Gersfeld - 23.10.2017Biosphärenreservat Rhön

Der Embryonebel - wo Sterne in unserer Milchstrasse enstehen

Ein Bericht über Geduld, Zuversicht und Kontrolle...

Jens Müller, 2. Vorsitzender des Vereins Sternenpark Rhön e.V. ist ein begeisterter Hobbyastronom. Von seiner privaten Gartensternwarte gelingen ihm Aufnahmen, von denen Generationen vor uns nur träumen konnten. Dass aber auch trotz moderner Technik diese Aufnahmen viel Geduld und Mühe und eine hohe Frusttoleranz erfordern, berichtet Jens Müller in diesem unterhaltsamen Bericht.


In diesem etwas verregneten Sommer gab es doch einige klare Nächte in der Rhön. Und da es im Sternenpark „Rhön“ auch noch manch richtig dunkle Ecke gibt, kann man dort mit bloßem Auge dann sogar das Band der Milchstraße erkennen. So war es auch in der Nacht vom 15. auf den 16. September 2017, in der ich mich mit Teleobjektiv und einer für eine Langszeitbelichtung erforderlichen Nachführung auf die „Sternenjagd“ begeben hatte.

Wer sucht der findet...

Nun klingt das leichter als es ist. Ein bisschen Übung und einen Plan braucht man auch schon. Das Objekt meiner Begierde war der Embryonebel, eine sehr ausgedehnte Gaswolke – auch als Emissionsnebel bezeichnet - hoch oben in der Sommermilchstrasse , visuell allerdings auch im Fernglas für mich unsichtbar, da es dafür noch nicht finster genug war. Ihm wollte ich mit dem 200er Tele und einer rotempfindlichen EOS-Kamera auf den Leib rücken. Nach erfolgreicher Suche eines passenden, d.h. möglichst dunklen Standorts erfolgte erstmal die etwas nervige Einrichtung der Gerätschaften. Nach einigen kurzen Probebelichtungen hatte ich das Ziel dann endlich im Kameradisplay. 95% Luftfeuchtigkeit und ein schneidender Wind bei 4°, aber auch eine gute Durchsicht des Himmels bildeten die Rahmenbedingungen. Ich dachte trotz der wenig lauen Temperatur an eine zweistündige Belichtung und war ausgesprochen guter Dinge.

95 % Luftfeuchte und 4°Grad Celsius - gut für die Linse?

Nach einer Stunde stellte ich jedoch bei einer routinemäßigen Kontrolle des Objektives fest: Es ist beschlagen! Die Sicherung der Taukappenheizung war durchgebrannt, warum weiß ich bis heute nicht. Alle Aufnahmen bis dahin waren unbrauchbar. Vielleicht war aber noch nicht alles verloren. Ersatzsicherungen hatte ich natürlich keine, aber da ich mich in Hausnähe befand, konnte ich mit Fön und Verlängerungsschnur einen neuen Anlauf unternehmen. Und der reichte dann noch für 60 Einzelbilder, von denen immerhin 58 (trotz des windigen Statives) zu gebrauchen waren.

Der Embryonebel


Der etwa 7500 Lichtjahre entfernte Embryonebel mit der Katalogbezeichnung IC1848 liegt im sogenannten Perseus-Arm unserer Galaxis, der Milchstraße. Man braucht wenig Phantasie, um sich den Namen zu erklären. Genau genommen ist IC1848 jedoch nur die Bezeichnung für einen offenen Sternhaufen im Rumpf des Embryos. Sie wird inzwischen aber auf den gesamten Nebel übertragen. Es sind übrigens noch einige weitere sehr junge offene Sternhaufen (etwa 1 Mio Jahre alt) innerhalb von IC1848 bekannt. Es handelt es sich um ein Sternentstehungsgebiet, dessen junge heiße Sterne das umgebende Wasserstoffgas ionisieren und damit zum Leuchten anregen. Durch den Strahlungsdruck entstehen wiederum Hohlräume und Schockfronten, die dem Nebel seine charakteristische Form verleihen.


Es bleibt zu hoffen, daß auch künftig ein solcher Anblick möglich bleibt. Dafür müssen wir lernen, vernünftig mit dem Licht umzugehen - zum Schutz der der Sterne, der Tiere der Nach und unserem menschlichen Wohlergehen.

 Bericht Jens Müller

23.10.2017

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Bild: Embryo-Nebel IC1848 im Sternbild Cassiopeia 16.9.2017 EOSMa + Canon 72/200 58x30sec ISO12800 auf StarAdventurer-Montierung von Jens Müller

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