Tann/Schlitzenhausen - 31.10.2008Biosphärenreservat Rhön

Ausbau der Wasserkraft in der Rhön

 

Bis zu 40 Prozent höhere Erträge durch technische Optimierung der Wasserkraftanlagen möglich / Ungleichbehandlung bei Vergütung regenerativer Energien

 

TANN-SCHLITZENHAUSEN. Über die Wasserkraftnutzung in der hessischen Rhön informierte in Tann-Schlitzenhausen Martin Kremer, Sachgebietsleiter Biosphärenreservat Rhön beim Landkreis Fulda.

80 Wasserkraftanlagen arbeiten derzeit im Landkreis und in der Stadt Fulda. Sie erzeugen jährlich rund 8,5 Millionen Kilowattstunden, der Bedarf von etwa 2.800 Personenhaushalten. Dabei offenbart eine Studie der Hochschule Fulda, die in Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat erstellt wurde, dass sich nur etwa 30 Prozent der Anlagen im technischen Optimalzustand befinden. Kremer: „Hier schlummern enorme Potentiale. Anhand von Beispielen wissen wir, dass durch heutige Steuerungstechnik und bei effizienter Überholung der Gesamtanlagen bis zu 40 Prozent höhere Stromerträge möglich wären.“

Beklagt wird von den Wasserkraftbetreibern die Ungleichbehandlung bei der Vergütung der regenerativen Energien. Während Wasserkraftbetreiber bislang nur 7,67 Cent beziehungsweise bei ökologisch optimierten Anlagen 9,67 Cent pro Kilowattstunde vergütet bekommen, profitieren Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen durch deutlich höhere Einspeisevergütungen. Zwar wird in Deutschland gegenwärtig rund 30 Prozent des regenerativen Stroms aus Wasserkraft erzeugt, bei der Umsatzverteilung der regenerativen Energien ist die Wasserkraft aber nur mit sechs Prozent vertreten.

Auch das novellierte Energieeinspeisegesetz war Thema des Abends. Dieses regelt ab 1. Januar 2009, das für ökologisch/technisch modernisierte Anlagen eine Aufstockung der Einspeisevergütung auf 11,67 Cent erfolgen kann. Bei Neuanlagen werden 12,67 Cent in Aussicht gestellt. Der Referent warnt allerdings von übertriebener Euphorie. Noch sei nicht klar, welche Anforderungen die Genehmigungsbehörden im Einzelnen stellen würden. Daher sollten vor Beginn etwaiger Renovierungs- beziehungsweise Baumaßnahmen Sondierungsgespräche mit den Behörden und ein Fachgutachten stehen.

Seitens der Zuhörer wurde bemängelt, dass es im Gegensatz zu anderen regenerativen Energien seit mehr als 20 Jahren für die Wasserkraft keine Förderprogramme gebe.

Der Referent machte deutlich, dass dem Biosphärenreservat Rhön sehr daran gelegen sei, die Wasserkraft in der Rhön zu stärken und zu stützen. Allerdings müsse auch versucht werden, im Sinne des Miteinanders von Mensch und Natur die ökologische Situation der Wasserkraftwerke zu verbessern. Im Hinblick auf die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert Kremer die Wasserkraftbetreiber auf, sich aktiv mit dem Bau von Fischtreppen und Umgehungsgerinnen zu beschäftigen. Hier bestehe grundsätzlich die Möglichkeit, über Ersatzmaßnahmen eine Finanzierung vorzunehmen.

31.10.2008

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