Gersfeld - 31.05.2010Biosphärenreservat Rhön

Die Geheimnisse der Rhöner Quellen ein wenig gelüftet

HILDERS. Was kreucht und fleucht eigentlich in unseren Rhöner Quellen - und warum ist der Erhalt von Quellen so wichtig? Diese und andere Fragen beantworteten den Mädchen und Jungen der Klasse 7 Rb der Mittelpunktschule Hilders jetzt beim Quellen-Aktionstag die Vertreter von Hessen-Forst, des Biosphärenreservats Rhön, des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung Hessen und des Vereins RhönNatur e.V.

Der Quellen-Aktionstag fand im Rahmen des „Jahrs der Biodiversität" statt, zu dem die Vereinten Nationen das Jahr 2010 ausgerufen haben. Bewusst hatten die Veranstalter den Auersberg bei Hilders dafür ausgewählt. „Hier gibt es schätzungsweise 250 bis 300 Quellen; 202 davon haben wir bisher untersucht", meinte Stefan Zaenker vom Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen.
„Jedes Jahr schrumpfen die Wälder weltweit um rund 13 Millionen Hektar. Das ist ein Drittel der Fläche von Deutschland. Viele Arten gehen so verloren", sagte Frank Scheler, Landesbetriebsleitung Hessen-Forst. In Deutschland habe vor vielen Jahren ein Umdenken eingesetzt. „Bei uns werden die Wälder immer naturnaher. Wir gehen weg vom Fichtenforst. In Hessen besteht die Hälfte der Waldfläche inzwischen aus Laubbäumen", sagte Scheler. Das Durchschnittsalter der Buche betrage in Hessen 99 Jahre. „Der Wald ist in Deutschland der artenreichste Lebensraum. Arten, die es nicht mehr gab, kehren inzwischen zurück, beispielsweise die Wildkatze, der Luchs oder der Wolf", nannte Scheler Beispiele. Es gebe auch wieder viele Fledermäuse in den Wäldern, und mit 80 Brutpaaren habe der Schwarzstorch in Hessen seine höchste Brutdichte in ganz Deutschland. „Wir von Hessen-Forst wollen, dass diese Entwicklungen so bleiben. Deshalb hat seit diesem Jahr jedes Forstamt eine Artenpatenschaft übernommen", erklärte Scheler. Im Einzugsbereich des Forstamts Hofbieber betreffe dies die Mopsfledermaus und die Quellen.
In den Wäldern der Rhön wie am Auersberg bei Hilders gebe es viele natürliche Quellen und Bäche, erläuterte der Leiter des Forstamts Hofbieber, Adalbert Fischer. Quellen seien zugleich die gefährdetsten Lebensräume. „Wir wollen daher versuchen, dass wir nicht mit Traktoren durch Quellgebiete fahren, dass wir keine Kahlschläge anlegen und dass wir keine Nadelbäume im Einzugsbereich einer Quelle haben, weil sich dadurch die Zusammensetzung des Wassers ändert", sagte Fischer. Das Forstamt habe in der Rhön speziell die Patenschaft für die Rhönquellschnecke übernommen, denn diese Art gebe es nur in der Rhön und in einzelnen Bereichen des Vogelsberges.
„Wir freuen uns darüber, dass sich Flächenbewirtschafter und Flächenverwalter dem Quellenerhalt verschrieben haben", hob der Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Otto Evers, hervor. „Wachstum ist nur dort möglich, wo gesundes Wasser vorhanden ist. Das ist ähnlich wie das Blut in unseren Adern", meinte er. Das Wasser im Boden sei einer der besonderen Lebensräume. „Das Biosphärenreservat Rhön hat vor etlichen Jahren schon erkannt, dass diese Lebensräume sehr wichtig sind und hat deshalb eine groß angelegte Quellenkartierung in Auftrag gegeben." Das Beste, was man dem Lebensraum Quelle angedeihen lassen könne, sei, ihn in Ruhe zu lassen. Das Biosphärenreservat Rhön unterstütze daher auch finanziell die Renaturierung von Quellen.
„Quellen sind Schnittstellen zwischen dem unterirdischen und dem oberirdischen Lebensraum", sagte Zaenker. Anhand von Bildern stellte er die Bewohner Rhöner Quellen vor, darunter die Rhönquellschnecke, der Höhlenflohkrebs oder die Bachschwinde. Auch der Alpenstrudelwurm, der Vielaugenstrudelwurm und Wassermilben sind hier anzutreffen. Im Anschluss an die Theorie konnten sich alle selbst davon überzeugen, wie viel Leben eine Rhöner Quelle zu bieten hat.

31.05.2010

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