Gersfeld - 31.03.2010Biosphärenreservat Rhön

Bärlauch – ein Wildkraut mit Knoblaucharoma- Sammeln in Naturschutzgebieten tabu!

Mit dem Verschwinden des letzten Schnees in den Hochlagen der Rhön zeigt sich erstes frisches Grün. Zu den Frühlingsboten in den Rhöner Laubwäldern zählt auch der Bärlauch, der auf feuchte, nährstoffreiche Böden angewiesen ist. Der Rhönbotaniker Uwe Barth und das Biosphärenreservat Rhön informieren zu Beginn der Bärlauchsaison über das beliebte Gewürz- und Heilkraut. Genutzt werden die frischen grünen Blätter vor der Blütezeit von April bis Ende Mai. In der Rhön ist der Bärlauch nicht häufig und meist nur kleinflächig anzutreffen. Viele der Vorkommen liegen in Schutzgebieten, wo generell nicht zum Schutze der Pflanzen gesammelt werden darf.

Martin Kremer, Sachgebietsleiter Biosphärenreservat Rhön, macht darauf aufmerksam, dass nach § 41 des Bundesnaturschutzgesetzes der Bärlauch auch außerhalb der Schutzgebiete einen Mindestschutz genießt. Es ist untersagt, „ohne vernünftigen Grund wild lebende Pflanzen von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten" so wie deren „Lebensstätten zu beeinträchtigen oder zu zerstören". In den letzten Jahren kam es zu Konflikten, weil die Nachfrage in der Region groß ist, das Angebot an wildem Bärlauchvorkommen in den Wäldern dagegen gering. Wiederholt wurden kleine Bärlauchvorkommen, teilweise für kommerzielle Verwendung, stark abgeerntet und dadurch der Bestand dezimiert.

Barth macht deutlich, dass es nicht angehen kann, dass Bärlauch flächig abgemäht wird. Dies begründet er nicht nur mit dem Schutz der Pflanzen an sich, sondern auch mit dem Schutz des Konsumenten. Immer wieder gab es in der Vergangenheit in Deutschland tödliche Vergiftungen, weil Bärlauch mit giftigen Doppelgängern wie etwa der Herbstzeitlose, dem Aronstab oder dem Maiglöckchen verwechselt und verzehrt wurde. Bei Wildvorkommen kann nie ausgeschlossen werden, dass andere Pflanzen, vielleicht auch giftige, zwischen den Bärlauchblättern wachsen. Deshalb muss sehr sorgfältig und mit Kenntnis gesammelt werden.

Biosphärenreservat Rhön und Rhönbotaniker stimmen überein, dass Menschen, die Bärlauch sammeln möchten und die Pflanze sicher erkennen, dies in kleinen Mengen für den eigenen Haushalt auch tun sollten, selbstverständlich außerhalb von Naturschutzgebieten.

Für eine Sammeltätigkeit im größeren Umfang bedarf es der Genehmigung des Grundeigentümers und der Naturschutzbehörde. Wird das gesammelt Kraut verkauft, so liegt eine gewerbliche Tätigkeit vor, die zusätzlicher Genehmigungen und eines Gewerbescheins bedarf.

Der Biologe appelliert an die Bärlauchfreunde, möglichst nur pro Pflanze ein Blatt zu ernten und keinesfalls Zwiebeln auszugraben, um die Bestände zu schonen. Er verweist darauf, dass inzwischen auf gute Produkte des Gartenhandels zurückgegriffen werden kann. Bärlauch lässt sich vergleichsweise leicht kultivieren, was u. a. auch bereits für kommerzielle Zwecke erfolgreich praktiziert wird. Voraussetzung für ein üppiges Gedeihen ist ein humus- und nährstoffreicher Boden mit viel Feuchtigkeit und Beschattung. Trockenheit und Sonne mag der Waldknoblauch nicht. Für den Anbau im Garten ist wichtig, dass die Samen so genannte Kältekeimer sind, d. h. eine Frostperiode erlebt haben müssen. Bedeutsam ist die vegetative Vermehrung durch Tochterzwiebeln. Diese trägt zu einer raschen Vermehrung bei, vorausgesetzt dass der Standort passt.

 

Ausdrücklich verweist das Biosphärenreservat Rhön darauf, dass ein Ausgraben der in Frost sicherer Tiefe sitzenden Zwiebeln in der freien Natur verboten ist.

 

Die Naturwacht des Biosphärenreservats ist in den nächsten Wochen angehalten, die Bärlauchbestände in den Schutzgebieten regelmäßig zu kontrollieren.

31.03.2010

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