Gersfeld - 03.03.2010Biosphärenreservat Rhön

Hessische Rhön mit Konzept zur Beseitigung des Kernzonendefizits

RHÖN. Die hessische Rhön hat jetzt einen Vorschlag vorgelegt, wie das derzeit noch bestehende Kernzonendefizit beseitigt werden kann. Neben Flächen des Landeswaldes wurden auch private und kommunale Waldflächen einbezogen. Jetzt muss das Land Hessen darüber entscheiden.

Die Erarbeitung des Vorschlags erfolgte im Verein Natur- und Lebensraum Rhön, dem Träger- und Förderverein für den hessischen Teil des Biosphärenreservats Rhön.

Insbesondere die Mitglieder des Fachforums Naturschutz & Kulturlandschaft führten im zurückliegenden Jahr umfangreiche Gespräche in der Region - und zwar mit all jenen, die von der Ausweisung der künftigen Kernzonen betroffen sind. „Wir haben bei der Schutzgebietsausweisung im Jahr 1991 gemerkt, dass wir auf regionaler Ebene durch eine breite Diskussion zu besseren Ergebnissen kommen als durch eine Verordnung. Deshalb sind wir diesen Weg auch bei den Kernzonen gegangen. Der Vorschlag hat Rückhalt in der Region", betont der Sprecher des Fachforums Naturschutz & Kulturlandschaft, Joachim Schleicher aus Poppenhausen.
Mit dem nun vorliegenden Vorschlag will die hessische Rhön die immer wieder diskutierte womöglich drohende Aberkennung des Titels UNESCO-Biosphärenreservat abwenden. Das könnte in der Tat passieren, wenn sich bei der nächsten Überprüfung im Jahr 2013 keine deutliche Bewegung bei der Lösung des derzeit bestehenden Kernzonendefizits abzeichnet. Drei Prozent der Fläche eines von der UNESCO anerkannten deutschen Biosphärenreservats müssen als Kernzone ausgewiesen sein - also als Bereich, in dem keine wirtschaftliche Nutzung mehr stattfindet, sondern die Natur sich selbst überlassen bleibt. Zwar hat die Vorsitzende des deutschen Nationalkomitees für das Programm der UNESCO „Der Mensch und die Biosphäre", Gertrud Sahler, eine mögliche Übergangsfrist auch nach 2013 in Aussicht gestellt, um das Kernzonendefizit zu beseitigen, hat aber auch betont, dass es eine weitere Fristverlängerung nicht geben wird.

„Wir wollen unser großes Ziel, weiterhin UNESCO-Biosphärenreservat zu bleiben, unbedingt im Auge behalten. Deshalb legen wir diesen Vorschlag vor, der sehr detailliert ist. In ihm geht es nicht um pauschale Aussagen, sondern um ganz konkret benannte Flächen, die wir für Kernzonen vorschlagen. Aus unserer Sicht sind diese auch naturschutzfachlich geeignet. Das Land wird sich damit also genau beschäftigen müssen", sagt Schleicher. Es habe nicht nur Gespräche mit den Beteiligten, sondern auch Vor-Ort-Besichtigungen und Abstimmungen mit der Naturschutzverwaltung gegeben.
Dem Kernzonendefizit von 450 Hektar steht nun ein Vorschlag über rund 570 Hektar gegenüber. Die 101 Hektar an bestehenden Naturschutzgebieten, die aber noch nicht als Kernzone deklariert wurden, kommen dazu. „Damit ist auch eine Auswahl der Flächen gegeben", sagt der Geschäftsführer des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön, Martin Kremer, der gleichzeitig als Sachgebietsleiter Biosphärenreservat beim Landkreis Fulda tätig ist. Drei vorgeschlagene Flächen hätten eine Größe von über 100 Hektar; es gebe aber auch kleinere, die trotzdem aus naturschutzfachlicher Sicht für Kernzonen geeignet sind.
Um in der Region zwischen Wegfall der Nutzung und zukünftiger Nutzung eine Ausgewogenheit zu erreichen, beinhaltet das Kernzonenkonzept auch zwei Aspekte, die auf den ersten Blick untypisch für einen solchen Vorschlag seien, meint Schleicher. „Wir wollen in der Kernzone Stirnberg bei Wüstensachsen einen Fichtenbestand von 25 Hektar abholzen, um ihn wirtschaftlich zu nutzen. Hier steht momentan ein Wert an Bäumen von vielleicht 150 000 Euro, das ist viel Geld", meint Schleicher. Der Kernzone Stirnberg tue der vorübergehende Eingriff keinen Abbruch, weil die gerodete Fläche anschließend wieder sich selbst überlassen bleibe. Außerdem schreibe die UNESCO nicht vor, welche Vegetationsform eine Kernzone haben müsse.

Darüber hinaus sieht der Vorschlag vor, eine Fläche von 100 Hektar vom Bundesforst zu kaufen und wirtschaftlich zu nutzen, um diese als Kompensationsfläche für diejenigen Flächen anzubieten, die nach dem Vorschlag aus der Nutzung herausfallen.
„Wir haben in der Rhön eine relativ klein strukturierte Landschaft. Deshalb haben wir auch kleine Flächen als Kernzonen vorgesehen", erklärt der Vorsitzende des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön, Dr. Hubert Beier. Letztlich sei entscheidend, welche Zielarten man auf diesen Flächen erhalten wolle, ergänzt Joachim Schleicher. „Wenn es Gebiete gibt, die zwar nur acht Hektar groß sind, aber seit Jahren nicht genutzt werden, dann ist eine solche Fläche aus naturschutzfachlicher Sicht vertretbar", meint er. Unter anderem betreffe das eine kleine Auenfläche bei Günthers. „Hier verfolgen wir das Ziel, dass sich dort wieder Auwald entwickeln kann."
Der Verein habe das Ziel verfolgt, möglichst frühzeitig einen Vorschlag vorzulegen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass solche Entscheidungen gerne weit nach hinten geschoben werden", sagt Beier. Der Kernzonenvorschlag sei in der Region akzeptiert und besitze Spielraum. Jetzt sei das Land am Zug. Das Konzept werde direkt an die hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Silke Lautenschläger, geschickt.

 

03.03.2010

Zurück zur News-Übersicht

Unsere Sponsoren

Weitere Sponsoren