Gersfeld - 18.02.2009Biosphärenreservat Rhön

„Neubürger“ im Biosphärenreservat Rhön

Der Karmingimpel wurde erstmals 1988 am Roten Moor entdeckt

EHRENBERG. Schon seit vielen Jahren beobachtet Lothar Herzig, Lehrer und ehrenamtlich im Vogelschutz des Landkreises Fulda tätig, den Karmingimpel in Ehrenberg-Wüstensachsen. Der Karmingimpel ist ein typischer „Neubürger" für die Rhön, denn er wurde erst Mitte Juni 1988 zum ersten Mal in der Nähe des Roten Moores entdeckt.

 

Der Karmingimpel hat einen karminroten Kopf. „In unserer heimischen Vogelwelt gibt es keine vergleichbare Vogelstimme", sagt Lothar Herzig, der sich seit vielen Jahren mit diesem Vogel beschäftigt. Der Neststandort des Karmingimpels ist immer niedrig - er nutzt Erlen, Holunder, Schlehen und andere Büsche, die idealerweise in der Nähe von Gewässern stehen. „Er hält sich seit 16 Jahren in Wüstensachsen auf", meint Herzig. Hier findet er offenbar ideale Brutbedingungen vor.
Der Karmingimpel verbringt allerdings nur kurze Zeit in der Rhön. Mitte Mai kommt er in Wüstensachsen an; bereits Ende Juli verlässt er die Gegend schon wieder. Die zwei bis drei Monate nutzt er, um sein Nest zu bauen und Nachwuchs groß zu ziehen. „Er ist nicht störempfindlich, hält aber eine Distanz von 50 bis 70 Metern ein und nutzt in Mitteleuropa die halboffenen Landschaften mit einer gut ausgeprägten Strauch- und Krautschicht", erklärt Herzig. Sein Hauptverbreitungsgebiet ist die Pazifikküste; eine starke Verbreitung hat er auch in Zentralasien, Tibet, Schweden und Russland. Gebüsch und Wasser fördern seine Ansiedlung. In Russland, Litauen, Finnland und Estland gibt es rund drei bis sechs Millionen Brutpaare des Karmingimpels. In Mitteleuropa liegt diese Zahl zwischen 13 000 und 34 000.
Die erste Ausbreitungswelle führte den Karmingimpel bis nach Polen, an die Odergrenze und in die Slowakei. Danach folgten Finnland, Schweden, die polnische Ostseeküste und die Küste von Mecklenburg-Vorpommern. Seit 1950 ist er auch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen heimisch; seit den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat er Tschechien, Österreich, die Schweiz, Rumänien und die Niederlande bis hin zu Großbritannien erobert. „Seit dem Jahr 2000 ist allerdings ein starker Rückgang der Ausbreitungswelle zu beobachten", sagt Lothar Herzig. Insgesamt wird das Vorkommen des Karmingimpels in Deutschland auf 800 bis 970 Brutpaare geschätzt. Sein Winterquartier sucht er in Nord- und Zentralindien und in Nordchina auf. Er legt also beträchtliche Wegstrecken zurück.
Der Karmingimpel benötigt Wasser - egal ob Fließgewässer, Stillgewässer oder Feuchtwiesen. Für seine Deckung sucht er die dichte Ufervegetation. „Der Karmingimpel kann prinzipiell überall dort auftauchen, wo diese Dinge zusammentreffen", meint Herzig. Auch Täler, die weit und ohne hohe Vegetation sind, besiedelt er gern.
Lothar Herzig stellte den Karmingimpel als „Neubürger" in der Rhön übrigens während des 2. Länder übergreifenden Ornithologentreffens im thüringischen Schafhausen vor, das Ende letzten Jahren stattfand und an dem viele Ornithologen aus allen drei Landesteilen der Rhön teilnahmen.

18.02.2009

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