Gersfeld - 10.01.2017Biosphärenreservat Rhön

Rhönbotaniker setzen erfolgreiche Arbeit fort

Bereits im Jahr 2004 rief die Hessische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön das „Netzwerk Rhönbotanik“ ins Leben, eine der bundesweit ersten Citizen Science-Initiativen in Großschutzgebieten. Die ehrenamtliche Arbeitsgruppe ist ein Netzwerk sach- und ortskundiger Experten, die Beobachtungen zum Vorkommen und zur Gefährdung von Pflanzen sammeln und vom Rhönbotaniker Uwe Barth betreut werden. In der Rückschau auf das Jahr 2016 ziehen die Rhönbotaniker und das Biosphärenreservat ein positives Fazit.

Auch in 2016 wurden umfangreich Daten über heimische Pflanzen gesammelt und in die Datenbanken des Biosphärenreservats sowie des Landes Hessen eingespeist, wo sie für diverse Anfragen aus Forschung, Naturschutz und Landschaftsplanung abrufbar sind. Durch die exakten Angaben von Ort und Zahl sind die Daten auch für Geografische Informationssysteme verwertbar, die heutzutage aus der modernen Landschaftsplanung und Umweltforschung nicht mehr wegzudenken sind.

Rückblickend war 2016 ein überdurchschnittlich erfolgreiches Jahr für die Rhönbotaniker. Die etwa fünfzig Mitglieder umfassende Gruppe konnte ihre Kenntnisse in einer Reihe von gemeinsamen Veranstaltungen vertiefen und ermittelte zahlreiche neue, bislang unbekannte Vorkommen schutzwürdiger Pflanzen. Als Beispiele seien genannt: Purpur-Knabenkraut am Weinberg bei Dietershausen und auf der Oberbernhardser Höhe, Bienen-Ragwurz bei Hünfeld, Moorklee nahe dem Wachtküppel und Guter Heinrich auf der Eube.

„Die Überprüfung bekannter Fundstellen offenbarte allerdings auch erneut den anhaltenden Artenschwund in unserer Heimat“, fasst Uwe Barth die Ergebnisse zusammen. So sei die Fliegen-Ragwurz, eine unserer kleinsten und interessantesten Orchideen, stark im Rückgang begriffen. Auch die Arnika habe etliche Vorkommen verloren und leide unter der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung ehemaliger Heuwiesen, auf denen heute Silage erzeugt wird. Erfreulich ist dagegen die Zunahme der Bocksriemenzunge, vor allem am Weinberg bei Hünfeld. Als Ursache für die Ausbreitung der wärmeliebenden Orchidee gilt hier der Klimawandel mit zunehmend milden Wintern.

Im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Kreisgruppe Fulda im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurden neben der Kartierung auch Fakten für den Schutz der von Verbuschung bedrohten Sandenhofer Hute zusammengetragen. Die Hutefläche bei Hilders weist mit über 500 Exemplaren eines der größten Vorkommen des Stattlichen Knabenkrautes im Ulstertal auf. „Dieses lässt sich nur durch Fortführung der extensiven Beweidung erhalten, wobei die Landwirte Ausgleichszahlungen für den erschwerten Aufwand und den geringen Ertrag erhalten müssen, denn es darf zum Schutz der Orchideen nicht gedüngt werden“, stellt Barth klar.

Ein weiteres Kooperationsprojekt mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) dient dem Schutz der Flora im alten Steinbruch „Schwarzer Acker“ bei Gersfeld. In diesem NABU-Schutzgebiet erfolgen regelmäßig Pflegemaßnahmen zum Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, wobei die Beobachtungen und Empfehlungen der Rhönbotaniker in das Gesamtkonzept einfließen. Recht überraschend gelang hier in 2016 die Entdeckung des sehr seltenen Wiesen-Leinblattes, das ungedüngte Wiesen und Magerrasen besiedelt. Es ist eine der schutzbedürftigen Pflanzen der hessischen Biodiversitätsstrategie, für die der Landkreis Fulda eine besondere Verantwortung für Schutz und Pflege der Populationen besitzt.

Mehr als ein Dutzend öffentliche Termine dienten dazu, die Anliegen der Rhönbotaniker interessierten Gästen zu erläutern. So beteiligten sich die Rhönbotaniker an den 11. Naturschutz-Erlebnistagen der Naturschutz-Akademie Hessen (NAH) und an der Jubiläumsveranstaltung des Biosphärenreservats Rhön in Gersfeld. Die inzwischen mehr als zehntausend Pflanzenbeobachtungen erlauben auch Interpretationen zum Klimawandel, worüber am 29. September im Rahmen der Reihe „Forum im Foyer“ in der Ulstertalschule Hilders berichtet wurde.

Im Rahmen der Umsetzung der Hessischen Biodiversitätsstrategie wurden in jüngster Zeit 26 Pflanzenarten ermittelt, für deren weltweiten Erhalt Hessen besondere Verantwortung trägt. Für den Landkreis Fulda erfolgte die öffentliche Vorstellung der Biodiversitätsstrategie und „unserer“ Verantwortungsarten 2016 auf einer „Kreiskonferenz Biodiversität“. Hier waren die Rhönbotaniker vertreten und richteten im Folgenden ihre Arbeit verstärkt auf diese Arten aus.

Ein Beispiel für aktiven Schutz statt passiver Beobachtung ist hierbei die Sumpf-Fetthenne: Diese in Deutschland vom Aussterben bedrohte Pflanze wurde über mehrere Jahre im Botanischen Garten/Palmengarten der Stadt Frankfurt vermehrt und konnte nun wieder auf der Seifertser Hute heimisch gemacht werden. Das Biosphärenreservat betrachtet, so Martin Kremer von der Verwaltung, dies als ein besonders gelungenes Kooperationsprojekt. Saatgutsammlung, Vermehrung und die Regelung der behördlichen Formalitäten erfolgten mit Unterstützung der KfW Stiftung und der Stadt Frankfurt; die Auspflanzung und weitere Betreuung erfolgt ehrenamtlich durch die Rhönbotaniker in Kooperation mit der Botanischen Vereinigung für Naturschutz in Hessen (BVNH). Unterstützung erhielt das Projekt von der Gemeinde Ehrenberg als Eigentümerin des Ansiedlungsortes, von der Weidegemeinschaft, vertreten durch den Weidewart Schmitt und durch das Biosphärenreservat.

Die Rhönbotaniker sind ein offener Kreis von Pflanzenkennern und –freunden. Auch wer nur wenige Pflanzen kennt, ist herzlich willkommen, so Barth. Der Arbeitskreis bietet die Gelegenheit, im Kreis von Gleichgesinnten die Rhön und ihre Pflanzenwelt intensiv kennen zu lernen. Die Mitarbeit in der Gruppe ist kostenlos.

Weitere Informationen erhalten Interessierte bei der Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats auf der Wasserkuppe unter Tel. 06654/96120.

10.01.2017

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Foto: Knabenkraut - Martin Kremer

Foto: Fetthenne - Archiv BRR

Foto: Wiesenleinblatt - Martin Kremer

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