Wildflecken/Oberbach - 26.11.2008Biosphärenreservat Rhön

3 000 Euro für Projekte im Sinne der Idee des Biosphärenreservats Rhön

Den „Biosphärenreservatspreis 2008“ teilen sich drei Initiativen

WILDFLECKEN-OBERBACH/Würzburg. Der Regierungspräsident von Unterfranken, Dr. Paul Beinhofer, hat am Mittwoch den 26. November in der Informationsstelle des Biosphärenreservates Rhön „Haus der Schwarzen Berge“ den „Biosphärenpreis 2008“ übergeben, den sich drei Projektinitiativen teilen. Der „Biosphärenpreis“ würdigt Projekte und Initiativen, die die Idee des Biosphärenreservates Rhön vorbildlich umsetzen und zeigen, dass Interessen des Umwelt- und Naturschutzes sowie wirtschaftliche und soziale Interessen erfolgreich miteinander in Einklang gebracht werden können.
„In einem von der UNESCO anerkannten Biosphärenreservat steht der Mensch im Mittelpunkt“, sagte Dr. Paul Beinhofer. „Das ist auch richtig so, weil wir alle mit unseren täglichen Entscheidungen ein Stück Verantwortung für unsere Region und unsere eigene Umwelt- und Lebensqualität tragen. Natur- und Umweltschutz – zumal in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft – kann nur mit den Menschen gemeinsam gelingen“, betonte er. Die Rhön habe sich längst ihre Werte selbst gegeben – nämlich die einer nachhaltigen Entwicklung. Das Ziel des Biosphärenreservates Rhön sei es daher, Ökologie, Ökonomie und soziale Belange gleichermaßen zu berücksichtigen. Genau diese Verbindung würdige der „Biosphärenpreis“, der insgesamt mit 3 000 Euro dotiert ist.
Bis zum 30. September konnten herausragende Projekte – allerdings von Dritten wie bei der Oscarverleihung – vorgeschlagen werden. Bei der Bewertung wurde auch darauf geachtet, dass sie mit anderen Aktivitäten in der Region möglichst gut vernetzt sind, eine Vorbildfunktion haben, andere zum Nachahmen anregen und innovativ und originell sind.
Der erste Preis mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro geht an das Projekt „Kindergruppe Natur und Umwelt“ der ehrenamtlichen Elterninitiative Sulzthal. Seit 1990 führen hier Mütter und Väter umweltorientierte Veranstaltungen mit Kindern aus dem Ort durch. Das Ziel ist es, ihnen Begeisterung für die Natur und für ihre Heimat zu vermitteln. Neben den Themen Natur und Umwelt werden den Kindern auch die Gebiete nachhaltiges Wirtschaften, Ernährung, Zukunftsplanung, Globalisierung, Agenda 21, Wohlstandsgesellschaft und Konsumverhalten sowie der Umgang mit Müll nahe gebracht. Zu den Aktivitäten gehören außerdem das Säubern der Fluren von Unrat, die Biotoppflege und der Nistkastenbau. Der ökologische Beitrag des Projekts liege in der Sensibilisierung der Kinder für ihre Umwelt im eigenen Dorf. „Man schätzt nur, was man kennt, und man schützt nur, was man schätzt“, meinte der Regierungspräsident bei der Preisverleihung. In einem effizienten und sparsamen Umgang mit den Arbeitsmaterialien liege der ökonomische Beitrag des Projektes. Die Kinder würden lernen, dass dieses Prinzip auch im alltäglichen Leben wichtig und notwendig sei. Ganz herausragend sei der soziale Aspekt: Der ehrenamtliche Zusammenschluss von Eltern führe die Kinder spielerisch an ökologische Themen heran. Das Mitwirken in einer Gruppe ermögliche es ihnen, soziale Kompetenz zu erwerben. Die gemischte Altersstruktur zwischen sechs und 13 Jahren erfordere gegenseitige Rücksichtnahme, wodurch sie wiederum in ihrer Entwicklung profitieren.
Mit dem 2. Preis und einem Preisgeld von 1.000 Euro wird das Projekt „Schwimmbad Schönau“ gewürdigt, das vom Verein „Schwimmbadfreunde Schönau e.V.“ initiiert wurde. Der Verein wurde gegründet, da die Kommune das Freibad aus finanziellen Gründen schließen musste. Inzwischen sind die „Schwimmbadfreunde Schönau e.V.“ auf 240 Mitglieder angewachsen. Durch den Einbau einer Solaranlage zur Erwärmung des Wassers werden pro Jahr rund 12 000 Liter Heizöl gespart. Mit ehrenamtlichem, bürgerschaftlichem Engagement konnte somit eine ehemals kommunale Freizeitinfrastruktur erhalten werden.
Die Attraktivität der Gemeinde als Wohn- und Tourismusort wird gestärkt. Das angegliederte Schwimmbadcafé ließ mehrere Arbeitsplätze entstehen. „Bei der Arbeit am Projekt und beim Betrieb ist die Notwendigkeit einer Gemeinschaftsaktion deutlich geworden. Das Schwimmbad Schönau ist ein Modellprojekt für das Motto „Gemeinschaft macht stark“, hob Dr. Paul Beinhofer hervor.
Ein Preisgeld von 500 Euro erhält als 3. Preis die Kreisgruppe Bad Kissingen des Bund Naturschutz in Bayern e.V. für das Projekt „SINNallianz – Oberes Sinntal/Rhön“. Hierbei handelt es sich um ein umfangreiches Gemeinschaftsprojekt zur Erhaltung und Optimierung eines Fließgewässerlaufs. 30 Hektar angekaufte Uferrandgrundstücke geben der Sinn wieder Raum für typische Strukturelemente wie Kiesbänke, Uferabbrüche, Totholzeinlagerungen, Feuchtwiesen und Auwälder. Dadurch werden auch die Lebensbedingungen für Bachneunauge, Schwarzstorch, Eisvogel und Biber verbessert. Der ökonomische Beitrag des Projekts liegt in der Schaffung von Retentionsräumen zur Verringerung von Hochwasserspitzen. Mit der zusätzlichen Etablierung einer ganzjährigen extensiven Rinderbeweidung auf rund 80 Hektar Projektgebiet bei Eckarts/Wernarz ist ein zukunftsweisendes Projekt zur regionalen Wertschöpfung aus der Landwirtschaft entstanden. Auch der Freizeit- und Erlebniswert des Sinntales wird mit dem natürlichen, dynamischen Gewässerlauf gefördert. Das Projekt, würdigte der Regierungspräsident, stehe für die Zusammenarbeit aller verantwortlichen Behörden und Interessengruppen, der Kommunen, der Landwirte, aller Grundstückseigentümer und großer Teile der Bevölkerung.
Die von der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön ausgereichten Preisgelder dienen der Anerkennung der Projekte und aller beteiligten Akteurinnen und Akteure. Sie müssen von der jeweiligen Projektinitiative innerhalb eines Jahres im Sinne der Idee des Biosphärenreservates Rhön für das konkrete Projekt ausgegeben werden.
Die Preisverleihung nahmen neben Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer auch der Leiter der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Regierungsdirektor Michael Geier, und der stellvertretende Landrat des Landkreises Bad Kissingen, Emil Müller, vor. Musikalisch wurde die Festveranstaltung von Daniel Hansul auf der klassischen Gitarre umrahmt.

26.11.2008

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