Gersfeld - 18.02.2009Biosphärenreservat Rhön

Landkreis Rhön-Grabfeld will eine von 25 deutschen „Bioenergie-Regionen“ werden

Teilnahme am Bundeswettbewerb / Erste Hürde schon genommen

BAD NEUSTADT. Der Landkreis Rhön-Grabfeld und damit ein beträchtlicher Teil des bayerischen Biosphärenreservates Rhön hat sich am Bundeswettbewerb „Bioenergie-Regionen" zum Aufbau regionaler Netzwerke im Bereich der Bioenergie beteiligt. Ein entsprechendes Konzept hat der freiberuflich tätige Projektentwickler im Bereich Natur- und Umweltschutz, Prof. Dr. Eckhard Jedicke aus Bad Arolsen, erarbeitet. Die maßgeblichen Ideengeber waren dabei Michael Diestel, Geschäftsführer des Bauernverbandes Rhön-Grabfeld, Regierungsdirektor Michael Geier, Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön, und die Agrokraft GmbH Bad Neustadt. Große Unterstützung gewährten von Anfang an die beteiligten Ressorts des Landratsamtes und Landrat Thomas Habermann persönlich.

210 Regionen der Bundesrepublik hatten sich mit ihren Konzepten am Bundeswettbewerb im vergangenen Jahr beteiligt. Daraus wurden 50 - also weniger als ein Viertel - ausgewählt und in die nächste Runde geschickt. Am Ende werden es 25 Regionen sein, die in Zukunft als Modellregionen für Bioenergie in Deutschland gelten und dementsprechend auch Fördermittel erhalten.
„Kerngedanke des Wettbewerbs ist es, zu zeigen, welche Potentiale die Bioenergie für die regionale Wertschöpfung bietet und wie insbesondere ländliche Räume einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können", sagt Prof. Dr. Eckhard Jedicke. Dabei sei es vom Auslober her nicht spezifiziert, aus welchen Ressourcen die Bioenergie stammen muss. „Die Biogasnutzung aus Mais wird allerdings nicht mehr als das erste Mittel gesehen", meint Jedicke. Vielmehr gehe es - auch im Konzept des Landkreises Rhön Grabfeld - um die Gesamtheit der so genannten biogenen Reststoffe. Dazu zählen Abfälle wie Grüngut, Reste aus der Landschaftspflege wie Heckenschnitt, Gülle, Klärschlamm, Holz und Essensreste. „Wir setzen in unserem Konzept ausschließlich auf die Dezentralität von Anlagen, die diese Ressourcen zu Bioenergie verarbeiten. Es kann nicht der Sinn sein, Material über 150 Kilometer oder weiter zu großen Anlagen zu transportieren und dann zu sagen, dass es sich wirklich um eine alternative Energieerzeugung handelt, die das Klima schützt. Vielmehr müssen wir uns fragen, was trägt sich wirtschaftlich und was kommt mit möglichst wenig Geld und Aufwand einem hohen Klimaschutz zugute", meint der Professor.
Um sich am Bundeswettbewerb zu beteiligen, wurden alle Ideen in einem Regionalen Entwicklungskonzept gebündelt. Doch es geht darin nicht nur um die bloße alternative Energieerzeugung. Vielmehr verfolgt das Konzept das Ziel, für lokale Kreisläufe des Geldes und der Waren zu sorgen. „Wir haben im Regionalen Entwicklungskonzept einen sehr starken genossenschaftlichen Ansatz verankert. Das konnten wir nur, weil ich es mir nicht im stillen Kämmerlein ausgedacht habe, sondern weil wir von Beginn an viele Partner beteiligt haben, darunter die Landwirte und die Kommunen. Außerdem wird jeder, der vielleicht einmal Nutznießer eines Projektes ist, sich mit eigener Ware und eigenem Geld daran beteiligen müssen. Wir setzen auch nicht auf eine Investitionsförderung, sondern auf eine Netzwerkförderung. Bis zu 400 000 Euro stehen vom Bund für die Beratung und das Finden der besten Lösung zur Verfügung. Unter Nutzung anderer Fördertöpfe können die Projekte dann konkret angeschoben werden", erklärt Prof. Dr. Eckhard Jedicke. Wenn der Landkreis Rhön-Grabfeld und damit ein großer Teil des bayerischen Biosphärenreservates Rhön also beim Bundeswettbewerb als einer von 25 Siegern hervorgehen, könnten insgesamt im Laufe der nächsten Jahre „einige Millionen Euro in die Region fließen", zeigt sich Jedicke optimistisch. Auch die Banken konnten die Initiatoren des Regionalen Entwicklungskonzepts gewinnen. Sowohl die Filialen der Sparkassen als auch die der Genossenschaftsbanken beteiligen sich daran mit der Aktion „Klima-Sparschwein". Wer in den einzelnen Instituten einen Euro in das grüne Sparschwein wirft, erklärt seine Unterstützung für einen besseren Klimaschutz.
Der Landkreis Rhön-Grabfeld sieht im Holz und in den biogenen Reststoffen die Schwerpunkte für seine Bioenergie-Gewinnung. Dabei kann sich Prof. Jedicke auch die Form der agrarischen Nutzung von Holz vorstellen - also das Anlegen von so genannten Kurztriebplantagen aus Pappeln oder Weiden. „Das ist zwar nicht unbedingt gebietstypisch, bringt aber für den Boden Vorteile im Vergleich zum Weizenacker, der jedes Jahr umgebrochen wird." Solche Plantagen würden dann in regelmäßigen Abständen abgeerntet, bis sie wieder in ausreichendem Maße nachgewachsen sind. „Wir betrachten diese Form des Anbaus als ein Paradebeispiel für die multifunktionale Landnutzung, das auch einen ökonomischen Vorteil bringt", sagt Jedicke. Außerdem setzt der Professor auf den zusätzlichen Anbau von Hecken aus vielfältigen einheimischen Gehölzen und deren Ernte. Das käme letztlich während der Blüte der Imkerei zugute.
Momentan werden viele biogene Abfälle wie Grünschnitt oder Landschaftspflegeschnitt kompostiert, sagt Jedicke. „Allerdings ist das mit der Erzeugung von Methangas verbunden; also eigentlich nicht klimafreundlich. Das Ausbringen von Gülle oder Klärschlamm geht mit zusätzlichen Schadstoffen einher. In einer Biogasanlage können all diese Schadstoffe reduziert werden. Auch Essensreste sind für Biogasanlagen geeignet", hebt Jedicke hervor.
Unabhängig vom Erfolg beim Bundeswettbewerb sei in den letzten Jahren im Landkreis Rhön-Grabfeld schon einiges in Bewegung geraten, um bei der Energieerzeugung umzusteuern. „Selbst wenn wir nicht zu den Siegern gehören und keine Förderung des Bundes erhalten, werden wir auf dieser Schiene weitermachen", sagt Jedicke. Im März soll die Entscheidung seitens des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fallen.

 

 

18.02.2009

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