Gersfeld - 28.07.2010Biosphärenreservat Rhön

Wassertest der besonderen Art

Slow Food-Mitglieder verkosten Rhöner Quellwasser

FLADUNGEN. Wasser ist nicht gleich Wasser - das ist heute auch Laien klar. Die Geschmacksexperten von Slow Food Deutschland e.V., Convivium Mainfranken-Hohenlohe, wollten es jetzt aber genau wissen. Auf der Sennhütte testeten sie verschiedene Quellwässer und wie sie bei der Weiterverarbeitung Lebensmittel geschmacklich beeinflussen. Eingeladen zu dieser ungewöhnlichen Verkostung hatte das Conviviums-Vorstandsmitglied Michael Geier, hauptberuflich Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön.

Ausgewählt hatte er Wasser aus Trinkwasserfassungen der bayerischen Rhön und des Grabfelds, die in vier verschiedenen geologischen Untergründen liegen: Basalt, Buntsandstein (Trinkwasserversorgung Hohenroth), Muschelkalk (Trinkwassserversorgung Mellrichstädter Gruppe) und Gipskeuper (Wasserzweckverband Nord in Höchheim). Diese geologischen Untergründe sorgen für deutlich unterschiedliche chemische Analysenwerte, aber sind die auch zu schmecken? Das Wasser aus dem Basaltgestein hat Geier direkt aus der hauseigenen Quelle der Sennhütte entnommen, und, um es vorweg zu nehmen, geschmacklich schnitt dieses Wasser am besten ab. Zunächst schmeckten die Conviviums-Mitglieder konzentriert den Eigenarten der einzelnen Wasser hinterher. Das sehr weiche Sennhütten-Basaltwasser nahm die meisten der Tester für sich ein, obwohl die geschmackliche Neutralität vielleicht nicht ganz so spannend wirkte. Leicht süßlich, so urteilten die 15 Anwesenden über das Wasser aus dem Gipskeuper, zwar frischer, aber nicht so lecker wie das Basaltwasser. Beim kühlen Tropfen aus dem Buntsandstein vermeinte mancher, dass er die Zunge belege, und Muschelkalkwasser mutete den Teilnehmern, obwohl es wie die anderen Wasser auch acht Grad zählte, etwas kälter an.
Spannend war die Frage, wie sich diese Unterschiede auf einen schwarzen Tee aus Darjeeling auswirken. Oder auch auf einen Rhöner Mirabellenbrand. Beim Teetrinken geriet das gepriesene Basaltwasser ein wenig ins Hintertreffen. Hier ließen Buntsandstein und Muschelkalk die Geschmackspapillen der Tester aufmerken. Allerdings bildete sich bereits beim Aufkochen des Wassers aus dem Muschelkalk ein dichter feinsandiger Niederschlag, der dann erst gar nicht in die Tasse kam. Aber Birgit und Michael Klingenberg, die Wirte auf der Sennhütte, waren entsetzt, da ihr eigenes Wasser weder „Sedimente" bildet noch Ränder macht. Eine Überraschung auch für Organisator Michael Geier war aber der Effekt der Wasserwahl auf ein und denselben Rhöner Mirabellenbrand. Auch ein 40-prozentiger Alkoholanteil täuschte nicht über den Einfluss des bei der Reduktion verwandten Wassers hinweg. Hier wurde wiederum dem Basaltquellwasser ein leichter Vorsprung gegenüber dem Buntsandsteinwasser zugesprochen; Verlierer war das Keuperwasser; Geier bescheinigte dem entsprechenden Schnaps einen „grausigen Abgang". Alle Teilnehmer zeigten sich überrascht, welch große, deutlich schmeckbare Unterschiede verschiedene Trinkwässer auf typische wasserbasierte Getränke haben können.

28.07.2010

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