Zella - 31.05.2010Biosphärenreservat Rhön

Schutzgebiete und ihre Einstufung nach internationalen Kategorien

ZELLA. Ein Workshop im Thüringer Teil des Biosphärenreservats Rhön beschäftigte sich jetzt mit den Schutzgebietskategorien der International Union for the Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN). Diese internationale, halbstaatliche Naturschutzorganisation mit Sitz in der Schweiz hat sich die Koordination des weltweiten Naturschutzes zur Aufgabe gemacht und will mit den derzeit bestehenden sechs „internationalen Schutzgebietskategorien" ein System mit weltweit vergleichbaren Kriterien entwickeln.

Der Workshop fand auf Initiative von Europarc Deutschland e.V., der Dachorganisation der Nationalen Naturlandschaften, statt, zu denen die deutschen National- und Naturparke sowie die Biosphärenreservate gehören. Unterstützt wurde die Tagung durch das Bundesamt für Naturschutz und durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
In der Entwicklung des weltweiten Naturschutzes kam es in der Vergangenheit zu einer großen Fülle von verschiedenen nationalen Schutzgebietstypen, die einem ganz unterschiedlichen Management unterliegen können. Dies führte auch zu einer großen Zahl an verschiedenen Bezeichnungen und Definitionen für Schutzgebiete. Allein in Europa existieren mehr als 90 verschiedene Kategorien. Aus diesem Grund lässt sich kaum genau sagen, wie groß die weltweit unter Schutz stehende Fläche wirklich ist und wie sie geschützt wird. Die 2008 überarbeiteten und verfeinerten IUCN-Managementkatagorien für Schutzgebiete sind weltweit Grundlage für die Einordnung und Meldung der Schutzgebiete, die jeder Staat auch im Rahmen der Konvention über die Biologische Vielfalt zu leisten hat.
Für Deutschland kam bei der Umsetzung dieses von der IUCN verfeinerten Kategoriensystems erschwerend hinzu, dass es bislang keine Übersetzung gab. Das hat sich jetzt geändert. „Wir haben diese Übersetzung Europarc Deutschland in Auftrag gegeben. Inzwischen liegt sie vor und wird anhand deutscher Beispiele umfassend erläutert. Das hilft allen, die mit dem Naturschutz befasst sind", sagt Dr. Volker Scherfose, Leiter Gebietsschutz und Großschutzgebiete im Bundesamt für Naturschutz. Die Kriterien für die einzelnen Kategorien seien seitens der IUCN so gefasst worden, dass sie auch den nationalen Bedingungen Rechnung tragen können. „Wenn ein Schutzgebiet mehrere Zwecke erfüllen soll, so müssen mindestens drei Viertel des Gebietes dem vorrangigen Management-Ziel dienen, um einer bestimmten Kategorie zweifelsfrei zugeordnet werden zu können ", erläutert Scherfose.
Im Oktober 2010 werde die 10. Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen für die biologische Vielfalt im japanischen Nagoya stattfinden, sagt Martin Waldhausen, Referatsleiter im Bundesumweltministerium und Vorsitzender des deutschen Nationalkomitees für das Programm der UNESCO „Der Mensch und die Biosphäre". Derzeit habe Deutschland noch die Präsidentschaft dieser Vertragsstaatenkonferenz inne. „Deshalb ist es auch unser Ziel, diesen internationalen Abgleich zwischen den Schutzgebieten voranzubringen und unsere Schutzgebiete in das Kategoriensystem der IUCN einzuordnen." Der Workshop in Zella habe in dieser Hinsicht für die deutschen Schutzgebiete viel gebracht, schätzt Waldhausen ein.
„Als Dachorganisation der Nationalen Naturlandschaften geht es uns darum, den einzelnen deutschen Großschutzgebieten gezielt Informationen über die sechs Schutzgebietskategorien der IUCN und ihre Umsetzung zu geben", erklärt Holger Wesemüller, stellvertretender Vorsitzender von Europarc Deutschland e.V. Bislang hätten in Deutschland alleine die Nationalparks von der Einordnung in die IUCN-Managementkategorien profitiert.
Zur 10. Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen für die biologische Vielfalt wolle Europarc über seine Mitglieder gezielt Arbeitspunkte aus deutscher Sicht einbringen, kündigt Wesemüller an. Ein Problem weltweit sei die nachhaltige Finanzierung von Schutzgebieten, wozu auch die personelle Ausstattung gehöre. In Deutschland gebe es in dieser Hinsicht gerade bei einigen Biosphärenreservaten und vor allem den Naturparks Nachholbedarf, sagt Dr. Volker Scherfose.
Der Leiter der Thüringer Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Karl-Friedrich Abe, bezeichnet den Workshop zu den IUCN-Schutzgebietskategorien als wegweisend für die Nationalen Naturlandschaften. „Es war sehr wichtig, dass auch das Bundesamt für Naturschutz und das Bundesumweltministerium diesen Workshop begleitet haben", hebt er hervor.

31.05.2010

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