Kaltensundheim - 08.08.2016Biosphärenreservat Rhön

„Wir trauen Ihnen viel zu!“ Thüringen richtet die Natura 2000-Station „Rhön“ ein

Große Freude beim Landschaftspflegeverband (LPV) „BR Thüringische Rhön" e.V.: Bereits im April dieses Jahres war das von dem Verband betreute Naturschutzgroßprojekt „Thüringer Rhönhutungen“ von hochrangigen Vertretern der Landes- und Bundespolitik als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet worden. Jetzt setzte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund noch einen obendrauf und machte den LPV zur Natura 2000-Station. Damit erhält die Einrichtung mit Sitz in Kaltensundheim in ihrem angestammten Wirkungsbereich eine wichtige Zusatzaufgabe. Auch diesmal geht es wieder um die langfristige Bewahrung der Vielfalt der Naturlandschaft im UNESO-Biosphärenreservat Rhön, insbesondere um die Betreuung von 21 Natura 2000-Gebieten und -Objekten, darunter das größte Vogelschutzgebiet Thüringens.

Seit nunmehr 25 Jahren widmet sich der einst auf Initiative der
Thüringischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön gegründete Landschaftspflegeverband (LPV) dem Erhalt der Rhöner Kulturlandschaft. Das mehrjährige Engagement für die Thüringer Rhönhutungen war bislang das anspruchsvollste Projekt, die charakteristischen Lebensräume der Thüringer Rhön zu schützen und zu entwickeln. Auf ca. 440 Hektar Fläche, überwiegend Kalkmagerrasen, konnte die für Schafhutungen typische Biotop-Qualität wiederhergestellt werden. Regelmäßige Beweidung hält die Flächen offen und bewahrt die für Magerrasen charakteristische besondere biologische Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt.

Durch eine Erstpflege der in einigen Teilen zugewachsenen Fläche konnte ein wesentlicher Beitrag geleistet werden, das typische Landschaftsbild der Rhön zu bewahren. Zur Unterstützung der heimischen Hüteschäferei, die im Projektgebiet mit 16 großen Herden von jeweils rund 500 Tieren unterwegs ist, wurden 29 Viehtränken angelegt. Die Beweidung durch Schafe und in kleinerem Umfang auch Ziegen hält die Landschaft offen. Zu Recht gilt das Projekt unter dem Motto „Rhöner Landschaft behüten“ als großer Erfolg.

 

Gemeinsam bereits viel erreicht

Nach Abschluss des mit sechs Millionen Euro geförderten Großprojekts
sollte es weitergehen, sagte Umweltministerin Anja Siegesmund bei einer Feier am Kirchberg in Wohlmuthausen. Man wolle sich nicht auf dem Status quo ausruhen, sondern schaue in die Zukunft und habe nach einer „Anschluss-Idee“ gesucht. Indem sie den LPV nun zur Natura 2000-Station machte, übertrug sie der Einrichtung auf mehrere Jahre besondere Verantwortung für das Aktionsgebiet des Verbandes. Insgesamt sollen in Thüringen elf solche Stationen entstehen, die Station „Rhön“ ist die dritte. Ein übergeordnetes Kompetenzzentrum wird die Arbeit der Stationen koordinieren. Die Finanzierung der Station mit Sitz in Kaltensundheim ist für vier Jahre gesichert.

Nach dem Willen der Ministerin wird die Station vor allem den Mehrwert der Natura 2000-Flächen nach außen darstellen. Die artenreichen Kalkmagerrasen der Region hätten bundesweite Bedeutung und die Rhön zählt laut Bundesamt für Naturschutz zum Kreis der 30 Hotspot-Regionen der biologischen Vielfalt in Deutschland.

Bewusst habe sie für die Aufgabe in der Rhön den Landschaftspflegeverband ausgewählt, den sie gut kenne. „Wir trauen
Ihnen viel zu!“, rief die Ministerin den drei hauptamtlichen
Mitarbeiterinnen des LPV (Petra Ludwig, Julia Gombert und Kerstin Döll) zu. „Wir setzen auf Ihr Organisationsgeschick und Ihre Tatkraft. Denn wir wissen, Sie können dicke Bretter bohren.“

Unter Beifall der zahlreichen Gäste aus Politik, Behörden und Verbänden überreichte Ministerin Siegesmund dem Dreierteam dann eine offizielle Holzplakette, die eine Abbildung des Rotmilans ziert, dem „Wappenvogel“ der Rhön. Jetzt gehe es in der Thüringischen Rhön richtig los, versprach die Ministerin.

Erfreut über den für die neuerlichen naturschutzpolitischen Impuls für die Thüringische Rhön zeigte sich auch Peter Heimrich, Landrat des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, der auch für den ebenfalls am Projektgebiet beteiligten Wartburgkreis sprach. Letztlich gehe es darum, die Schöpfung zu bewahren. Dafür habe es in der Region von Anfang an übergreifenden Konsens gegeben. Auf lokalpolitischer Ebene sei man dankbar für die großzügige Förderung durch das Land und den Bund.

Für den LPV hatte zuvor dessen Vorsitzender Walter Beck die Gäste am
Kirchberg begrüßt und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten gewürdigt, darunter Landwirte und Schäfer, Fachbehörden, Verbände und Kommunen sowie die beiden Landkreise und nicht zuletzt die Thüringische Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats. Man ziehe an einem Strang und die Natur profitiere davon. Die durch nachhaltige Pflege am Kirchberg erzielten Erfolge seien dafür ein gutes Beispiel.


Arbeitsschwerpunkte des LPV Rhön und der Natura 2000-Station

  • Immer in enger Zusammenarbeit mit den hiesigen Landwirten, Gebietskennern und Naturschützern, in Abstimmung mit Behörden und Kommunen, sowie mit der Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön
  • Beratung von Landwirten, Kommunen und Privatpersonen bei der Beantragung von Fördermitteln aus den verschiedenen Landesprogrammen
  • Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Schmalkalden Meiningen und Wartburgkreis bei der Vorbereitung der Fördermittel-Antragsformulare
  • Projekte zum Erhalt der biologischen Vielfalt planen und umsetzen
  • Schwerpunkt: die Arten und Lebensräume der FFH- und Vogelschutz-Richtlinie in den 21 Natura 2000-Gebieten und -Objekten im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön

Ziel ist der Erhalt und die Entwicklung der typischen Rhöner Kulturlandschaft mit ihrer bemerkenswerten Artenvielfalt (Flora und Fauna).

 

08.08.2016

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Julia Gombert vom Landschaftspflegeverband „BR Thüringische Rhön" e.V. freut sich für das ganze Team des LPV.

Die Thüringische Umweltministerin Anja Siegesmund bei der offiziellen Übergabe in Wohlmuthausen

Schutzgut in der Rhön: Männliches Knabenkraut - O. mascula (Foto: J. Gombert (LPV BR Thüringische Rhön e. V.)

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