Gersfeld - 31.05.2010Biosphärenreservat Rhön

Einkommens- alternativen durch landwirtschaftliche Energienetzwerke

DIPPERZ. Auf Einladung des Biosphärenreservats Rhön trafen sich die Bürgermeister der Hessischen Rhön in Dipperz, um sich über landwirtschaftliche Energienetzwerke zu informieren. Als Referent war Matthias Klöffel, Kreisobmann im Kreis Rhön-Grabfeld und Geschäftsführer der Agrokraft GmbH Bad Neustadt, eingeladen. Vor dem Hintergrund der garantierten Einspeisevergütungen bei regenerativen Energien, dem landwirtschaftlichem Strukturwandel und dem Boom der Fotovoltaik- und Biogasanlagen warb Klöffel für intelligente Gemeinschaftslösungen.

Nach Klöffels Wahrnehmung zeichnen sich für den ländlichen Raum drei Finanzierungsmodelle ab: entweder schultern ein, zwei oder drei Landwirte als GbR ein Großprojekt wie z. B. eine Biogasanlage oder eine Fotovoltaikanlage. Dabei geht der Finanzbedarf in der Regel in die Millionen und führt zu einer erheblichen Verschuldung. Eine bessere Alternative sind Bürgeranlagen, welche den beteiligten Landwirten ein zusätzliches Standbein eröffnen, aber ohne dass sie unkalkulierbare Risiken eingehen. Auch haben diese Anlagen den Reiz, dass alle interessierten Bürger eines Dorfes finanziell beteiligt werden können, eine angemessene Verzinsung erhalten und damit die Akzeptanz für Energieprojekte in den Dörfern steigt.
Die schlechteste Lösung ist laut Klöffel, den bestehenden Markt der regenerativen Energien überregionalen Investoren zu überlassen, die deutlich wahrnehmbar in die ländlichen Regionen drängen, um hier Gewinne abzuschöpfen. Klöffel wirbt bei den Bürgermeistern, sich insbesondere für Bürgeranlagen, sei als GmbH oder als Genossenschaft, einzusetzen. Dabei hat Klöffel durchaus konkrete Beispiele vorzuweisen. Die Bioenergie Bad Königshofen GmbH und Co.KG hat durch Beratung der Agrokraft eine Biogasanlage realisiert, an der sich 36 Landwirte beteiligen. Die anfallende Wärme dient zur Beheizung des Heilwassersees der Bad Königshofener Therme nebenan. Nach der gleichen Systematik wurde auch in Mellrichstadt eine Biogasanlage entwickelt, an der alle örtlichen Landwirte beteiligt sind und welche die örtliche Mälzerei mit Wärme versorgt. Ebenfalls von der Agrokraft konzeptioniert werden Fotovoltaikanlagen. So konnte durch ein Genossenschaftsmodell dem Sportverein Großbardorf ein Tribünendach, ausgestattet mit Fotovoltaikanlagen, finanziert werden. Landwirte, die ihre Stallgebäude für Fotovoltaiknutzung zur Verfügung stellen möchten, empfiehlt Klöffel ebenfalls die genossenschaftliche Lösung, welche den Landwirten angemessene Mieten garantiert. Zur Realisierung solcher Projekte werden in der Fränkischen Rhön Friedrich-Wilhelm Raiffeisen-Energie-Genossenschaften gegründet. Ein Konzept, dass auch in der Hessischen Rhön Anwendung finden könnte.
Klöffel macht deutlich, dass enorme Gelder und Vermögen im ländlichen Raum schlummern. Das jährliche Geldbildungsvermögen in den einzelnen Landkreisen geht in die Millionen. Allerdings fließt ein Großteil des Geldes für überregionale Investments ab. Klöffel wirbt dafür, diese Gelder im ländlichen Raum zu halten. Ein Weg, von dem auch die Kommunen profitieren können, sind die Raiffeisen-Energie-Genossenschaften, mit deren Hilfe regionales Sparvermögen transparent und lokal investiert werden kann.
Zwischen Biosphärenreservat Rhön und der Agrokraft GmbH wurde laut Martin Kremer vom Biosphärenreservat Rhön ausgehandelt, dass interessierte Initiativen der Hessischen Rhön sich durch die Franken beraten lassen können. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Projekts „Biosphärenreservate - Modellregionen für Klimaschutz und Klimaanpassung" des Bundesamtes für Naturschutz und des Bundesumweltamtes.

31.05.2010

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