Gersfeld - 18.02.2009Biosphärenreservat Rhön

Unzufrieden mit der touristischen Struktur

Das Fachforum „Wirtschaftliche Entwicklung & Tourismus" im Verein Natur- und Lebensraum Rhön übt scharfe Kritik an der derzeitigen touristischen Struktur in der Rhön. In einem entsprechenden Beschluss sprechen sich die Mitglieder dafür aus, endlich eine Länder übergreifende touristische Zusammenarbeit zu stärken und eine dementsprechende Fremdenverkehrsstruktur zu schaffen. „Wir sind schon dabei, dass die Region auseinander bricht, deshalb müssen wir jetzt gegensteuern", sagt der Sprecher des Forums, Jürgen Krenzer aus Seiferts.

Immer mehr schließen sich die private Wirtschaft, allen voran die Gastronomie, und einzelne Gemeinden auf engen Raum begrenzt zusammen, um ihren eigenen Werbeauftritt, etwa auf Messen, zu organisieren, nennt Krenzer ein Beispiel. Dies führe zwar dazu, dass für eine ganz spezielle Region geworben wird, aber keinesfalls für eine Rhön, die aus drei Landesteilen besteht. „Unser Forenbeschluss ist eine deutliche Aufforderung an die derzeitigen Verantwortungsträger, das einzelne Brötchenbacken zu unterbinden und eine touristische Anlaufstelle für die ganze Rhön zu schaffen. Dazu bedarf es eines Geschäftsführers oder einer Geschäftsführerin, die in der Lage ist, Koordinator für die gesamte Rhön zu sein", hebt Krenzer hervor. „In meinem Forum ist die Unzufriedenheit über die gegenwärtige Situation sehr hoch. Und diese Unzufriedenheit macht sich vor allem bei den Leistungsträgern, nämlich der Hotellerie und Gastronomie, bemerkbar", ergänzt er.
Auch der Geschäftsführer des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön, Martin Kremer, sagt, dass die von Jürgen Krenzer dargestellte Meinung im gesamten Verein verbreitet ist. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass es schwierig ist, eine gemeinsame touristische Struktur für die gesamte Rhön zu schaffen, weil die Fördermittel immer an die jeweiligen Länder gekoppelt sind. Der Vorsitzende des Vereins, Dr. Hubert Beier, kennt diese Problematik ebenfalls. „Ich glaube aber, dass da mit etwas gutem Willen etwas zu machen ist", erklärt er. Tourismus, meint Jürgen Krenzer, könne auch nicht nur auf Fördermittel aufgebaut werden. „Die Privatwirtschaft ist bereit, für ein wirklich effektives Marketing zu zahlen", weiß der Gastronom.
Krenzer bemängelt außerdem, dass in der Rhön viel zu viel kommuniziert, sich aber zu wenig auf das Wesentliche konzentriert wird. Als Beispiel dafür nennt er den Wintersport. „Viele wissen gar nicht, was es in der Rhön für hervorragende Schneelagen und Wintersportmöglichkeiten gibt. Das liegt daran, weil es nicht gezielt verbreitet wird. Willingen hat viel schlechtere Schneeverhältnisse als die Rhön - aber alle glauben das Gegenteil, weil Willingen sich in seiner Werbung auf diesen Schwerpunkt konzentriert."
Wenn nicht bald eine funktionierende Struktur geschaffen wird, die die Vermarktung der gesamten Rhön zum Ziel hat, „dann werden kleine Betriebe auf der Strecke bleiben", warnt Krenzer. „Die großen sind pfiffig genug und verlassen sich schon lange nicht mehr darauf, dass sie von ihrem Fremdenverkehrsverband eine Leistung bekommen. Das ist die eigentliche Dramatik an der Sache." Die Rhön habe in all ihren Landesteilen eine einzigartige Natur und Landschaft sowie hervorragende Produkte. Darauf müsse das Marketing beruhen, unterstreicht Krenzer.
Dr. Hubert Beier spricht sich für eine Verbindung von Produkt- und Tourismusmarketing aus. Er könnte sich vorstellen, den Tourismus in der Rhön und die Dachmarke Rhön miteinander zu verknüpfen, um diesen Aspekt wirkungsvoll zu organisieren. Dazu müsse die Dachmarke Rhön aber erst einmal gut laufen.
Das Forum „Wirtschaftliche Entwicklung & Tourismus" im Verein Natur- und Lebensraum Rhön will sich nun mit einem Brief an die Regionale Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Rhön wenden, um die Landkreise zu bewegen, eine Lösung hin zu einer einheitlichen Rhöner Tourismusstruktur zu finden.

18.02.2009

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