Gersfeld - 21.01.2010Biosphärenreservat Rhön

„Mutige Zeichen der Politik nötig“

BAD KISSINGEN. Die Kreisgruppe Bad Kissingen des Bund Naturschutz in Bayern e.V. nimmt in einer Mitteilung Stellung zur Diskussion über geplante Anlagen für erneuerbare Energien. Darin warnt sie, vorschnell Photovoltaik-Freilandanlagen auszuweisen und weiterhin auf herkömmliche Biogasanlagen zu setzen. Vielmehr spricht sie sich für geeignete Bürgersolaranlagen und für Windkraftanlagen an Orten aus, die dem Landschaftsbild nicht schaden. Darüber hinaus mahnt sie erneut die politische Festlegung im Landkreis Bad Kissingen auf das Ziel „CO2-freie Energieversorgung bis 2030" an.

Einer der wichtigsten Gesichtspunkte - die Energieeinsparung - komme bei den öffentlichen Diskussionen viel zu kurz. Knapp zwei Drittel des CO2 in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld entstehe durch die Erzeugung von Wärme für die Heizung von Räumen. Hier liege demnach das größte Sparpotenzial, das mit Hilfe von geeigneten Gebäudesanierungen und modernen Wärmeerzeugern, etwa kleinen Blockheizkraftwerken, realisiert werden könne. Auf dieses Einsparpotential ziele auch die Wärmebildaktion der Kreisgruppe ab, die inzwischen von anderen bayerischen Landkreisen übernommen werde. „Für alle, die sich der Bedeutung verantwortlichen Handelns bewusst sind, ist es fast unerträglich, dass die zählbaren Initiativen in diesem Landkreis allein dem Renditedenken entspringen. Dies macht das Fehlen unterstützender Steuerungsmaßnahmen schmerzlich bewusst", betont die Kreisgruppe. Die Lücke zwischen technisch möglichen und tatsächlich umgesetzten Energiesparmaßnahmen sei riesig. Um diese zu schließen, brauche es die Förderung von Musterbeispielen, eine bürgernahe Beratung und insbesondere mutige Zeichen der verantwortlichen Politiker im Landkreis, „dass ihnen der Klimaschutz am Herzen liegt und zukünftige Politik den Klimaschutz als wichtigste Richtlinie akzeptiert."

Es sei erfreulich, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz großartige Wirkungen gezeigt und es innerhalb weniger Jahr geschafft habe, zukunftsweisende Technologien so weit zu fördern, dass deren Wirtschaftlichkeit (Wind) schon erreicht oder in greifbare Nähe (Photovoltaik-Anlagen) gerückt ist. Dieser Erfolg sei ohne Zweifel im Wesentlichen der Initiative des Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell (Bündnis 90/Die Grünen) zu verdanken. Gleichzeitig plädiert die Bund Naturschutz Kreisgruppe Bad Kissingen für einen gelasseneren Umgang mit den vielen Initiativen. Das entspringe vor allem der Überlegung, dass ungeeignete Ansätze angesichts der Bedrohung durch die Folgen des Klimawandels praktisch nicht ins Gewicht fallen. Eine Ausnahme bilde dabei jedoch die Produktion von Biosprit mit ihren bisherigen katastrophalen Folgen für den tropischen Regenwald. So gut wie alle Experten seien sich inzwischen darüber einig, dass dies kein zukunftsfähiger Weg zur Lösung der Energieprobleme ist.
„Biogasanlagen sind, wenn sie nicht mit Gülle und/oder Grüngutabfällen betrieben werden, aus unserer Sicht ebenfalls keine auch nur halbwegs vertretbare Alternative. Die Gründe sind leicht nachzuvollziehen: Mit einem Quadratmeter eines Maisfeldes kann gerade einmal eine Kilowattstunde Strom erzeugt werden. Dagegen liefert ein Quadratmeter Solarzellen auf einem Süddach mehr als 100 Kilowattstunden pro Jahr", rechnet der Bund Naturschutz vor.

Biogasanlagen seien demnach gewaltige Flächenverschwender, abgesehen von den verheerenden Folgen der Maismonokulturen für die Artenvielfalt. Auch der Bau von Photovoltaik-Freilandanlagen führe ein Denken fort, das für die jetzige Klimaproblematik mitverantwortlich ist. „Wir verbrauchen damit Landschaft und wertvolles Ackerland. Die Qualität unseres Lebensumfeldes leidet, und wertvolle Ackerflächen werden aus der Nutzung genommen." Im Gegenzug stünden genügend Dächer zur Verfügung, um den langfristig notwendigen Anteil von Sonnenstrom zu erzeugen. „Wir favorisieren deshalb die verstärkte Nutzung geeigneter Dachflächen auch mit Hilfe von Bürgersolaranlagen und sehen Freilandanlagen nur für besondere Flächen wie etwa Autobahnböschungen als sinnvoll an", positioniert sich die Kreisgruppe.

Um die Größenordnung der Beiträge der jeweiligen Systeme nachzuvollziehen, könne der Ertrag einer Biogasanlage mit einer Leistung von einem Megawatt mit zwei Windrädern der Leistung von zwei Megawatt verglichen werden. Die Leistung der Windkraftanlage sei dabei für einen „schlechten" Standort auf 300 Metern Höhe gerechnet. Beide lieferten im Jahr etwa die gleiche Menge Strom, nämlich acht Millionen Kilowattstunden. Die Biogasanlage benötige dazu aber den Mais von etwa 800 Hektar, währenddessen der Flächenverbrauch einer Windkraftanlage nicht ins Gewicht falle. Es gebe durchaus genügend Standorte für Windkraftanlagen, aus denen in einer Einzelfallprüfung ausgewählt werden könne, um das Konfliktpotential mit der Landschaft und den Bürgern zu minimieren. „Für Befürworter einer uneingeschränkten Windkraftnutzung ist der Wegfall der Gebiete, in denen der beste Wind weht, zwar kaum nachvollziehbar, aber wir denken, dass wir auch mit suboptimalen Standorten auf mittleren Höhenlagen unserer Verantwortung gerecht werden können. Hier kommt uns die enorme Effizienzsteigerung neuerer Windräder entgegen", hebt die Kreisgruppe abschließend hervor.

 

 

21.01.2010

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