Gersfeld - 03.03.2010Biosphärenreservat Rhön

Lang gehegter Wunsch wird wahr

SCHÖNAU. Es war schon immer ihr Wunsch, für eine gewisse Zeit nach Afrika zu gehen und sich dort in einem sozialen Projekt zu engagieren. Jetzt ist es so weit: Anna Lena May aus Schönau an der Brend wird ein dreimonatiges Praktikum im südafrikanischen Partnerbiosphärenreservat „Kruger to Canyons" absolvieren.

„Ich wollte das schon seit meiner frühen Jugend", erzählt die 24-Jährige, die in einem tegut...-Markt in Bad Neustadt stellvertretende Filialleiterin ist und gemeinsam mit ihrem Freund in Schönau an der Brend wohnt. „Aber es war nicht möglich. Erst einmal kam die Ausbildung, dann die Weiterbildung und die Arbeit." In den vergangenen Monaten hatte sie sich immer wieder bei verschiedenen Hilfsorganisationen beworben, die in Afrika vor Ort aktiv sind. Doch da hätte es nur die Möglichkeit eines Jahresaufenthalts gegeben - „und das war mir zu lang. Ich bin seit sieben Jahren mit meinem Freund zusammen, und ich habe eine Arbeit, die mir große Freude bereitet. Beides würde ich nie aufgeben wollen", sagt Anna-Lena May.

Über ihren Vater, der Bio-Landwirt in Junkershausen ist, sowie Jens und Ulrike Lillienbecker aus Hermannsfeld kam schließlich der Kontakt mit der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön zustande, die bekanntlich mit dem südafrikanischen Biosphärenreservat „Kruger to Canyons" eine Partnerschaft unterhält. Schon der erste Anruf der stellvertretenden Leiterin der Verwaltungsstelle, Dr. Doris Pokorny, stieß bei den Südafrikanern auf große Freude. „Sie haben sich sofort gekümmert, eine sinnvolle Möglichkeit zu finden, um Anna-Lena May in ein konkretes Projekt einzubinden", berichtet Dr. Doris Pokorny.

Inzwischen hat Anna-Lena May auch das Visum für Südafrika, denn sie möchte ihren Aufenthalt von drei auf vier Monate verlängern. Dieses Visum zu bekommen, war eine der größten Herausforderungen der vergangenen Wochen für die junge Frau. Auch hier halfen die Südafrikaner, wo sie konnten. Ihr Arbeitgeber tegut... habe das Anliegen, für eine gewisse Zeit in Afrika soziale Hilfe und Unterstützung zu leisten, von Anfang an unterstützt. „tegut... hatte dafür zu jeder Zeit ein offenes Ohr", sagt sie.

„Ich glaube, dass es uns trotz Krise und vieler Schwierigkeiten immer noch recht gut geht. Aber es gibt Länder, die wirklich dringend auf Hilfe  verschiedenster Art angewiesen sind. Das gilt auch für Südafrika", meint Anna-Lena May. Dr. Doris Pokorny kann diese Aussage nur unterstützen: „Südafrika ist kein Sozialstaat. Das soziale Engagement wird oftmals von der Privatwirtschaft organisiert. Die Privatwirtschaft ist es, die damit soziale Verantwortung übernimmt." Eine Initiative nennt sich „Hlokomela" und wird von insgesamt 49 Farmen im Biosphärenreservat „Kruger to Canyons" getragen. Hierbei geht es besonders um die Verbesserung der sozialen Bedingungen für die in der Saison bis zu 8 500 beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Unter anderem betreiben die Farmen ein Gesundheitszentrum. Krankheiten wie HIV (Aids) oder Tuberkulose sind Schwerpunkterkrankungen. „Es geht um die Pflege, um die Behandlung, aber vor allem um die Prävention bis hin zum Bereich der gesunden Ernährung", erläutert Dr. Doris Pokorny.

