Haus der Schwarzen Berge, Oberbach - 10.10.2016Biosphärenreservat Rhön

Vortragsreihe "In der Rhön, für die Rhön": Es ist nicht alles für die Hühner!

Am 22. September fand der dritte Vortrag der Reihe  ,,In der Rhön, für die Rhön“ im Haus der Schwarzen Berge in Oberbach statt. Torsten Kirchner, der Gebietsbetreuer der Langen Rhön von der Wildland-Stiftung Bayern, referierte über Birkhühner und darüber, welchen Nutzen sie für die Rhön samt ihrer Bewohner haben.

Was ist das Birkwild und wo kommt es in der Rhön vor?

Das Birkhuhn zählt zu den „Raufußhühnern“ (rau, weil ihre Füße befiedert sind) und gilt als nordische Art. Es ist somit gut an die kalten Rhöner Winter angepasst. Nach der Eiszeit stieß das Birkhuhn nach Mitteleuropa vor. Teile der Alpen, Moore Norddeutschlands und der Mittelgebirge wurden besiedelt. Das Birkhuhn liebt Landschaften mit nassen Stellen und niedrigen, lichten Gehölzen, denn dort gibt es die passenden Pflanzenbestände wie Beeren, Birken- und Weidenkätzchen. Für die Balz werden weite, offene und kurzwüchsige bis vegetationslose Flächen benötigt. Als Bodenbrüter nutzt das Birkhuhn halboffene Flächen mit einer höheren Krautschicht für die Brut.

Die hohen Offenlagen der Rhön bieten heutzutage noch relativ gute Voraussetzungen für einen gesunden Birkhuhnbestand. Das Birkwild war bis in die 70er Jahre eine Charakterart der Rhön. Ende der 1960er Jahre fanden noch etwa 300 balzende Birkhähne  in der gesamten Hochrhön auf 12.000 Hektar geeigneten Lebensraum. Die damals noch vernetzten, überlebensfähigen Teilpopulationen in den Kammlagen der Rhön sind bis auf eine Population im Naturschutzgebiet Lange Rhön erloschen. „Das ist der Aufforstung geschuldet“, so Kirchner, „Mit dem  Aufwachsen der aufgeforsteten Fichtenbestände verschwand ein großer Teil des Lebensraumes für das Birkhuhn.“

2009 stand die Birkhuhn-Population der Rhön mit zwei verbleibenden Hennen sogar kurz vor dem Aus. Um den Genpool und den Bestand aufzufrischen, wurden von 2010 bis 2015 insgesamt 68 schwedische Birkhühner (45 Hähne und 23 Hennen) ausgewildert. Torsten Kirchner zieht rückblickend eine positive Bilanz: „Die Birkhuhn-Population hat sich wieder stabilisiert. 2015 konnten im Rahmen der Birkhuhn-Zählung wieder 12 Hähne und 9 Hennen gesichtet werden.“ Der Schutzgebietsbetreuer schätzt, dass etwa die Hälfte der Hähne und circa ein Drittel der Hennen in der Rhön heimisch wurden, das bedeutet, dass über längere Zeit ein bestimmtes Revier besetzen.

 

Warum werden nun derartige Anstrengungen unternommen, einen so kleinen Bestand Birkhühner vor dem Verschwinden zu retten?

Dazu Kirchner ganz simpel: „Das Birkhuhn  ist um seiner selbst willen sehr wertvoll, es lässt aber auch Geld in die Region fließen! Birkhühner und andere gefährdete Arten tragen dazu bei, dass das Naturschutzgebiet Lange Rhön die größte Vertragsnaturschutzprogramm-Förderkulisse in Bayern ist.“

Mehrere Hunderttausend Euro erhalten die Landwirte für die Landschaftspflege in der Hohen Rhön. Dies erhält nicht nur den Lebensraum für die Hühner, sondern auch für viele andere, ebenfalls gefährdete Tier und Pflanzenarten, wie z.B. den Raubwürger, die Bekassine oder den Wiesenpieper.

Indirekt trägt die Landschaftspflege auch dazu bei, eines der „Filetstücke“ der Rhön zu erhalten. Denn würde die Lange Rhön nicht regelmäßig gemäht, würde sie über kurz oder lang zum Wald. „Doch ist nicht gerade diese Offenlandschaft typisch für unser Land der offenen Fernen?“, fragt Kirchner in die Runde. „Diese Landschaft verbinden die Rhöner mit ihrer Heimat. Auch viele Touristen kommen wegen dieses besonderen Landschaftsbildes in die Rhön.“ Damit wird deutlich, dass nicht nur die Birkhühner profitieren, sondern auch viele Rhöner. Denn viele Arbeitsplätze hängen beispielsweise am Tourismus.

 

Wie geht es nun weiter mit den Birkhühnern in der Rhön?

„Bis 2019 haben wir noch eine Fanggenehmigung des Schwedischen Zentralamts für Naturschutz“, erläutert Kirchner mit Blick auf die nächsten Jahre. „Dort dürfen wir jährlich 25 Tiere fangen und in die Rhön exportieren.“

„Die schwedischen Hühner kosten uns übrigens keinen Cent“, fügt der Schutzgebietsbetreuer hinzu, „und die Fangaktionen werden überwiegend von Ehrenamtlichen getragen. Auf der Soll-Seite stehen somit jährlich einige wenige Tausend Euro, auf der Haben-Seite viel mehr.“

Wie es nach dem Auslaufen der Fanggenehmigung weitergeht, ist noch ungewiss. Denn der Lebensraum der Birkhühner in der Rhön mit einer Fläche von etwa 1200 ha kann dauerhaft nicht mehr als 24 Birkhühner tragen. Eine langfristig lebensfähige Birkhuhn-Population müsste jedoch aus etwa 100 Vögeln bestehen. Dazu wären noch circa 5.000 ha mehr Lebensraum nötig. Das Potenzial hat die Rhön, denn es gibt noch Flächen in allen drei Bundesländern, die entwickelt werden können.

Die Stelle des Gebietsbetreuers wird finanziert durch den Bayerischen Naturschutzfonds. Das Birkhuhnprojekt unterstützt der Mineralbrunnen Rhönsprudel.

 

10.10.2016

Zurück zur News-Übersicht

(Foto: Archiv "Rhönjäger Hillenberg")

(Statistik: Torsten Kirchner)

Unsere Sponsoren

Weitere Sponsoren