur dabei!" - Ich denke, das beschreibt ganz gut, was wir wollen.

Worin besteht die „Mitgift" Ihrer Kommune? Was bringen Sie ein? Warum ist es für das Biosphärenreservat ein Gewinn, dass nun auch Ihre Stadt/Gemeinde dabei ist?

Warum wir unseren Beitrag leisten wollen und dass wir darin auch eine Aufgabe und eine Verantwortung, aber auch eine große Chance sehen, habe ich gerade beschrieben.

Mit diesem Blick auf die Dinge wollten wir natürlich auch einen angemessenen Beitrag leisten. Nachdem wir zudem auch noch feststellen durften, dass wir als „waldreiche" Stadt auch über ein recht interessantes Waldgebiet verfügen, dass sich nach Aussagen der Fachwelt in besonderem Maße für die Forschungsarbeiten im Biosphärenreservat eignet, haben wir uns dazu entschieden dieses zusammenhängende Waldstück in der Nähe der Kernstadt, mit einer Fläche von 102 ha als Kernzone zur Verfügung zu stellen.

Darüber hinaus werden wir zur sinnvollen Abrundung einer bestehenden Kernzone im Stadtteil Frickenhausen noch eine weitere Waldfläche mit 10 ha Fläche zur Kernzone beisteuern.

 

Weitere Gemeinde- und Stadtportraits:

Bad Kissingen, Bastheim, Bad Neustadt a. d. Saale

20.05.2015

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Stadtpark in Mellrichstadt (Foto: P. Dietz) und Blocknewsbild (Foto: Fred Rautenberg)

Eberhard Streit, Bürgermeister der Stadt Mellrichstadt

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