Gersfeld - 16.02.2010Biosphärenreservat Rhön

Im letzten Jahr rund 33 500 Menschen für das Biosphärenreservat begeistert

ZELLA. „Für die Biosphärenreservate in Deutschland war das vergangene Jahr ein ganz besonderes. Es war das Jahr der Biosphärenreservate", sagt der Leiter der Thüringer Verwaltungs- stelle des Biosphärenreservats Rhön, Karl-Friedrich Abe. „Das war eine große Auszeichnung und Verpflichtung für Deutschlands Modellgebiete von Weltrang", ergänzt er. In der Rhön habe es das ganze Jahr über Veranstaltungen gegeben, um den hier lebenden Menschen und ihren Gästen die Idee des Biosphärenreservats näher zu bringen. „Mit mehr als 100 Veranstaltungen konnten wir 33 500 Menschen erreichen", zieht Abe für den Thüringer Teil Bilanz.

Die Auftaktveranstaltung für die beiden thüringischen Biosphärenreservate, Rhön und Vessertal-Thüringer Wald (dieses Gebiet ist eines der beiden ältesten in Deutschland und feierte im vergangenen Jahr sein 30. Jubiläum), wurde durch den ehemaligen Umweltminister Dr. Volker Sklenar im Beisein von Landtagspräsidentin Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Bundes- und Landtagsabgeordneten und zahlreichen Gästen Anfang Februar in Erfurt gehalten. Dabei stellte der Minister eine mit Fotomotiven der beiden Thüringer Biosphärenreservate gestaltete Straßenbahn vor und lud zur Sonderfahrt durch Erfurt ein. Diese Bahn warb das ganze Jahr hindurch in der Landeshauptstadt für die beiden Biosphärenreservate.


„Ein weiterer Höhepunkt waren die Präsentationen aller 16 deutschen Biosphärenreservate auf der Bundesgartenschau in Schwerin. Mit einer Dauerausstellung und vielen unterschiedlichen Darbietungen regionaler Akteure wurde die Ausstellung umrahmt", sagt Abe. Thüringer Akteure, darunter eine Kräuterfrau aus Hermannsfeld, der Landgasthof „Zur Guten Quelle" in Kaltensundheim, das „ Thüringer Rhönhaus" in Oberweid, die Pension Jens Graf in Birx und das Landhotel „Zur Grünen Kutte" in Bernshausen, warben mit ihrem Service für ihre Gaststätten.
In guter Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU Kreisverband Wartburgkreis), dem Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen (AHO) und der Unteren Naturschutzbehörde des Wartburgkreises fand im März in Dermbach eine Tagung unter dem Motto „Naturschutz ist Zukunft" statt. Namhafte Wissenschaftler referierten dabei über Arten- und Biotopschutz bzw. Pflege der Kulturlandschaft.


Um die Attraktivität von Naturbeobachtungen, vor allem im dörflichen Bereich zu erhöhen, wurde in einer ehemaligen Transformatorenstation auf dem Gelände der Agrarhöfe in Kaltensundheim eine Videoanlage installiert. Jetzt ist es möglich, dass die Besucher ohne Störungen am Brutplatz das Aufzuchtgeschehen eines Turmfalkenpärchens mit seinen vier Jungen beobachten können.
In der Thüringer Rhön gibt es aktuell zehn Junior-Ranger, die durch die Biosphärenreservatsverwaltung betreut werden. Einmal im Monat, am Samstag, treffen sie sich und erforschen die Heimat. „Aufgrund der guten Zusammenarbeit der Verwaltungsstelle mit der Bevölkerung und mit heimischen Firmen konnten durch ein Sponsoring der Baufirma Kurt Richter & Sohn die Junior-Ranger im vergangenen Jahr eine einheitliche Kleidung bekommen und sind damit optisch gleich als Naturhelfer zu erkennen", erinnert Karl-Friedrich Abe.
Regionaler Schwerpunkt der Aktionen im „Jahr der Biosphärenreservate" seien die Naturerlebnistage in Helmershausen gewesen. Es sei ein Fest des ganzen Dorfes und der Region gewesen, zu dem mehr als 1 500 Gäste kamen. Anlässlich der Naturerlebnistage habe sich die Zusammenarbeit mit den Meininger Briefmarkenfreunden erneut als Gewinn erwiesen, meint Abe. Eine Sonderausstellung zur Artenvielfalt, eine Sonderbriefmarke vom Altar des „Doms der Rhön", Sonderschmuckkarten und drei Sonderstempel hätten das Dorf philatelistisch berühmt gemacht, schätzt er ein. Zum ersten Mal wurde auf den Naturerlebnistagen der „Biodiversitätspreis" im Biosphärenreservat Rhön für hervorragende Projekte im dörflichen Artenschutz durch den ehemaligen Staatssekretär Stefan Baldus verliehen.


