Gersfeld - 28.06.2010Biosphärenreservat Rhön

Mit der Seilbahn auf die Wasserkuppe?

Die Schüler der Rudolf-Steiner-Schule in Künzell beschäftigten sich eine Woche lang mit dem Management im Biosphärenreservat Rhön - und zwar als Blick in die Zukunft ins Jahr 2020. Das Projekt „Juniormanager für Naturschutz" ist eine Initiative der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und richtet sich an die Jahrgangsstufen 9 bis 12 an Schulen verschiedener Regionen. Ihre Ergebnisse präsentierten die Schüler auch im Beisein von Vertretern der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön.

KÜNZELL. Der Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Otto Evers, staunte nicht schlecht, über was sich die Schülerinnen und Schüler der Rudolf-Steiner-Schule in Künzell so alles Gedanken gemacht haben, wie das Biosphärenreservat Rhön im Jahr 2020 aussehen könnte. Vor allem mit der Wasserkuppe und ihrer für die Natur positiv ausfallenden Gestaltung haben sie sich innerhalb des Projekts „Juniormanager für Naturschutz" beschäftigt, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt angeboten worden war.

Die Initiative „Juniormanager für Naturschutz" macht sich zusammen mit Schule auf die Suche nach innovativen Konzepten für einen nachhaltigen Naturschutz. Dafür verlegen die Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Schule ihr Klassenzimmer für fünf Tage in das Schutzgebiet, um direkt vor Ort Ideen für ein zukunftsfähiges Management des Schutzgebiets zu entwickeln.

Welche Herausforderungen bringt die Welt von morgen mit sich und was bedeutet das für das Management von Schutzgebieten? Wie wird Arten- und Naturschutz schon heute praktisch umgesetzt? Welche Aufgaben übernimmt die Schutzgebietsverwaltung dabei und welchen Einfluss hat die Öffentlichkeit auf den Erfolg des Managementplans? Und: Was ist überhaupt Nachhaltigkeit? Diesen und anderen Fragen gehen Schülerinnen und Schüler auf den Grund. „Juniormanager für Naturschutz" ist eine Initiative der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und richtet sich an Schülerinnen und Schüler aller Schultypen der Jahrgangsstufen neun bis zwölf. Dabei erhalten die Jugendlichen eine Woche lang Einblick in das Management von Großschutzgebieten oder Stadtregionen.

Schutzgebietsmanagement - das ist gar nicht so einfach: wirtschaftliche Interessen müssen mit sozialen und ökologischen Anforderungen unter einem Dach vereint werden - um heute schon an morgen zu denken. Das lernen die Schüler, indem sie im Laufe der Projektwoche selbst in verschiedene Rollen schlüpfen: von der Schutzgebietsverwaltung über Pressevertreter bis hin zum besorgten Anwohner. Sie debattieren, tauschen sich aus und erarbeiten gemeinsam Maßnahmen für ein nachhaltiges Schutzgebietsmanagement. Die Ergebnisse dieser spannenden Tage stellen die Jugendlichen dann am Ende der Woche auf der „Schutzgebietskonferenz - Heute schon an morgen denken" den Vertretern des Schutzgebietes und Gästen vor und diskutieren sie mit ihnen.

Während der Projektwoche im Biosphärenreservat Rhön hatten vor allem die beiden Ranger Hubert Stumpf und Hubert Heger den Jugendlichen Rede und Antwort gestanden. Zur Ergebnispräsentation waren sie gemeinsam mit Otto Evers gekommen. „Wir sind schon neugierig darauf, welche Vorschläge sie mitgebracht haben, und ob das eine oder andere vielleicht sogar umsetzbar ist", meinte der Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön. Unter anderem hatten sich die Schülerinnen und Schüler die Hackschnitzelheizung in Poppenhausen-Sieblos, den Regionalladen auf der Wasserkuppe und die Kernzone am Schafstein angeschaut. Informationen gab es für sie auch zu den Themen Rhöner Biosphärenrind und Rhöner Bachforelle. „Sie haben in diesen Tagen gewissermaßen Verwaltungsstelle gespielt. Bemerkenswert finde ich, dass sie sich sehr viele Gedanken um die Wasserkuppe gemacht haben", schätzte Evers ein.

„Wir haben in den letzten Tagen gemeinsam Konzepte für die Zukunft bis ins Jahr 2020 entwickelt", sagte die Moderatorin der Projektwoche, Dr. Christa Fischer. Sie ist in einem Bensheimer Beratungsbüro tätig. „Die Hauptfrage war: Wie kann man in das Biosphärenreservat Rhön auch im Jahr 2020 Menschen hereinholen und dieses Biosphärenreservat trotzdem naturverträglich gestalten."
Die Schülerinnen und Schüler der Rudolf-Steiner-Schule haben sich unter anderem Gedanken über Lebensraumpatenschaften gemacht. „Städter bekommen beispielsweise ein Stückchen Wald in der Rhön und können sich dort betätigen", nannte ein Jugendlicher ein Beispiel. Diese aktive Einbindung fördere die Identität mit dem Biosphärenreservat Rhön.

Eine andere Idee ist der Aufbau einer Solarseilbahn zur Wasserkuppe, um den Individualverkehr auf dem höchsten Berg Hessens einzudämmen. Im Jahr 2020 könnte es auch, wenn es nach der Rudolf-Steiner-Schule geht, Fast-Food-Stationen mit regionalen Produkten, beispielsweise an gut frequentierten Wanderwegen, geben. Über das Internet, so ein weiterer Vorschlag, könnte moderne jugendliche Kleidung für das Biosphärenreservat Rhön verkauft werden.
Eine Idee geht sogar von einem totalen Fahrverbot auf der Wasserkuppe aus. „Es gibt dort einen erheblichen Parkplatzmangel, Verkehrsstaus und eine hohe Kohlendioxid-Emission. Besser wäre es, Pendelbusse von Ehrenberg, Poppenhausen und Gersfeld einzurichten, die entweder mit Wasserstoffzellen oder Rapsöl funktionieren", hieß es während der Präsentation. Zur praktischen Ausführung dieses Vorschlags, auch das klang während der Präsentation an, wird es aber wahrscheinlich nicht kommen: In den genannten Kommunen müssten dann große Parkflächen geschaffen und damit wertvolle Grünflächen versiegelt werden.

Für Otto Evers ist eine Vielzahl der vorgestellten Projekte durchaus überdenkenswert, wie er nach der Präsentation und Diskussion zu verstehen gab. „Insbesondere die Seilbahn sollte man in den Rahmen der Möglichkeiten einbeziehen, wenn es um die Neugestaltung der Wasserkuppe im Rahmen des Masterplans Wasserkuppe geht", sagte Evers.

28.06.2010

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