Gersfeld - 18.02.2009Biosphärenreservat Rhön

Durchaus möglich: Kräuteranbau im Biosphärenreservat Rhön

Auf rund 2 600 Hektar bestehender Ackerfläche könnte im Bereich der hessischen Rhön Arnika angebaut werden. Das hat Christine Hausmann von der Technischen Universität Weihenstephan in einer Diplomarbeit herausgefunden.

Zum Start eines Projektes bedarf es jedoch „mutiger Pioniere"

EBERSBURG-RIED. „Chancen für Anbau und Vermarktung von Arznei- und Gewürzpflanzen im Biosphärenreservat Rhön" - so lautet der Titel einer Diplomarbeit, die von Christina Hausmann im Fachbereich Landschaftsplanung an der Technischen Universität Weihenstephan verfasst wurde. Für den Landkreis Fulda, Biosphärenreservat Rhön stellte sie die Ergebnisse der Diplomarbeit nun einer interessierten Zuhörerschaft vor.

Zunächst ging Hausmann auf das Potential und die Absatzchancen für heimische Kräuter ein. Zwar sieht sie bei Gastronomie und Metzgereien nur ein vergleichsweise geringes regionales Interesse, konstatiert aber insbesondere bei heimischen Handelsketten und beim Getränkehersteller Bionade sowie überregional bei Gewürzmühlen, Gewürzhändlern und der Kosmetikindustrie eine relativ hohe Nachfrage. Marktanalysen zu Folge ist das Kräutersegment ein Wachstumsmarkt. Dabei wird insbesondere bei den traditionellen Kulturen wie Petersilie, Schnittlauch, Salbei usw. eine hohe Nachfrage registriert. Für die Arzneimittelherstellung wird dem Anbau von Arnika eine positive Entwicklung zugebilligt. Nach ersten Geländeanalysen und einer Reihe von Fachgesprächen legte Hausmann im Rahmen ihrer Untersuchung den Schwerpunkt auf die Arten Salbei, Wehrmut und Arnika. Während der Salbei klassische Böden bevorzugt, liebt die Arnika sauren Boden. Unproblematisch ist dagegen der Wehrmut, der nahezu überall wächst. Anhand von EDV-gestützten Analysen, aus Luftbildbefliegungen und geologischen Informationssystemen analysierte die Diplomantin für das länderübergreifende Biosphärenreservat Rhön alleine für die Arnika eine Anbaufläche von 2 600 Hektar auf bestehendem Ackerland. Für Salbei wurden immerhin noch 237 Hektar standörtlich geeignete Flächen ermittelt.
Dabei verheimlicht Christina Hausmann keineswegs die Schwierigkeiten, die der Anbau von Kräutern mit sich bringt. Das hohe Maß an Handarbeit sowie die Beikrautbekämpfung sind große Herausforderungen. Die Trocknung ist energieaufwändig, und meist unterliegt der Kräuteranbau besonderen Qualitätsanforderungen. Auch ist die Saat- und Pflanzgutbeschaffung nicht immer einfach. Für potentielle Einsteiger in diesem Bereich gilt, dass sie sich notwendiges Fachwissen und Geschick aneignen. Trotz allem kann zum Beispiel bei einer Spezialisierung auf besondere Arten wie die Arnika im Kräuteranbau auch auf kleiner Fläche gutes Geld verdient werden. Beispiele gibt es in Europa zuhauf. Eine Vorreiterrolle nimmt sicherlich das wirtschaftlich benachteiligte Waldviertel in Österreich ein, welches sich im Laufe von rund 20 Jahren einen internationalen Ruf als Anbauregion für ausgefallene Kräuter erarbeitet hat.
Hausmann hofft nun, dass in der Rhön ein echtes Kräuterprojekt gestartet werden kann, bei dem im Vordergrund geschlossene Wertschöpfungsketten, gegebenenfalls mit einer Vermarktungs-GmbH, stehen. Mittels Vermarktungs-GmbH könnte zum Beispiel eine Erzeugergemeinschaft gegründet und gezielte Anbau- bzw. Abnahmeverträge geschlossen sowie die Zusammenarbeit der regionalen Akteure gestärkt werden. Zu diesem Zweck wurde von ihr auch ein Umsetzungsszenario entworfen. Dieses reicht von der Sondierung geeigneter Anbauflächen mit entsprechenden Bodenproben über Versuchsanbau, Wissenstransfer und Gründung einer Erzeugergemeinschaft bis hin zu einem Qualitätsmanagement, Vertriebskonzept und der Entwicklung von Premium-Produkten.
Martin Kremer, der für das Biosphärenreservat Rhön die Veranstaltung moderierte, machte deutlich, dass der Erfolg des Projektes abhängig ist, indem sich Pioniere finden, die den Umstieg in den Anbau von Sonderkulturen wagen. Auch er verweist auf das immer wieder bekundete Interesse des Lebensmittelhandels sowie der regionalen Getränkeproduzenten am heimischen Kräuteranbau.
Apothekerin Gerhild Elisabeth Birmann-Dähne regt an, auch die Option des Sammelns wilder Kräuter zu berücksichtigen. In diesem Segment sieht sie gute Chancen zur Profilierung der heimischen Gastronomie. Statt aufwendiger Trocknungsverfahren plädiert sie für das arbeitstechnisch einfachere Herstellen von Pestos.
Die lebhafte Diskussion der anwesenden Landwirte und Gärtner machte deutlich, dass mit dem Thema ein Nerv getroffen wurde, der zu einiger Nachdenklichkeit führte. In diesem Zusammenhang kündigte Kremer für die zweite Jahreshälfte eine weitere Veranstaltung an, in der insbesondere über den Holunder und Kräuteranbau für die Firma Bionade informiert werden soll.

 

18.02.2009

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