Gersfeld - 18.02.2009Biosphärenreservat Rhön

Ein Kalender mit zwölf neuen Frauenansichten zu Umwelt und Gesundheit

„Biosphärenreservate sind lebendige Landschaften, in denen es sich besonders lohnt, eine gesunde Mensch-Umwelt-Beziehung zu etablieren", findet Dr. Doris Pokorny von der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön. Im neuen Lesekalender 2009 „Frauenansichten" des Bundesumweltministeriums hat sie Dr. Corinna Hölzer vom Medienbüro für ökologisch tragfähige Entwicklungen „GreenMediaNet" aus Berlin ein Interview gegeben.

Lesekalender 2009 des Bundesumweltministeriums erschienen / Eine der zwölf Interviewten kommt aus dem Biosphärenreservat Rhön

OBERELSBACH / BONN. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat den neuen Lesekalender 2009 „Frauenansichten" herausgegeben. Zwölf Frauen aus ganz unterschiedlichen Branchen äußern sich darin vorwiegend zum Thema Wasser als einer der wertvollsten Ressourcen. Eine von ihnen ist die stellvertretende Leiterin der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön, Dr. Doris Pokorny. Mit ihr hat sich Dr. Corinna Hölzer vom Medienbüro für ökologisch tragfähige Entwicklungen „GreenMediaNet" aus Berlin - Charlottenburg unterhalten. Das Interview trägt den Titel „Gesundes Trinkwasser kommt aus einer gesunden Landschaft". Die Lesekalender werden vom Bundesumweltministerium seit vier Jahren herausgebracht und widmen sich jeweils einem Schwerpunktthema. Der Kalender kann unter www.bmu.de/bestellformular/content/4159.php#Immissionschutz online bestellt werden.

Frau Pokorny, was ist das besondere Anliegen des Biosphärenreservates Rhön?

Dr. Doris Pokorny: Seine Besonderheit besteht darin, dass es Teile von drei Bundesländern, nämlich Bayern, Thüringen und Hessen, umfasst. Wir arbeiten also länderübergreifend und können dadurch wunderbare (Groß-)Projekte gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Wirtschaft, Verwaltung, Verbänden und Kommunen durchführen. Biosphärenreservate sind ja Räume, in denen eine nachhaltige Regionalentwicklung ganz konkret ausprobiert werden soll: Wie können wir durch den Schutz der Ökosysteme gleichzeitig die Wirtschaft beleben? Ökologische Landwirtschaft, Regionalvermarktung, Gewässerrenaturierung, sanfter Tourismus, Landschaftspflege und vitale Dörfer sind unsere Hauptthemen. Als Biosphärenreservatsverwaltung haben wir in der Region jedoch nur eine Moderationsfunktion, versuchen zu inspirieren, zu überzeugen, zu unterstützen, zu begleiten.

Diese Themen schreien förmlich nach einem langen Atem, oder?

Klar, den braucht man immer, wenn man Umdenkprozesse gestaltet. Manchmal frag ich mich schon: „Warum geht das nicht schneller?" Aber wenn ich die 18 Jahre meiner Arbeit, vorrangig im Bereich der Forschung und Öffentlichkeitsar¬beit, zurückblicke, ergibt sich ein sehr schönes Muster aus Teilprojekten, die in der Regel miteinander vernetzt sind. Die naturbelastenden wasserbaulichen Trends von früher und andere Eingriffe in die Landschaft kann man nun mal nicht im Handumdrehen beseitigen. Es macht wirklich Spaß, den Paradigmenwechsel hin zur Verbindung von Naturschutz und sozialer Wirtschaftlichkeit gemeinsam mit guten und aktiven Partnern zu gestalten.

Können Sie Beispielprojekte nennen, wo sowohl Natur als auch Wirtschaft vom Biosphärenreservat profitieren?

