Gersfeld - 18.07.2010Biosphärenreservat Rhön

Ausstellung zur Honigbiene wirbt für Öko-Bienen-Region Rhön-Grabfeld

BAD NEUSTADT. Nur noch wenige Tage ist in den Geschäftsräumen der Sparkasse Bad Neustadt in der Meininger Straße eine Ausstellung zur Bedeutung der Honigbiene als Blütenbestäuber zu sehen. Sie ist Teil des Projekts „Öko-Bienen-Region Rhön-Grabfeld". Gerade über die Öko-Bienenhaltung könnten Anreize dafür geschaffen werden, dass sich wieder mehr Imker für die Bienenzucht interessieren, hieß es während der Ausstellungseröffnung.

Der Landkreis Rhön-Grabfeld dokumentiere mit mehreren Projekten seine Naturverbundenheit. „Nun ist auch von einer Modellregion für Ökobienen die Rede, und das begeistert mich", sagte Angelika Zotter, Vorstandsmitglied der Sparkasse Bad Neustadt, als sie zur Eröffnung der Ausstellung zahlreiche Gäste begrüßen konnte. „Die Honigbiene ist wichtig für unsere Ernährung und für den Erhalt unserer Landschaft. Das soll diese Ausstellung herüberbringen", meinte sie. Die Sparkasse unterstütze sehr gerne das Ziel, wieder mehr Bienenvölker anzusiedeln und mehr Imker für biologisch erzeugten Honig zu begeistern.
In den letzten 100 Jahren sei der Bienenbestand in Deutschland um über zwei Drittel zurückgegangen, sagte Prof. Dr. Eckhard Jedicke, Leiter des Projekts „Öko-Bienen-Region Rhön-Grabfeld" der Agrokraft GmbH, welches die bbv-LandSiedlung - Tochter des bayerischen Bauernverbands - umsetzt. Damit sei die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen nicht mehr im notwendigen Umfang sichergestellt, ein sowohl für die biologische Vielfalt als auch für die Erträge in Landwirtschaft und Gartenbau kritischer Punkt. Daher gehe es nicht nur darum, den gegenwärtigen Status quo zu erhalten; sondern in der Tat müsse der Bestand der Honigbiene flächendeckend erhöht werden. „Unsere Landschaften sind heute weitgehend ausgeräumt, auch wenn in der Rhön die Welt diesbezüglich noch einigermaßen in Ordnung ist", meinte Jedicke. Honig sei ein hochwertiges, einzigartiges Nahrungsmittel. Daher müsse es einen angemessenen Preis erzielen, so dass der Imker sein Auskommen hat. Die Umstellung auf biologische Bienenzucht könnte dabei helfen.
Die ökologische Bienenhaltung, betonte er, vertrete klar einen Mehrwert: Bestimmte chemische Mittel dürften zur Bekämpfung der gefürchteten Varroa-Milbe nicht eingesetzt werden. Auch die Flügel der Königinnen würden bei ökologisch zertifizierten Beständen nicht beschnitten; der Bienenstock müsse aus Holz sein und dürfe nur mit bestimmten zugelassenen Anstrichen versehen werden. Die Öko-Bienenzucht passe zur Philosophie des Biosphärenreservats Rhön, schließlich gehe es dabei um die Erprobung einer modellhaften Landschaft.

Über die zertifizierte Ökohaltung der Honigbiene könne klar ein höherer Preis für die Produkte erzielt werden, ist sich Prof. Dr. Eckhard Jedicke sicher. Nur vier Prozent des ökologisch erzeugten Honigs, der in Deutschland verkauft wird, stamme auch aus Deutschland. 96 Prozent würden importiert. „Hier besteht also noch ein Riesenmarkt", meinte der Projektleiter. Die Öko-Bienen-Region Rhön-Grabfeld sei ein Projekt, bei dem viele Akteure zusammen arbeiten müssten: die Imkervereine, der Kreisimkerverband, die Landwirte, die Imker vor Ort, der Bauernverband und die anerkannten Umwelt- und Naturschutzverbände. „Wir müssen uns mit diesem Thema vor allem an die Kinder und Jugendlichen wenden, denn sie sind noch für ihr Leben und den Umgang mit der Natur zu prägen", erklärte Jedicke. Daher sei es eines der Projektziele, Kooperationen zwischen Lehrern und Imkern aufzubauen.

„Ich freue mich über immer mehr blühende Felder", betonte die Kreisvorsitzende des Imker-Kreisverbandes Rhön-Grabfeld, Sonja Heinemann. Außerdem funktioniere die Zusammenarbeit zwischen den Landwirten und den Projektverantwortlichen in der Region sehr gut.

„Das Wissen um die Honigbiene ist ziemlich vernachlässigt worden", sagte Ernst-August Hestermann, Geschäftsführer der BEEgroup aus Würzburg. Die unter Beratung der unterfränkischen Wissenschaftler in Luxemburg entwickelte Ausstellung mache deutlich, wie wichtig die Honigbiene sei. Hestermann, der die Ausstellung nach Bad Neustadt geholt hatte, sprach sich dafür aus, sie auch in den Schulen und in den Gemeindezentren der Region zu präsentieren.
Der Mensch habe schon sehr frühzeitig den Wert der Biene an ihren Produkten wie Honig und Wachs gemessen, erklärte Prof. Dr. Jürgen Tautz von der Universität Würzburg, der auch als Autor bekannt ist und unter anderem ein Buch über das „Phänomen Honigbiene" geschrieben hat. Die eigentliche Bedeutung der Biene, nämlich die Bestäubung der Blühpflanzen, sei erst sehr viel später entdeckt worden. „Aber mit dieser Bestäubungsleistung trägt die Honigbiene zum Erhalt der Artenvielfalt, über die wir heute so oft reden, in entscheidendem Maße bei", sagte Tautz. Darüber hinaus seien 30 Prozent aller Produkte in der menschlichen Ernährung auf diese Bestäubungsleistung zurückzuführen; kein anderes Insekt könne sich in diesem Punkt mit der Honigbiene messen. Der entscheidende Vorteil der Honigbiene im Vergleich zu anderen Insekten sei ihre Blütenstetigkeit. Das bedeute, dass sie beispielsweise nicht von einer Apfelblüte auf eine Wiesenblume fliege, sondern konsequent in einem bestimmten Zeitraum nur eine Blütenart bestäube.

18.07.2010

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