Unter anderem gibt es einen großen Öko-Kräutergarten, der an eine Zitrusfarm angeschlossen ist. Arbeiter mit gesundheitlichen Problemen werden zum einen regelmäßig kostenfrei mit diesen (Heil-)Kräutern und mit frischem Gemüse versorgt, zum anderen wird ein Teil der Ernte vermarktet, um wieder Geld in das Projekt investieren zu können. Hinzu kommen Bildungsprogramme für eine gesunde Ernährungs- und Lebensweise für die Arbeiter und Arbeiterinnen, die während der Saison oftmals viele Monate von ihren Familien entfernt auf den Farmen leben. Auch geht es um Anregungen zur sinnvollen Freizeitgestaltung, in erster Linie um gemeinsamen Sport und gesunde Bewegung. „In diesem komplexen Projekt werde ich mitarbeiten, und ich freue mich darauf", sagt Anna-Lena May. Die Absprachen mit den Kollegen in Südafrika beinhalten auch, dass sie konzeptionelle Arbeit leistet, um das Projekt inhaltlich weiter zu entwickeln und möglicherweise sogar eine Kooperation mit dem im thüringischen Hermannsfeld ansässigen Catering „Wild & Grün" zu erreichen, das von Jens und Ulrike Lilienbecker betrieben wird.

Eine Lodge im Biosphärenreservat „Kruger to Canyons" hat von Anfang an angeboten, dass Anna-Lena May dort kostenlos wohnen kann. Denn den Aufenthalt in Südafrika und die Flüge muss sie aus eigener Tasche bestreiten. Eine Förderung, etwa durch die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (gtz), gibt es bei diesem Praktikum nicht.

„Ich freue mich nicht nur auf die Arbeit in Südafrika und auf den Kontakt mit den Menschen, sondern auch darauf, die Unberührtheit der Natur erleben zu können, die Weite des Landes", meint Anna-Lena May. Das, so ergänzt sie, werde ein Stück Selbstfindung für sie sein. Auch sportlich will sie sich betätigen, denn sie spielt gerne Fußball.

Freunde von Anna-Lena May wollen sich auch aktiv an ihrem Vorhaben beteiligen. So planen die Partyorganisatoren Freibeweglich. e.V. aus Wargolshausen und die Effect-Crew aus Schönau, eine südafrikanische Frauenfußballmannschaft im Biosphärenreservat „Kruger to Canyons" mit einem kompletten Trikotsatz zu unterstützen. In Kooperation wollen sie dem Frauen-Team helfen und scheuen dafür auch keine Kosten und Mühen. Anna-Lena May wird den Frauen diese Trikots überreichen. „Vor allem weil die Fußball-WM in Südafrika stattfindet, ist es eine tolle Sache meiner Freunde", freut sich die Schönauerin. Dass sich junge Leute für Kinder in Afrika einsetzen, ist ihrer Meinung nach keine Selbstverständlichkeit.

Die Entscheidung, das Praktikum um einen Monat zu verlängern, war letztlich auch der Tatsache geschuldet, dass im Juni die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika beginnt. „Diese Stimmung und Begeisterung direkt vor Ort zu erleben, stelle ich mir unbeschreiblich vor", schwärmt Anna-Lena May schon jetzt.

Am 4. März wird  in Frankfurt ihr Flieger gen Südafrika abheben. Dass sie bereits sehnsüchtig und neugierig erwartet wird, hat sie aus dem Newsletter des Biosphärenreservats „Kruger to Canyons" erfahren. Dort wurde nämlich schon vor einiger Zeit angekündigt, dass der Austausch zwischen den beiden Biosphärenreservaten weitergeht. „Der Aufenthalt von Anna-Lena May ist ein weiterer kleiner Baustein", meint Dr. Doris Pokorny. „Unsere Beziehung wird von der Basis her getragen. Das ist das Besondere und das Wichtigste. Voneinander lernen geht nur über den persönlichen Kontakt und nur dadurch, dass dieser Kontakt gewollt ist. Dass die Südafrikaner sich so über den bevorstehenden Austausch freuen und diesen ermöglichen, zeigt uns, dass diese Partnerschaft aktiv und lebendig ist", hebt die stellvertretende Leiterin der bayerischen Verwaltungsstelle hervor.

03.03.2010

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