Eins der kürzlich abgeschlossenen, erfolgreichen Großprojekte im Bereich Gewässerschutz ist „Rhön-im-Fluss". Hier wurden zusammen mit den Projektpartnern aus der Wasserwirtschaft entlang unserer Hauptgewässer, nämlich an der Ulster, der Brend und der Streu unter anderem so genannte Umgehungsgerinne geschaffen. Die ermöglichen wandernden Tierarten das Passieren von Wehren und anderen Querbauten. Die Längsdurchlässigkeit von Fließgewässern ist ja enorm wichtig und ermöglicht unter anderem der Bachforelle von der Mündung bis in den Oberlauf zum Laichen zu schwimmen. Die Gastronomie nutzt allerdings Forellen aus der Teichwirtschaft, aber dort ist ein Umdenken zu spüren. Mindestens ein Pilotbetrieb in der hessischen Rhön züchtet neben der aus Amerika stammenden Regenbogenforelle jetzt auch unsere heimische Bachforelle, obwohl sie höhere Ansprüche an Gewässerqualität und Haltungsbedingungen stellt und langsamer wächst. Diese Art der Teichwirtschaft belastet die natürlichen Gewässer geringer, was uns freut. Hier greift die Idee des Biosphärenreservates, alles miteinander zu verknüpfen: Naturschutz, Wasserbau, Fischzucht und die starken Partner aus der Gastronomie.

Und wie steht es mit der Landwirtschaft? Das Rhönschaf hat es offenbar wieder auf die schönen Rhön-Weiden und auf den Teller geschafft ...

Das stimmt, aber so etwas passiert nicht über Nacht. Wenn man alte Haustierrassen sowohl für Landschaftspflegema߬nahmen als auch für die Gastronomie interessant machen will, müssen gute Konzepte entwickelt werden. Heute wird Auengrünland wieder extensiv mit Rindern beweidet, zum Beispiel mit dem früher in der Region heimischen Gelben Frankenvieh, das eine hervorragende Fleischqualität hat. Auch haben wir zusammen mit der Regionalen Arbeitsge¬meinschaft Rhön das regionale Qualitätssiegel für die Rhön ins Leben gerufen, eins davon ein Bio-Siegel. Das macht es für die Gastronomen und Hofläden leichter, ihre hochwertigen, aber oft noch wenig bekannten Produkte zu vermarkten.

Ökolandwirtschaft fördert ja auch ein gesundes Grundwasser, und auf das sind einige wichtige Getränkehersteller der Region angewiesen, richtig?

Ja, unsere Brauereien und nicht zuletzt ein bundesweit bekannter Erfrischungsgetränkehersteller profitieren durchaus von der ökologischen Landwirtschaft. Die Wirtschaft selbst kann wiederum ein wichtiger Impulsgeber für eine Ökologisierung unserer Landwirtschaft sein: Als zum Beispiel Bionade in den letzten Jahren seine Produktion immens steigerte und zunehmend mehr Biogerste und Bioholunder aus der Region nachfragte, fassten mehr und mehr Betriebe den Mut und sagten: „Ja, wir möchten über so ein Produkt den Schritt in den Ökolandbau tun - wir stellen um." Gerade der Bioholunderanbau war trotz der viel versprechenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen völliges Neuland und für die Betriebe ein nicht unbeträchtliches Risiko.

Haben Sie einen besonderen Wunsch für „Ihre" Rhön?

Sie merken, dass ich gerne in der Rhön lebe?! Als ich vor 18 Jahren hier her zog, dauerte es tatsächlich nicht sehr lange, bis ich mich heimisch fühlte. Das habe ich aber auch der interessanten Arbeit für das Biosphärenreservat zu verdanken. Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen hier noch stärker zu ihrer Region bekennen und den Reichtum, den wir vor unserer Haustür haben, mehr zu schätzen und zu nutzen wissen. Daraus ergäbe sich ein noch stärkerer Motor für eine gesunde und nachhaltige Regionalentwicklung.

 

18.02.2009

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