Gersfeld - 18.02.2010Biosphärenreservat Rhön

Der Mensch kann oft mit einfachen Mitteln helfen

RHÖN. Eine Wasserfledermaus kann bis zu 5 000 Mücken in einer Nacht vertilgen. Das und viele weitere wissenswerte Einzelheiten gab es jetzt bei einem Vortrag über die Fledermäuse in der Rhön zu erfahren. Die Kleinsäuger sind heute mehr denn je auf menschliche Hilfe angewiesen - nämlich auf geeignete Wochenstuben zur Aufzucht der Jungen und auf Unterschlupf im Winter.

„Fledermäuse der Rhön - Biologie, Verbreitung und Schutz" lautete der Titel eines Vortrags, zu dem das Biosphärenreservat Rhön zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz Fulda e.V. in den Gasthof „Zum Lämmchen" nach Tann-Schlitzenhausen eingeladen hatte. Über 30 interessierte Naturfreunde waren der Einladung gefolgt und folgten den Ausführungen des Referenten Stefan Zaenker, der seit einigen Jahren die Fledermausbestände der Sommer- und Winterquartiere im Biosphärenreservat Rhön erfasst.


Von den 21 in Hessen nachgewiesenen Fledermausarten kommen 15 Arten sicher in der Rhön vor. Hierzu gehören neben der in unserer Region häufigen Zwergfledermaus auch seltene Arten wie die Mopsfledermaus oder die europaweit unter besonderen Schutz gestellte Bechsteinfledermaus. Alle heimischen Fledermäuse stehen unter Naturschutz und ernähren sich ausschließlich von Insekten. Gefährdet sind unsere Fledermäuse vor allem durch den Einsatz von Insektengiften, die von den Tieren mit der Nahrung aufgenommen werden oder aber auch den Verlust von Quartieren. Zaenker appellierte an die Hausbesitzer, nicht jeden Spalt zu verschließen, da es viele Gebäude bewohnende Fledermäuse gibt. Alte Felsenkeller sollten mit einem Einflugschlitz versehen werden, um so den Fledermäusen eine frostfreie Überwinterung zu sichern.
Viele unserer Fledermäuse sind im Sommer an naturnahe, strukturreiche Wälder mit ausreichendem Alt- und Totholz gebunden und dort auf das Vorhandensein von Baumhöhlen angewiesen, in denen sie Ihren Tagesschlaf halten, die aber auch zur Aufzucht der Jungen benötigt werden. Dort, wo solche Quartiere fehlen, können mit Hilfe von Fledermauskästen künstliche Lebensräume geschaffen werden. „Das Aufhängen von Fledermauskästen kann ein Hilfsmittel sein, um die Bestände zu stützen und um Fledermäuse zu kartieren. Flächendeckend und langfristig sinnvoll muss das Ziel aber die Förderung strukturreicher, altersgemischter Wälder sein", sagte Stefan Zaenker.


Auch auf den Milseburgtunnel als Winterquartier ging Zaenker in seinem Vortrag ein. Mit acht überwinternden Fledermausarten ist dieser das artenreichste Winterquartier der hessischen Rhön. Die starken Schwankungen bei der Anzahl der Zwergfledermäuse in den vergangenen Jahren sind nach Ansicht von Experten auf die unterschiedlichen Überwinterungsstrategien der heimischen Fledermausarten zurückzuführen. Arten wie die Wasserfledermaus fressen sich vor dem Winter ein großes Fettpolster an und halten dann einen langen Winterschlaf, bei dem sie diese Nahrungsreserven verbrauchen. Zwergfledermäuse hingegen sind auch während des Winters aktiv, sobald die Temperatur etwas über den Gefrierpunkt steigt. Somit sind die Funde in Winterquartieren immer stark von der Außentemperatur abhängig.
Weitere Informationen zu den heimischen Fledermäusen findet man auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz unter www.fledermausschutz-fulda.de

18.02.2010

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