Lima - 20.04.2016Biosphärenreservat Rhön

Weltkongress der UNESCO-Biosphärenreservate in Peru: Auch die Rhön vertreten

1221 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 115 Ländern kamen im März im Kongresszentrum der peruanischen Hauptstadt Lima zusammen, um sich über ihre Arbeit für die UNESCO-Biosphärenreservate auszutauschen und einen Aktionsplan für das Weltnetz fertigzustellen und zu verabschieden. Zu den Vertretern aus fünf Kontinenten gehörte auch Dr. Doris Pokorny von der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, die für internationale Kontakte zuständig ist.

„Über die Möglichkeit der Teilnahme auf Einladung des Bundesumweltministeriums, das die Reisekosten für die 18-köpfige deutsche Delegation finanziert hat, habe ich mich sehr gefreut“, sagt Dr. Pokorny. Für sie war dies in ihrer 25-jährigen beruflichen Tätigkeit für die Rhön bereits der dritte Weltkongress der Biosphärenreservate, diesmal allerdings außerhalb Europas. In regelmäßigen Abständen werden die Strategien und Maßnahmen für das Weltnetz, in das die aktuell 669 Biosphärenreservate aus 120 Länder eingebunden sind, überprüft und neu justiert. Das Weltnetz wächst stetig, denn die Integration von Schutzzielen, sozioökonomischen und soziokulturellen Zielen, in eine „Nachhaltige Entwicklung“ wird als der „Königsweg“ für die Lösung von Landnutzungsproblemen angesehen. Ob in Peru, auf den Malediven – oder eben in der Rhön.

In zahlreichen Workshops wurden Praxisbeispiele aus den einzelnen Ländern und Gebieten vorgestellt und diskutiert. Schwerpunkt des Aktionsplans bilden folgende Themen: Modelfunktion der Biosphärenreservate für Nachhaltigkeit, Kommunikation und Informationsaustausch sowie Zusammenarbeit und Vernetzung der Biosphärenreservate untereinander und mit der Privatwirtschaft.

„Durch unsere Zusammenarbeit mit dem Partner-Biosphärenreservat Kruger to Canyons (Südafrika), in dem derzeit und nächstes Jahr wieder junge Rhöner in einem Freiwilligenprogramm mitarbeiten, können wir auf viele Erfahrungen zurückgreifen“, erläutert Dr. Pokorny. Auch im Bereich der nachhaltigen Regionalvermarktung schaut man auf die Rhön. Die Biosphärenreservatsvertreterin wurde gebeten, am Beispiel der Rhön einen Impulsvortrag über die positiven Effekte zu halten, die nachhaltiger Konsum regionaler Lebensmittel durch Touristen auf die Kulturlandschaft haben kann.

Wenn Besucher erfahren, welche positiven Nebenwirkungen ihr Gelbvieh-Steak hat, das sie in einem Rhöner Restaurant verzehren, trägt das zur Bewusstseinsbildung bei und sie nehmen die Rhönlandschaft und ihren eigenen Konsum anders wahr. Das kann zu einer vielseitigen Win-Win-Beziehung werden, von der alle profitieren: die Kulturlandschaft, welche der Gast erlebt, das Nutztier, welches eine artgerechte Haltung erleben durfte, der Gastronom, der sich mit dem Angebot profilieren kann – und der Landwirt.

„Innerhalb des Weltnetzes der Biosphärenreservate hat die Rhön einen sehr guten Namen“, berichtet Dr. Pokorny, die während des Kongresses bestehende internationale Kontakte pflegen und neue aufbauen konnte. „Mit der Neuauflage des Rahmenkonzepts arbeiten die Rhöner Akteure derzeit gemeinsam daran, dieses hohe Niveau weiter aufrechtzuerhalten. Der Aktionsplan für das Weltnetz bildet hierfür quasi den Kompass.“

Nächster Höhepunkt wird das erste Welt-MaB-Jugendforum sein, das im Herbst 2017 in Italien stattfinden wird. „MaB“ steht für „Der Mensch und die Biosphäre“. Teilnahmebedingungen sind: Wohnsitz in einem Biosphärenreservat, gute Englischkenntnisse und Vertrautheit mit den Ideen und Zielen des Biosphärenreservats. Dr. Pokorny ist sich sicher, „dass wir einige geeignete junge Leute aus der Rhön als Botschafter hinschicken können!“

Die Kongress-Dokumente (Lima-Aktionsplan 2016-2025 und Lima Declaration) stehen zum PDF-Download zur Verfügung:

Lima ACTION PLAN for UNESCO's Man and Biosphere (MAB) Programme and its World Network of Biosphere Reserves (2016 - 2025)

Lima DECLARATION of the UNESCO Man and the Biosphere (MAB) Programme and its World Network of Biosphere Reserves (WNBR)

20.04.2016

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Dr. Doris Pokorny mit German López Ballesteros, dem Vorsitzenden des Vereins indigener Völker in Peru – in der traditionellen Tracht der Yanesha. Deren Lebensraum ist Teil des 18.000 km² großen Biosphärenreservates Oxapampa-Asháninka-Yanesha im Amazonasbecken. Nachhaltige Nutzungskonzepte sollen Entwaldung, Überfischung, Wilderei und unsachgemäßen Einsatz von Agrochemie eindämmen und damit die Existenzgrundlage der Bewohner sichern. (Foto: privat)

Die deutsche Delegation bestand aus Vertreter/innen von sechs Biosphärenreservaten, dem Deutschen MaB-Nationalkomitee, der Deutschen UNESCO-Kommission sowie dem Bundesumweltministerium, das die Delegationsleitung innehatte. (Foto: privat)

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