Oberbach - 23.03.2017Biosphärenreservat Rhön

Zukunftsgerichtete Streuobstpflege im Biosphärenreservat Rhön

Jan Bade – Pomologe von der Obstmanufaktur Kaufungen - ist Experte mit reichhaltiger Erfahrung der sich der Erhaltung und Pflege historischer und bewährter Obstsorten widmet. In der gesamten letzten Woche hat er im Auftrag der Kreisgruppe Bad Kissingen vom Bund Naturschutz in Bayern auf deren Streuobstwiese in Großenbrach über einhundert Apfelbäume geschnitten.

Der Naturpark & Biosphärenreservat Rhön Bayerische Rhön - Biosphärenzentrum „Haus der Schwarzen Berge“ in Oberbach und der Bund Naturschutz Kreisgruppe Bad Kissingen hatte anschließend den Pomologen Jan Bade zu einem Schnittkurs eingeladen. Über 30 Teilnehmer nahmen dieses Angebot am letzten Wochenende in Oberbach und Großenbrach an und zeigten Ihr Interesse und Engagement zu einer fachgerechten Obstbaumpflege im Streuobstanbau. Viele von Ihnen waren bereits das zweite Mal dabei und wieder voller Ehrfurcht vor der Fülle der Informationen.

Nachdem die Philosophie der 60er und 70er Jahre lange Zeit die Wirtschaftlichkeit und Menge des Ertrages bei Obstbäumen beinhaltete, ist man sich heute in Expertenkreisen einig, dass die wichtigste Aufgabe darin besteht, den Baum gesund und ertragreich in das höchste Alter zu führen. Jan Bade ist Verfechter des Palmer-Öschberg-System. Obstgehölze sind ein rein menschliches Kulturgut und brauchen in allen Altersphasen ein Mindestmaß an Pflege. Hierbei sind die ersten 10 Jahre besonders wichtig. Bade dazu: „Will ich Tafelobst ernten, muss die Pflege intensiver sein, als wenn nur Mostobst gefragt ist.“

Richtiges Alter zum Verjüngen

Erkenntnisse aus der modernen Großbaumpflege flossen genauso in diesen Kurs mit ein, wie Sortenkunde und der Einfluss des Bodens auf die Vitalität des Baumes. Wichtigste Zielsetzung des Kurses war es, eine dem jeweiligen Obstgehölz angepasste Schnittmaßnahme (z.B. Erhaltungs- oder Verjüngungsschnitt) zu vermitteln.

Die Bäume müssen im richtigen Alter verjüngt werden, die Verjüngung muss in mehreren Stufen erfolgen, damit dem Baum das richtige Maß an Wuchsmasse genommen wird, die Äste müssen in eine sinnvolle Richtung geleitet werden, damit das Kroneninnere nicht zuwächst und ein Leitsystem der Äste sollte vorhanden sein, damit der Baum stabil bleibt. Die Komplexität zwischen Fruchtholzschnitte und Leittriebbildung im Verhältnis zur Blattmasse des Baumes in der richtigen Waage zu halten, bedarf einiger Übung.


Ein weiterer Schwerpunkt des Kurses war es, den Baum lesen und verstehen zu lernen, von der Wurzel bis zur Spitze, incl. des Umfeldes. Erst daraus leitet sich die Zielsetzung ab, auf die die Pflegemaßnahme erfolgt. Das ist nicht immer zwingend der Baumschnitt, sondern kann auch z.B. Bodenpflege sein. Lehmboden und Mist sind der beste Wundverschluss, das Kambium darf nicht austrocknen, dann kann der Baum sich wieder selbst heilen und eventuell eingedrungene Pilze hemmen und zum Absterben bringen. Jan Bade erklärte in Theorie und Praxis wie man möglichst langlebige, gesunde Bäume aufbaut und erhält.

Bisher kein Regelwerk

Bisher gibt es dafür noch kein Regelwerk, dafür braucht es einiges pflanzenphysiologische und botanisches Verständnis. Jedoch sammeln Bade und seine Kollegen in ganz Deutschland in einem Expertenarbeitskreis jedes Jahr Erfahrungen, tauschen sich aus und entwickelt dazu langfristige Konzepte. Dort werden für die Pflege von großkronigen Obstgehölzen das systematische Vorgehensweisen beschrieben, verwendete Begriffe definiert und Qualitäts¬kriterien für Erziehung, Pflege und Schnitt von langlebigen Hochstamm-Obstbäumen formuliert.
Jan Bades Engagement für den Erhalt der vielfältigen Streuobstwiesen in der Rhön hat zur Folge, dass eine Beteiligung der Kreisgruppe an einem bundesweiten Sortenerhaltungskonzept geplant ist.

Für den Naturpark Rhön steht fest, dass Folgekurse in den nächsten Jahren kommen.


Antje Schwanke – Biosphärenzentrum Oberbach

23.03.2017

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Jan Bade auf der Streuobstwiese Großenbrach ( Foto: Claus Schenk )

Teilnehmer des Schnittkurses ( Foto: Claus Schenk)

Jan Bade in Aktion ( Foto: Claus Schenk )

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