2009 fand auch der Umzug der Thüringer Verwaltungsstelle von Kaltensundheim in die neuen Diensträume nach Zella/Rhön statt. „Der neue Sitz der thüringischen Verwaltung entspricht ihren gewachsenen Aufgaben und ist in diesem Zusammenhang eine attraktive Arbeitsstätte, die die Bedeutung der Verwaltung unterstreicht. Das Biosphärenreservat Rhön ist nicht nur einfach eine Dienststelle in der Naturschutzverwaltung, sondern gewissermaßen auch ein Schaufenster der Welt innerhalb des UNESCO-Programms ,Der Mensch und die Biosphäre‘", betonte Baldus in seinem Grußwort.
Ein weiteres und sehr wichtiges Projekt habe 2009 ebenfalls verwirklicht werden können: Das Informationszentrum in der Propstei wurde vom neuen Thüringer Minister für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz, Jürgen Reinholz, im Beisein vieler Gäste eröffnet. „Durch die Neugestaltung der bisherigen Ausstellungsräume wurde eine modernen Ansprüchen genügende und vielseitige Exposition geschaffen, die alle Altersgruppen durch angepasste Wissensvermittlung anspricht. Mit dieser Exposition ist es auch gelungen, Öffentlichkeitsarbeit, Informationsvermittlung und Verwaltung des Biosphärenreservats Rhön unter einem Dach zu vereinen", sagt Abe. Das Informationszentrum sei ein wichtiger Meilenstein für die Regionalentwicklung. Es sei ein Besuchs- und Bildungsangebot für die Bevölkerung, für die Gäste der Region und die Schulen. „Es wäre schön, wenn zukünftig auch die Hoteliers ihren Gästen den Hinweis zum Besuch des Informationszentrums geben. So könnten viele Synergieeffekte zum Nutzen und zum Wohle der Entwicklung der Region entstehen", hofft der Leiter der Thüringer Verwaltungsstelle.
International war das Biosphärenreservat Rhön zum Europäischen Erfahrungsaustausch der Biosphärenreservate (EURO-MAB) im slowakischen Stara Lesna vertreten, an dem 113 Teilnehmer aus 22 Ländern teilnahmen. Das Jahr der Biosphärenreservate brachte der Region auch wieder viele Besucher: Aus Kanada kamen Gäste aus dem Biosphärenreservat Georgian Bay, aus Mazedonien eine Delegation von Wissenschaftlern. Bundes- und Landespolitiker sahen sich in der Rhön um. Auch Thüringens Landtagspräsidentin Prof. Dagmar Schipanski kam zu einer Stippvisite.


„Mit ihren Partnern hat die Thüringer Verwaltung im Jahr der Biosphärenreservate mehr als 100 Veranstaltungen durchgeführt. Dazu zählten Führungen, Exkursionen, Vorträge, Informationsveranstaltungen, spezielle Kinderangebote wie Apfelsaftpressen oder Nistkastenbau mit den Junior-Rangern, zahlreiche Naturerlebnisangebote und Messe- und Ausstellungsbeteiligungen", zählt Abe auf. Abschließend meint er, dass nur wenige Regionen weltweit, nämlich etwas mehr als 500, von sich sagen können, dass sie zu den wertvollsten Kulturlandschaften der Erde gehören. „Wir, die Rhöner, haben diese Landschaft durch die Nutzung geprägt und wir haben es geschafft, Teil des Weltnetzes der UNESCO- Biosphärenreservate, die Modellgebiete von Weltrang sind, zu werden."

16.02.2010

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