Gersfeld - 18.02.2009Biosphärenreservat Rhön

Beute wird gewürgt und aufgespießt

Der Raubwürger ist eine bedrohte Tierart / Im Biosphärenreservat Rhön ist er hauptsächlich in Thüringen und Bayern anzutreffen

ERBENHAUSEN. Seit 1989 beobachtet Jürgen Holzhausen, Mitarbeiter der Thüringer Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön, den Raubwürger im Bereich der Thüringer Rhön. Der momentane Bestand, sagt Holzhausen, liegt bei rund 59 Revierpaaren und damit der Hälfte des Gesamtbestandes in Thüringen. Vor allem die ehemalige Grenze, schätzt er ein, hatte den Raubwürger im heutigen Biosphärenreservat Rhön immer beherbergt.

Der ehemalige Grenzstreifen zwischen Weimarschmieden und Helmershausen ist heute noch ein Lebensraum für den seltenen Vogel. Er mag die Kombination aus Hecken, Trockenrasengebieten und Grünlandbereichen. Daher ist er auch an der Hohen Geba - auf einem 2 000 Hektar großen Trockenrasen am Stück - anzutreffen. Außerdem, sagt Holzhausen, könnten die großen Windwurfflächen der letzten Jahre, die beispielsweise beim Orkan Kyrill entstanden, gut als Lebensraum für den Raubwürger geeignet sein. Der bislang höchst gelegene Raubwürgerbrutplatz in der Thüringer Rhön liegt bei 813 Metern in der Nähe von Frankenheim. Auch das 836 Meter hoch gelegene Große Moor in der bayerischen Rhön beherbergt ihn. Weitere Verbreitungsgebiete im Thüringischen sind der Marschlerhof, der Mückenhof, das Thüringer Rhönhäuschen und das Auewäldchen bei Borsch. Am liebsten brütet er am Waldesrand, der von Trockenrasen, Ackerflächen und Schafhutungen umgeben ist. Brutnachweise gibt es auch für den Bereich Erbenhausen, Kaltensundheim und Reichenhausen. Hier hat ihn Jürgen Holzhausen oft auf Stromleitungen ausgemacht, auf denen er sitzt, um seine Beute zu finden. Der Raubwürger macht Jagd auf Bergeidechsen, Wasserspitzmäuse, Feldmäuse und fängt Großinsekten. Das Sommerrevier ist rund 30, das Winterrevier mit 60 Hektar fast doppelt so groß. Störungen für den Raubwürger verursachen insbesondere Mopedfahrer, die querfeldein fahren und Gleitschirmflieger, sagt Jürgen Holzhausen.
Das Beutetier wird vom Raubwürger durch kräftige Schnabelhiebe oder durch einen Nackenbiss getötet und häufig auf Dornen aufgespießt oder in einer Astgabel eingeklemmt, was sowohl der Aufbewahrung und Vorratshaltung als auch der Fixierung der Beute dient. In den Ästen von Dornhecken oder auf Weidestacheldraht hat auch Jürgen Holzhausen schon allerlei aufgespießtes Kleingetier gefunden. Oft werden solche Vorratslager vom Raubwürger vergessen oder nicht mehr benötigt, dann bleiben sie als „Mumiengalerie" noch eine Weile bestehen.
Der amselgroße Singvogel hat einen Greifschnabel und nadelspitze Krallen. Wie ein Falke stürzt er sich auf Käfer, Mäuse und Singvögel, greift sie im Sturzflug und tötet sie mit dem Hakenschnabel. Dem Raubwürger kommt für die Jagd auch sein Gesangstalent zugute. Durch seine Körpergröße erregt er keinen Argwohn und wird nicht als Feind betrachtet. Ruhig sitzt er minutenlang zwischen Singvögeln und singt jeweils anpassungsfähig den gleichen Gesang. Plötzlich wird einer der Nächstsitzenden gepackt und erwürgt. Die Bedeutung Würger ist übrigens doppeldeutig: „Es kann damit das blutige Handwerk bezeichnet werden oder aber auch die Gepflogenheit, die unverdaulichen Nahrungsreste als Gewöllbrocken wieder auszuspeien", erläutert Diplom-Biologe Joachim Jenrich aus Gersfeld, der seit vielen Jahren für das Biosphärenreservat Rhön tätig ist.
Der Raubwürger, schätzt er ein, ist eine bedrohte Vogelart, die im Biosphärenreservat Rhön vor allem noch in der bayerischen und thüringischen Rhön vorkommt. Der Raubwürger ist in der Hochrhön, im Truppenübungsplatz Wildflecken und teilweise an den Ortsrändern mit Streuobstgürteln oder in Magerrasengebieten anzutreffen.

18.02.2009

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