Gersfeld - 03.11.2008Biosphärenreservat Rhön

Vielfältige Wasserkraftnutzung in der Fränkischen Rhön

Zu einer Fachexkursion „Mühlen und Wasserkraft“ hatte der Verein Natur- und Lebensraum Rhön e.V. in Kooperation mit dem Landkreis Fulda, Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön, eingeladen. Im vollbesetzten Bus wurden fünf Wasserkraftanlagen unterschiedlicher Art angefahren.

Zunächst stand die Kreuzmühle von Paul Wittmann bei Brendlorenzen auf dem Programm. Mit einer Turbine wird seit 1947 Strom erzeugt, bis 1972 wurde Getreide gemalen. Heute erzeugt die Anlage für etwa 30 Haushalte Strom. In enger Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat und dem Naturschutz wurde ein sehenswertes Umgehungsgerinne gebaut, welches deutlich macht, dass Wasserkraftnutzung und Naturschutz keine Widersprüche sein müssen. Der Müller weis zu berichten, dass inzwischen auch viele Schulklassen gerne die Anlage besichtigen.


Nächstes Etappenziel war die Findelmühle in Wülfershausen. Herr Frauenberger zeigte dem interessierten Fachpublikum eine Wasserkraftanlage, welche eine ehemalige Getreidemühle antrieb und aus zwei Turbinen besteht. Beeindruckend bei dieser Anlage war die neue Steuerungstechnik, welche ehemals eine Ausnutzung der Ressource Wasser ermöglicht. Zwei Generatoren mit 45 kw und 15 kw Leistung sind installiert. Erstaunlich ist das hohe Alter des Mühlenstandortes: Bereits 1293 wurde die Mühle erstmalig urkundlich erwähnt.


Eine deutlich kleinere Anlage ist die Dorfmühle von Oskar Julius in Waltershausen. Die kleine Getreidemühle ist noch im Nebenerwerb im Betrieb. 1930 wurde das Wasserrad gegen eine Turbine ausgetauscht und 1980 generalüberholt. Dabei wurden vor 10 Jahren eine neue Ossberger-Turbine und eine Rechenreinigungsanlage eingebaut. Die Anlage ist eine von vielen kleinen Mühlenanlagen, die auch heute noch am Bachlauf der Mils zu besichtigen sind. Immerhin kann die Anlage mit einer Stromeinspeisung von 60.000 bis 70.000 Kilowattstunden pro Jahr auch einen Beitrag zur regenerativen Energieversorgung liefern. Heute ist die Mühle als „Schaumühle" für Schulklassen und Jugendgruppen ein interessantes Ziel.


Zum Abschluss der Exkursion wurden zwei Mühlenanlagen am Stadtrand von Mellrichstadt angefahren. Nur etwa 150 Meter voneinander entfernt liegen die Eichersmühle und die Burgmühle. Die Eichersmühle ist eine Getreidemühle, die auch heute noch im Vollerwerb betrieben wird. Andreas Wirsing ist inzwischen in der vierten Generation Müller auf der Eichersmühle. 12 Tonnen ist die maximale Tagesleistung. Damit zählt die Anlage noch zu den Kleinmühlen. Nur zum Teil kann die Francisturbine mit ihren 8 kw Leistung den Strombedarf decken. Besonderen Wert legt der Müller darauf, dass er eng mit den Landwirten aus der Region zusammenarbeitet und im Sinne einer regionalen Kreislaufwirtschaft sein Getreide den Bäckereien vor Ort anbietet. Wirsing zeigte deutlich auf, wie rasant der Niedergang der Mühlen in den letzten 100 Jahren war. 1952 gab es noch 38 Mühlenbetriebe im Altlandkreis Mellrichstadt. Heute ist es gerade noch eine einzige Getreidemühle, im gesamten Landkreis Rhön Grabfeld sind es gerade noch drei Anlagen.


Eine Rarität ist das wassergetriebene Sägewerk von Hubert Hahn. Statt einer Turbine dreht sich hier ein Zuppinger-Wasserrad. Auch diese Anlage im denkmalgeschützten Gebäude ist uralt und bereits 1303 erstmalig urkundlich erwähnt. Noch heute ist das Sägegatter, dass Herr Hahn im Nebenerwerb betreibt, fast täglich in Betrieb.


Sorgen machte den Wasserkraftbetreibern 2008 die geringen Wassermengen. Nicht nur die beiden Wasserräder von Hubert Hahn standen im Sommer 2008 häufig still. Dennoch hat Herr Hahn wie auch viele andere Wasserkraftbetreiber in der Rhön in den letzten Jahren investiert. Während ein Wasserrad für den Antrieb des Sägegatters dient, treibt das zweite baugleiche Wasserrad den Generator an und erzeugt Strom. Die Stromerzeugung wurde vom heimischen Mühlenbauer Walter Schuhmann aus Bad Kissingen aufgebaut und technisch optimiert.


Bereits zum 13. mal wurde vom Biosphärenreservat Rhön eine solche Wasserkraft-Busexkursion angeboten und organisiert. Martin Kremer kann inzwischen auf einen festen Teilnehmerkreis verweisen, der sich aus Wasserkraftbetreibern von Thüringen, Franken, Hessische Rhön und Vogelsberg zusammensetzt. Dabei ist dem Veranstalter wichtig, dass die Exkursionen ausreichend Raum zum „Fachsimpeln" und zum „Austausch" bieten. Dies sieht auch Michael Leibold, Wasserkraftbetreiber aus Rönshausen und Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Wasserkraftwerke so. „Die vom Biosphärenreservat Rhön angebotenen jährlichen Exkursionen sind eine einmalige Chance, über den eigenen Tellerrand hinwegzublicken und alternative Lösungsansätze hautnah zu erleben. Weit und breit gibt es keine vergleichbaren Fachveranstaltungen".

03.11.2008

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