Oberelsbach - 04.12.2017Biosphärenreservat Rhön

Wildkatze aus der Rhön auf Wanderschaft

Genetischer Fingerabdruck weist Wildkatze aus der Rhön bei Schweinfurt nach: Die Europäische Wildkatze gilt in Deutschland als stark gefährdet. Dank intensiver Schutzmaßnahmen erholen sich die Bestände jedoch langsam – die Wildkatze fasst wieder Fuß.

 

Genetische Analysen zeigen genaue Wildkatzen-Zahlen in der Rhön

Die scheuen Tiere sind nachtaktiv und können nur selten beobachtet werden. Da Wildkatzen zudem äußerlich kaum von vielen Hauskatzen unterschieden werden können, erfolgt ein eindeutiger Nachweis über einen „genetischen Fingerabdruck“ mittels spezieller Lockstöcke: im Wald aufgestellte Holzpflöcke werden mit einer für Katzen unwiderstehlichen Baldrian-Tinktur besprüht. Die Tiere reiben sich an den aufgerauten Pflöcken und lassen so einige Haare am Holz. Naturschützer, Förster und ehrenamtliche Helfer kontrollieren diese Pflöcke regelmäßig und sammeln gefundene Haare zur weiteren genetischen Untersuchung ein. Auf diese Weise wurden im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön in den vergangenen Jahren über 220 Wildkatzen nachgewiesen. Die Haare stellen einen aus der Forensik bekannten „genetischen Fingerabdruck“ dar, wodurch gesammelte Proben nicht nur artspezifisch als Wildkatze, Hauskatze oder Fuchs zugeordnet, sondern sogar einzelne Individuen wiedererkannt werden können.

 

Wildkatzen auch außerhalb der Rhön auf dem Vormarsch

Auch außerhalb der Rhön werden Wildkatzen über Lockstöcke gesucht: Im Rahmen des durch das Bundesamt für Naturschutz geförderten Projekts „Wildkatzensprung“ konnte gezeigt werden, dass sich Wildkatzen bundesweit ausbreiten. Der BUND Deutschland setzt nach wie vor alles daran, die Wiederbesiedlungsversuche unserer ehemaligen Ureinwohnerin aktiv zu unterstützen. So wurden 2017 auch im Raum Schweinfurt Lockstöcke ausgebracht, die von Wildkatzenfreunden und Mitarbeitern des Bundesforsts über acht Wochen hinweg betreut wurden. Bei der Auswertung der Haarproben traf man auf einen alten Bekannten: Durch den genetischen Fingerabdruck konnte am ehem. Truppenübungsplatz „Brönnhof“ eine männliche Wildkatze nachgewiesen werden, die bereits im Sommer 2015 in der Hochrhön erfasst wurde. Der Kater ist demnach in den vergangenen zwei Jahren knapp 40 km gewandert, hat dabei erfolgreich die A 71 gequert und anscheinend am ehemaligen Übungsplatz eine Partnerin gefunden.

 

Zentrale Rolle der Rhön bei Vernetzung der Populationen

Der Wiederfund des Katers unterstreicht die zentrale Rolle der Rhön im Zentrum Deutschlands für die Vernetzung verschiedener Wildkatzen-Populationen. Nur durch das Ermöglichen natürlicher Wanderbewegungen kann die einstmals weit verbreitete Wildkatze ihre ursprünglichen Lebensräume wiederbesiedeln.

 

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04.12.2017

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Wildkatze auf Wanderschaft (Foto: Thomas Stefan)

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