Gersfeld - 28.06.2010Biosphärenreservat Rhön

Vorkommen der Lupine soll eingedämmt werden

WASSERKUPPE. Warum werden die herrlich blau blühenden Lupinen entlang des Wanderwegs um die Wasserkuppe einfach mit Sense und Motorsense abgemäht und müssen anschließend in der Sonne verdorren? Das werden sich dieser Tage bestimmt viele gefragt haben, die dort vorbei gingen. „Hier geht es nicht darum, blindlings schöne Blumen zu beseitigen, sondern unsere Arbeit hat einen ernsten ökologischen Hintergrund", sagt Martin Kremer, Sachgebietsleiter Biosphärenreservat Rhön beim Landkreis Fulda.

Gemeinsam mit weiteren Mitarbeitern der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Mitarbeitern der Naturwacht sowie Freiwilligen des Arbeitskreises Rhönbotanik hatte er sich selbst mit einer Motorsense „bewaffnet", um den Lupinen zu Leibe zu rücken. „Die Lupine ist keine heimische Art, sondern stammt aus den Rocky Mountains in Amerika. Sie wurde früher bewusst in unserer Gegend angesiedelt, um durch sie zu einer Verbesserung des Bodens zu kommen", erklärt Uwe Barth vom Arbeitskreis Rhönbotanik. Die Lupine besitze Knöllchenbakterien, die in der Lage sind, den Stickstoff aus der Luft zu binden und für die Pflanze verfügbar zu machen. „Das erklärt auch, warum die Lupine so kräftig wächst und damit leider andere Arten verdrängt", meint Barth. Gerade auf kargen Böden könne sich die Lupine sehr gut ausbreiten und damit ihre Konkurrenten verdrängen. „Wenn sich die Lupine in unseren wertvollen Borstgrasrasen breit macht, dann verändert sich dort zwangsläufig die Situation. Viele Pflanzen, die geschützt und sehr selten sind, haben dann keine Chance mehr. Deshalb wollen wir das Lupinenvorkommen eindämmen. Ganz beseitigen werden wir sie nicht können - und das wollen wir ja auch gar nicht", erläutert Barth.

„Die Lupine hat in den letzten Jahrzehnten so überhand genommen, dass wir um unsere Arnika und andere seltenen Pflanzen wie die Teufelskralle oder das Wiesenschaumkraut bangen müssen", sagt Martin Kremer. Hinzu komme, dass die Wasserkuppe ein wichtiges Trinkwassereinzugsgebiet sei. Je mehr Lupinen sich dort ansiedeln, desto höher werde die Gefahr, dass Nitrat ins Quellwasser gelange. „Und allein das ist ein ausschlaggebender Punkt nicht nur für uns als Verwaltung des Biosphärenreservats, sondern für alle Kommunen, etwas gegen die Ausbreitung dieser Pflanze zu tun", gibt Kremer zu bedenken.

Durch regelmäßige Mahd könne es der Mensch schaffen, die Lupine zurückzudrängen, erklärt Uwe Barth. Wichtig sei der Schnitt zur jetzigen Zeit, bevor sich an der Pflanze Samen bilden. Dann müsse noch einmal im August gemäht werden. Bisherige Studien hätten gezeigt, dass auf diese Weise die Bestände der Lupine nach fünf Jahren auf 10 bis 20 Prozent zusammenschrumpfen.
„Unsere Pflegemaßnahmen bezüglich der Lupine sind auch durchaus im Interesse der Landwirtschaft. Für das Vieh ist sie nämlich unbrauchbar. Daher müssen wir verhindern, dass sie weitere Flächen besiedeln kann", stimmen Barth und Kremer überein. Auch am Weiherberg seien in den letzten Wochen Lupinen gemäht worden, da es dort sehr wertvolle Bestände der Silberdistel gibt. Allerdings sei der Schutz der naturschutzfachlich bedeutsamen Flächen vor einer Besiedlung mit der Lupine in Zukunft nur unter Einbeziehung der jeweiligen Kommunen und mit Freiwilligen machbar, fügt Kremer hinzu. „Deshalb bin ich auch sehr froh, dass sich der Arbeitskreis Rhönbotanik spontan dazu bereit erklärt hat, hier an der Wasserkuppe zu helfen."

28.06.2010

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